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Björk fordert Hacker zur Portierung ihres App-Albums “Biophilia” auf

Dass Björk ein ganzes Album als App-Sammlung gestaltet, in der jede App einen Song repräsentiert, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

Der innovative Schritt hin zu einem völlig neuen Song-Container, einer Mutter-App, ist mehr als zeitgemäß, eher konsequent – schließlich gibt es für fast alles eine App, wie wir wissen. Andererseits beschreibt Scott Snibbe, der Lead Developer des Teams um Björk, dies gerade als einen Schritt zurück.

[..] if you look at what the app offers an artist, it’s what music offered people before recording. It’s actually the primordial experience of music.

Recorded music that is delivered to your home, and you just listen passively, is a new invention in the 20th century. Before vinyl records, sheet music was the music delivery platform. That was the app of the 19th century.

You’d get this app, which was the sheet music, and then you’d play it with your family — you’d play it longer, you’d play it shorter, you’d change the words, you’d laugh — that’s what we’re going for. I think what we’re doing is maybe old-fashioned, rather than new: making music interactive again. It’s letting people have their own personal experience with the album and even change it to experience it fresh every time they play with it.

Das Album gilt als totgesagt, und es ist die Wiederbelebung eines alten Konzepts. Mancherorts wird gar thematisiert, ob und inwiefern die Notwendigkeit des genauen Hinhörens und Hinschauens dem Erfolg entweder im Wege steht… oder der intensiven Beschäftigung mit Musik Vorschub leistet. Etwas, das leider auch mit Peter Gabriels Xplora1 seinerzeit nicht wirklich geglückt ist. Nicht bei allen Konsumentengruppen. Bei weitem nicht.

Äußerst spannend und mindestens ebenso innovativ wie Björk’s App-Album Biophilia sind nun die letzten Äußerungen von ihr im Interview mit Drowned in Sound. Denn, manch Android nutzender Björk-Fan wird von dem Fakt der ausschließlichen Verfügbarkeit auf iOS bitter enttäuscht gewesen sein.

Der Lösungsansatz von Björk erinnert an Trent Reznor, der (anonym) seinen Fans hoch qualitatives, Broadcast-fähiges Material zum Erstellen eines eigenen Films zur Verfügung gestellt hat. Björk hat mit ihren Entwicklern nach eigener Aussage für gut portierbaren Code gesorgt. Die eigentliche Adaption und Ausführung dieser Aufgabe überlässt sie jedoch wieder der Crowd, genauer: den Piraten und Hackern. Im Interview sagt Björk:

“I’m not supposed to say this, probably, [..] but I’m trusting that the pirates out there won’t tie their hands behind their back.”

She added that compatibility was an issue her app designers had been made aware of:

„That’s why we really made sure when we wrote all the programs that they will transfer to other systems.“

Und wieder wird sie ihrem Anspruch gerecht. Ein Maximum an Interaktivität zu erreichen, nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit dem Code, dem technologischen Bestandteil ihrer Kunst. Theoretisch ist dies nicht nur eine indirekte Aufforderung zur Portierung, sondern zur Weiterentwicklung der Apps.

Interessant in Sachen Portierung wäre es, wenn neben nativen Android-, Windows- oder Blackberry-Varianten insbesondere auch HTML5 in Erscheinung treten würde. Damit wären die Hardware-Grenzen zumindest aufgeweicht.