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.music: Tonträgerindustrie vs. ICANN

15 Tonträgerindustrie-Verbände aus verschiedenen Ländern haben einen Brief an ICANN wegen der geplanten Top Level Domain (TLD) .music geschrieben:

Eine wenig verhohlene Klagedrohung haben 15 nationale und internationale Musikindustrie-Verbände, darunter IFPI und RIAA, der ICANN übermittelt. Der Brief (PDF) ist von der RIAA-Anwältin Victoria Sheckler stellvertretend für die 15 Verbände ausgefertigt und trägt den 5.Januar als Datum. Anlass des Schriftverkehrs ist die geplante Einführung der generischen Top Level Domain (gTLD) „.music“. Die Musikindustrie will, dass die zukünftige .music-Registry als eine Art Urheber- und Markenrechts-Polizei agiert.

Man fordert eine weitgehende Kontrolle:

„Wir möchten mit ICANN und anderen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Best Practices (Richtlinien) erarbeitet und umgesetzt werden, die Sicherstellen, dass kein schädliches Verhalten (Urheber- und Markenrechtsverletzungen) gesetzt wird“, heißt es in dem Schreiben weiter. Hier sollen also Vorgaben gemacht werden, dass und wie die Registry Inhalte kontrollieren und gegebenenfalls zensieren soll, die unter .music-Domains bereitgestellt werden.

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich die Verbände als Sprachrohr der Musikkultur insgesamt gerieren. Allerdings ist das auch gleichzeitig wieder nur konsequent.

Natürlich wird eine TLD .music ob mit oder ohne Kontrolle keinerlei Auswirkungen auf illegale Distribution von Musik haben. Dezentrales P2P-Filesharing benötigt keine zentrale Anlaufstelle und Websites mit illegal bereitgestellten Inhalten können auch mit .com oder einer anderen TLD betrieben werden.

Die Vertreter der Tonträgerindustrie, die sich vor einem unkontrollierten .music fürchten, scheinen irrtümlich immer noch von einer Welt mit wenigen zentralen Anlaufstellen und geringem Informationsfluß auszugehen.

Als inoffizielle TLD für Musikstartups etabliert sich seit einiger Zeit .fm, das wohl mit Last.fm seinen Anfang nahm.