Clicky

97% der Künstler bei Majorlabels verdienten auch vor Napster nur 600$ oder weniger pro Jahr

Der Blogger Cory Doctorow in seiner aktuellen Kolumne für den Guardian, die ich eben schon auf neunetz.com empfohlen habe, über die Verhältnisse in der Plattenindustrie:

Consider the remarkable statement from Alanis Morissette’s attorney at the Future of Music Conference: 97% of the artists signed to a major label before Napster earned $600 or less a year from it. And these were the lucky lotto winners, the tiny fraction of 1% who made it to a record deal. Almost every artist who sets out to earn a living from art won’t get there (for me, it took 19 years before I could afford to quit my day job), whether or not they give away their work, sign to a label, or stick it through every letterbox in Zone 1.

Der Text ist vor allem auch lesenswert, weil er quasi ein Destillat des Standpunktes von Doctorow darstellt und einen guten Überblick über den aktuellen Kulturkampf und die tatsächliche Position der Gegner eines strengeren Urheberrechts und/oder von Gesetzesvorhaben wie HADOPI oder ACTA darlegt:

Those who say that they can control copies are wrong, and they will not profit by their strategy. They should be entitled to ruin their own lives, businesses and careers, but not if they’re going to take down the rest of society in the process.

  • DieterK

    Gibt es einen Link zur Original-Aussage bezüglich der 97 % der Majorlabel-Künstler, die vor Napster angeblich weniger als 600 Dollar pro Jahr verdienten?

    Kann diese Angabe auch nur annähernd stimmen? Selbst wenn Majorlabel-Künstler in den 1990er Jahren (vor Napster) nie Konzerte gaben und keine Einnahmen aus Merchandising usw. hatten, dürften die damals üblichen Vorschüsse geteilt durch die Vertragsdauer (bei erfolglosen Künstlern maximal zwei Jahre) deutlich höhere Werte ergeben.

    „What EFF has asked for is the same deal for the net: let ISPs buy blanket licences on behalf of their customers, licences that allow them to share all the music they’re going to share anyway – but this way, artists get paid. Incidentally, this is also an approach favored by Larry Lessig, whom you also single out as „ironic“ in your piece.“

    Stimmt das? Fordern die EFF und Lessig tatsächlich eine von den ISPs zu zahlende Lizenzgebühr (was auf eine „Kulturflatrate“ a la Grassmuck hinausläuft)? Warum sollen die ISPs für die Handlungen ihrer Kunden zahlen? Steht diese Forderung nicht im strikten Gegensatz zur Forderung nach Netzneutralität?

  • Die Konzert-Einnahmen liefen nicht über die Labels. Merchandise etc. je nach Vertrag auch nicht. Das ändert sich gerade mit den 360-Grad-Verträgen. Wenn man bedenkt, dass Musik ein hit-getriebenes Business war und noch teilweise ist, dann kann man die 97% durchaus nachvollziehen. Ich habe keinen Link zur Aussage gefunden, die während der Konferenz getätigt wurde, also nicht in einem Artikel veröffentlicht wurde. Die zugrunde liegende Studie bzw. Untersuchung würde mich auch interessieren.
    Die hier erwähnte Studie..:
    http://www.neunetz.com/2010/09/14/studien-kuenstler-verdienen-im-filesharing-zeitalter-mehr-als-zuvor/
    ..gab für 1999 ein durchschnittliches jährliches mit Musik erwirtschaftetes Einkommen von Musikern in Norwegen mit 80.000 Kronor an. Das sind umgerechnet heute ungefähr 9950 Euro. Die Zahlen liegen durchaus nah beieinander. (Laut Studie liegt das Durchschnittseinkommen von Musikern in Norwegen heute übrigens bei umgerechnet ca. 16500 Euro.)

  • DieterK

    Gerade weil die Musikindustrie ein „hit-getriebenes Business“ war, können die Zahlen nicht stimmen: Schon damals wurden ja nur bereits erfolgreiche Musiker unter Vertrag genommen und die Vorschüsse lagen im (mindestens) fünfstelligen Bereich. Ich kenne die 97% aus einem anderen Zusammenhang: Angeblich sind 97% der Veröffentlichung von Majorlabels Flops (eine ebenfalls unbelegte Behauptung).

    Die norwegische Studie hab‘ ich nur kurz überflogen (die aus Schweden ist besser, detaillierter und eher auf andere Länder übertragbar): Große Teile der Einkommenssteigerung sind auf a) höhere staatlichen Subventionen und b) auf höhere Einnahmen der Verwertungsgesellschaften zurück zu führen. Hinzu kommt, dass die Konzerteinnahmen durch Superstars in Verbindung mit der Monopolmacht der Veranstalter total verzerrt sind. (Und steht da nicht auch noch irgendwo, dass die meisten der norwegischen „Musiker“ Amateure sind?)

    Willst Du durch die Überschrift „Künstler verdienen im Filesharing-Zeitalter mehr als zuvor“ einen Zusammenhang zwischen Filesharing und den gestiegenen Einnahmen herstellen?

    • Es ist richtig, dass in Norwegen auch staatliche Subventionen eine wichtige Rolle spielen.

      „Hinzu kommt, dass die Konzerteinnahmen durch Superstars in Verbindung mit der Monopolmacht der Veranstalter total verzerrt sind.“

      Verzerrt im Vergleich zu was? Dem Markt für Tonträger?

      „Und steht da nicht auch noch irgendwo, dass die meisten der norwegischen „Musiker“ Amateure sind?“

      Das dürfte wohl überall auf der Welt der Fall sein.

      „Willst Du durch die Überschrift „Künstler verdienen im Filesharing-Zeitalter mehr als zuvor“ einen Zusammenhang zwischen Filesharing und den gestiegenen Einnahmen herstellen?“

      In erster Linie ging es darum, zu zeigen, dass die Existenz unautorisierten Filesharings nicht zum Zusammenbruch des Musiksektors geführt hat, auch nicht zu seinem Schrumpfen. Ob es direkte positive Auswirkungen hat, darüber kann man streiten. Die Annahme liegt aber zumindest nahe und ist nicht sonderlich abwegig. In mindestens einem akademischen Paper wird dieser Zusammenhang auch nahegelegt (File-Sharing and Copyright von Felix Oberholzer-Gee von Harvard und Koleman Strumpf von der University of Kansas).

  • Pingback: ‘Wise Guys’ vs. EMI: Die Rechte der Künstler()

  • Pingback: Best of: Oktober 2010 auf neumusik.com()