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Will GEMA mit ihren Tarifen werbefinanziertes Streaming erschweren?

Die diese Woche vorgestellten GEMA-Tarife für werbefinanziertes Streaming gelten auch für die kostenfreien Basisangebote bei Freemium-Anbietern.

Das dürfte die kostenfreien Basis-Angebote von Freemium-Anbietern im On-Demand-Streaming-Sektor wie simfy oder dem nach Deutschland kommenden Spotify sehr stark einschränken, da diese immer mit ‚hohe Interaktivität‘ unter den teuersten Tarif fallen dürften.

Martin Weigert rechnet das am Beispiel des kostenfreien Angebots von simfy auf netzwertig.com vor:

Dienste wie simfy oder das vor einem Deutschlandstart stehende Spotify müssen sich daher genau überlegen, in welchem Maße sie kostenfreies Musikstreaming ermöglichen wollen. simfy erlaubt dies derzeit für fünf Stunden pro Monat – bei 15 Songs pro Stunde wären dies 75 Songs, für die das Kölner Startup gemäß dem neuen Tarif 75 x 0,6 Cent = 0,45 Euro an die GEMA abführen müsste – zusätzlich zu den Lizenzgebühren, die an die Labels fließen.

Damit werden selbst wenige kostenfreie Stunden pro Monat zu einer teuren Ausgabe für Anbieter, wenn sehr viele Nutzer auf das Basisangebot zurückgreifen. Könnte die GEMA bewusst dafür sorgen, die kostenfreien Komponenten so klein wie möglich zu halten?

simfy-CEO Gerrit Schumann kritisiert den neuen GEMA-Tarif für werbefinanzierte Angebote auch gegenüber netzwertig.com:

Wir glauben nicht, dass sich auf dieser Grundlage werbefinanziertes Streaming (legal) langfristig realisieren lässt. Auch wir stehen somit vor der Entscheidung, ob und wie es mit unserem werbefinanziertem Angebot in Deutschland weitergeht. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen digitalen Musikmarktes sehe ich somit nicht gewährleistet, denn im Vergleich zu anderen Ländern sind die Tarife deutlich zu hoch.

Während das letzte Woche auch in Deutschland gestartete rara.com nur kostenpflichtig verfügbar ist, bietet das diese Woche in Deutschland an den Start gegangene, aus Frankreich kommende Deezer auch eine kostenlose Komponente an.

Bleibt die Frage, ob aus Erfahrungswerten mehr über den deutschen Markt weiß als Deezer oder ob man einfach ungehalten ist, dass man nicht mehr der einzige On-Demand-Streaming-Anbieter mit GEMA-Vertrag und damit auf dem deutschen Markt ist.

So oder so, 2012 wird das Jahr des Streamings in Deutschland. Und es wird sich auch im internationalen Vergleich der hierzulande verfügbaren Services im Laufe des Jahres zeigen, ob die GEMA-Tarife zu hoch sind, wenn hierzuland die Dienste nur stärker beschnittene Free-Komponenten anbieten.

  • Die Lösung liegt natürlich auf der Hand: Nur noch Songs von The Orb und Tangerine Dream kostenfrei anbieten.

  • Christoph Landes

    Ist das sicher, dass die Tarife für werbefinanziertes Streaming auch für die kostenfreien Basisangebote bei Freemium-Anbietern gelten? Ich dachte, diese würden unter die Einigung mit BITKOM fallen (https://www.gema.de/presse/aktuelle-pressemitteilungen/presse-details/article/einigung-von-bitkom-und-gema-zu-online-musik.html) und somit pauschal pro User/Monat verrechnet werden und die hier angegebenen Preise von 0,6Cent/Stream würden lediglich für REIN werbefinanzierte Dienste gelten (=YouTube und Co, aber das ja wieder ein anderes Thema..) – nicht?

  • Da gab es einige Missverständnisse. Martin Weigert von netzwertig.com hat bei der GEMA nachgefragt (siehe Link oben) und erfahren, dass die Werbetarife auch für die kostenfreien Angebote bei Freemium gelten.

  • Christoph Landes

    Ah, alles klar, danke! Auch mir gegenüber hat die GEMA nochmal auch Nachfrage bekräftigt „User/Monat ist hier korrekt. Freemium-Modelle wie Simfy werden von der Vereinbarung mit dem Bitkom geregelt.“ – Werde sie gleich mal damit konfrontieren.

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