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Arcade Fire, turntable.fm, Pandora: Regionale Lizenzierung und Distribution schränken Konsum und Lizenzeinkünfte ein

Das Problem der weltweit zersplitterten Lizenzierung ist seit geraumer Zeit offensichtlich, mit der zunehmenden Vielfalt innovativer Business- oder Vermarktungsmodelle ist es mehr als imminent und stellt sich als enorme Markteintrittsbarriere dar.

Nimmt man die mehr als 100 (!) iTunes-Shops noch hin, so wird es bei eMusic Europe schon augenfälliger, da die Auswahl nicht im Vorhinein derart gezielt durch den spezifischen Shop eingeschränkt wird. London Calling von The Clash oder das selbstbetitelte Public Image Ltd.; man kennt es: Nicht erhältlich in Deutschland.

Am 27. Juni hat turntable.fm Konsequenzen ziehen müssen. Seit Anfang der Woche ist der Service nur noch für Nutzer aus den USA verfügbar:

We’re very sorry, but while we would love to let you in and rock out with us, we need to currently restrict turntable access to only the United States due to licensing constraints.

Welche Chancen für die Musikindustrie hier möglicherweise verpasst werden, zeigt die spannende Analyse von Rishi Mirchandani, der näher auf den viralen Wert und Social-Media-Kontext von turntable.fm eingeht.

Am gleichen Tag musste die Veröffentlichung des Filmprojekts von Arcade Fire und Spike Jonze (“Scenes from the Suburbs” -  Teaser auf MUBI) vorläufig eingeschränkt werden – potenzielle Zuschauer aus USA, Kanada, Australien und Deutschland blieben außen vor:

[Movie hosting platform] MUBI’s founder and CEO Efe Cakarel told [gigaom] that he got notified at the last minute by the band’s manager that the short film could not be shown in the four countries to protect the release of the physical album.

Neben den weiteren, zur Genüge bekannten Diskussionen um YouTube und GEMA (neumusik.com berichtete erst kürzlich über den Unmut von Universal und Sony Music gegenüber der GEMA), und Spotify, die auf mehreren Märkten Lizenzverhandlungen führen, hat sich ebenfalls am 27. Juni Pandora’s Gründer Tim Westergren in einem Interview mit MusikWeek zum Thema geäußert:

“We pay too much in royalties,” he explained. “I say that as a musician who is supportive of it [the royalties system]. But we pay too much in absolute terms.”

He argued that Europe needed to follow the lead of the US and push forward with a “centralised licensing structure” such as SoundExchange.

Oder, wie Paul Resnikoff bezogen auf dieses Interview seinen Artikel betitelt: “Will Europe Ever Get Its Shit Together?”

Kann man im Fall von Arcade Fire argumentieren, es sei (vermutlich) kein ausschließlich lizenzbedingtes Problem, so schränkt zumindest die regional begrenzte Veröffentlichung und damit verbundene Auswertung den ganzheitlichen, globalen Ansatz einer Marketing-Strategie ein. Bezogen auf den Künstler ist dies einer der vorherrschenden Nachteile auch des aktuellen Lizenzierungsmodells – weltweit, und durch nationale Aufsplitterung verstärkt in Europa. Es ist richtig, dass regional unterschiedliche Märkte nach angepassten Strategien verlangen, aber den Online-Release künstlich im Zugang zu beschränken, fordert illegale Ansätze geradezu heraus.

Geschäftsmodelle, die der Musikindustrie einen neuen Erfolgsschub geben könnten, werden durch nicht zeitgemäße Anforderungen in ihrer Entwicklung beschränkt oder regional begrenzt – wiederum nicht zum Vorteil des Künstlers. Einen Einblick in die Situation der Musik-Startups gab neumusik.com bereits im Oktober letzten Jahres.

Unabhängig davon, wie hoch oder niedrig der Beitrag eines einzelnen Streaming-Service zum Unterhalt eines Künstlers sein mag, eine Nicht-Einigung bringt weder Marketing, noch Distribution, noch Royalties. Nicht zu vergessen ist, dass an Stelle oder ergänzend zu regionalen traditionellen Medien mehrere weltweite Streaming-Services treten (würden) – womit Reichweite massiv ausgebaut und neue Einkunftsquellen und Multiplikatoren gewonnen werden.

Nicht zuletzt stellt ein überarbeitetes Lizenzierungsmodell, das sich an den Anforderungen des Web orientiert, die für die meisten Künstler undankbaren statistischen Verteilschlüssel einiger Verwertungsgesellschaften in Frage. Denn alle Online-Anbieter können ohne erhöhten Aufwand exakte Angaben machen, welcher Künstler mit welchem Track zu welcher Uhrzeit und wie lange gespielt wurde. Eine adäquate Abbildung durch eine logische 1:1-Abbildung bei der Auszahlung der Royalties an die Urheber und Künstler lässt auf sich warten.

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