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GEMA-Aufsichtsratsmitglied Konstantin Wecker: „Was soll zweifelhaft sein an der Gema?“

Konstantin Wecker, seit Juni 2012 Aufsichtsratsmitglied der GEMA, im Interview in der Frankfurter Rundschau:

Bleiben wir bei der Gema. Als im Juni in Deutschland gegen die ruinösen Methoden der Urheberschutzgesellschaft protestiert wurde, waren Sie nicht mit auf der Straße. Da haben Sie sich in den Aufsichtsrat der Gema wählen lassen. In den Aufsichtsrat eines der zweifelhaftesten..Vereine.

Ach, aber Youtube und Google sind nicht zweifelhaft, nein? Das sind menschenrettende Organisationen, oder was? Die Gema ist die letzte Instanz, die uns Autoren schützt. Was soll zweifelhaft sein an der Gema?

Ihre Struktur, ihr Verteilerschlüssel, vollkommen undemokratisch. Die 3400 Großverdiener unter den 65.000 Mitgliedern entscheiden über die Verteilung der Gelder. Darum fließen 65 Prozent der Einnahmen an 5 Prozent der Urheber. Und Spitzenverdiener wie Sie bekommen überdies noch eine Rente.

Das ist einfach nicht richtig. Ich bin bald 40 Jahren in der Gema, ja, da ist vieles nicht in Ordnung. Ich streite auch mit der Gema, zum Beispiel, um als E-Musik-Komponist eingestuft zu werden mit meinen Chansons und nicht wie der billigste Schlagerschreiber. Alles andere sind die Lügen derer, die in der Gema sind, aber einfach nicht gespielt werden. Wer fünf Mal im Radio läuft, kriegt fünf Mal mehr als der, der nur ein Mal läuft. So einfach. Die Gema kann nur dem was geben, der gespielt wird.

Dass Spitzenverdiener allein entscheiden, nach welchem Schlüssel das Geld verteilt wird, ist in Ordnung?

Oh, das kommt in der deutschen Politik wohl nicht vor?

Das sich selbst verstärkende Modell der GEMA macht sie auch immun gegen interne Kritik, weil diese nie an Stellen gelangt, an denen sie etwas verändern kann.

Man muss sich die letzte Antwort von Konstantin Wecker durch den Kopf gehen lassen und durchdenken, was er zynischerweise eigentlich meint: ‚Wir Musiker ganz oben und unsere Organisation, die sich um uns kümmert, haha, wir sind genauso korrupt wie die deutschen Politiker.‘ Großartige Aussage für einen Künstler.

In der Zusammenfassung des fragenden Journalisten findet sich das größte Problem der GEMA, die institutionalisierte Ungerechtigkeit. Diese kann man nur einfach wegzwischen, wenn man direkt von ihr profitiert.

(via)

  • Josef Greubler

    Kreuzzug gegen die Gema. Da hätte jeder sitzen können, irgendwas wäre ihm eingefallen. Sorry, setzen 6.

  • Golda Falk

    Wenn man etwas bewirken will, dann kann man entweder auf die Straße gegen und Krach schlagen ODER man übernimmt Verantwortung und lässt sich in die Funktionen hinein wählen, wo Veränderung möglich ist. Jemanden wie K.W. für dieses Engagement zu schelten und mit zynischen Fragen zu bombadieren ist vielleicht medienwirksam, zeigt allerdings nur die Feigheit all derer, die ein System kritisieren ohne für ihre Kritik Verantwortung übernehmen zu wollen. Dem Fragesteller Marcel Weiss und allen anderen Nicht-GEMA-Mitgliedern kann es egal sein, WIE die GEMA ihr Geld verteilt. Ihm gehört es nicht. Was und wann an diesem System geändert werden soll, kann nur innerhalb der GEMA verhandelt werden.
    Das Unsinnige an dieser „Diskussion“ ist doch, dass was eigentlich dahinter steht: Marcel Weiss (und alle seiner Gefolgsgenossen) will eigentlich nichts mehr zahlen, weder an die GEMA noch an andere Verwertungsgesellschaften! Weder für Konzerte, Youtube-Views, Audio-Streams oder TV. Alles umsonst haben wollen, das ist das Ziel dieser Fragen! Die eigentlichen Probleme für die „armen unberücksichtigten 95% GEMA-Mitglieder“ ist doch eigentlich, dass Youtube, User, Google usw. gerade für junge Independent-KünstlerInnen, die sich dort sehr gut darstellen könnten NICHTS zahlen wollen! Das ist der eigentliche Skandal.

  • Tom

    Ach ja, die Birgit Walter wieder. Eine Frau, die wenn es um die GEMA geht, ja für ihre objektive und sachliche Berichterstattung bekannt ist.
    Ich kann mir z.B. kaum vorstellen, dass Konstantin ihr nicht erklärt hat, warum „65 Prozent der Einnahmen an 5 Prozent der Urheber [fließen]“. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass eben diese 5% ungefähr 70% des Inkassos generieren. Die GEMA ist nunmal kein Sozialverein, sondern ein Verein, der für Urheber das Inkasso übernimmt. Wessen Musik oft aufgeführt wird, der bekommt nunmal mehr als jemand, der nur ein paar mal gespielt wird. Was ist daran nicht zu verstehen?
    Fänden Sie es denn gerecht, wenn in Ihrer Firma der Kollege, der nur Teilzeit arbeitet am Ende des Monats hierfür die gleiche Lohnsumme ausgezahlt bekäme wie jener, der Vollzeit malocht? Wohl kaum.
    Und bei der GEMA ist das dann auch noch so, dass gerade jene 5% von den ihnen zustehenden Tantiemen auch noch einen Teil abgezogen bekommen, der eben sozial verwendet wird.
    Ich möchte nicht wissen, wie Frau Walter hier wieder gearbeitet hat, um die Antworten zu bekommen, die sie gerne hätte. Das Interview mit Frau Schilcher von der GEMA im letzten Jahr hat ja sehr deutlich gezeigt, wie Madame Walter arbeitet.
    Birgit Walter ist seit geraumer Zeit auf einem weitestgehend faktenbefreiten Kreuzzug gegen die GEMA unterwegs. Das ist mittlerweile hinreichend bekannt. Schade nur, dass Konstantin Wecker seine Zeit mit so einer Schmierandin vergeudet hat. Warum umschreibt sie wohl gerne ihre Fragen in den Interviews, anstatt 1zu1 den Wortlaut dieser wiederzugeben? Vielleicht, weil dann auch dem Dümmsten klar würde, was diese „Journalistin“ beabsichtigt.

  • „Fänden Sie es denn gerecht, wenn in Ihrer Firma der Kollege, der nur
    Teilzeit arbeitet am Ende des Monats hierfür die gleiche Lohnsumme
    ausgezahlt bekäme wie jener, der Vollzeit malocht?“

    Das verlangt niemand.

    Gegenfrage: Fänden Sie es denn gerecht, wenn in Ihrer Firma der Kollege, der Vollzeit arbeitet mit den anderen Vollzeit arbeitenden Kollegen, darüber entscheidet wie viel sie und wieviel die Teilzeitarbeiter wie Sie vom Kuchen bekommen, während sie kein Mitspracherecht haben, weil Ihr Teil vom Kuchen zu gering ist? (Fällt Ihnen was auf?)

    Und noch eine Gegenfrage: Ist es gerecht, dass viele Musiker im Jahr so wenig von der GEMA bekommen, dass sie dank Mitgliedsbeitrag draufzahlen?

    Und Anschlussfrage: Warum nur hinter einem Pseudonym zur GEMA stehen?

  • „Marcel Weiss (und alle seiner Gefolgsgenossen) will eigentlich nichts
    mehr zahlen, weder an die GEMA noch an andere Verwertungsgesellschaften!
    Weder für Konzerte, Youtube-Views, Audio-Streams oder TV. Alles umsonst
    haben wollen, das ist das Ziel dieser Fragen!“

    Aha. Wo habe ich Fragen gestellt?

    Im Englischen gibt es außerdem den schönen Ausdruck von (wohl) Oscar Wilde: “When you assume, you make an ass out of u and me.”
    Nichts, was Sie da geschrieben haben, entspricht der Realität. Es bringt niemanden weiter, einfach Dinge ins Blaue zu unterstellen.

  • Tom

    Ich merke schon, sie haben keine Ahnung vom Verteilungsplan der GEMA. Ob Sie es nun glauben oder nicht: Jeder bekommt für seine Aufführungen dieselben Tantiemenzahlungen. Egal, ob angeschlossenes, ausserordenliches oder ordentliches Mitglied. Im Gegenteil, die ordentlichen Mitglieder bekommen sogar weniger ausgezahlt, weil eben damit die „kleinen Urheber“ unterstützt werden (vereinfacht ausgedrückt).

    Und auch die nicht-ordentlichen Mitglieder haben über ihre Delegierten ein Mitspracherecht. Wie groß das Stück vom Kuchen ist, hängt nunmal davon ab, wie oft die eigenen Werke aufgeführt werden. Die GEMA ist nunmal kein Sozial-Verein, sondern ein wirtschaftlicher Verein, der das Inkasso für seine Mitglieder übernimmt.
    Warum sollte ein Mitglied, dessen Werke nur einmal im Jahr aufgeführt werden, den gleichen „Anteil vom Kuchen“ bekommen wie eines, dessen Werke tagtäglich aufgeführt werden?
    Übrigens würde ich – obschon kein ordentliches Mitglied – sofort aus der GEMA austreten, wenn jeder Depp volles Stimmrecht hätte. Sinn dieses Systems ist, dass eben die Profis, die von ihrer Arbeit leben können und das Business kennen, mehr Stimmgewicht haben, als der Hobbyist, der mal einen Song angemeldet hat. Aber auch dieser Hobbyist kann über Anträge und Delegierte aktiv einfluss nehmen.
    Was meinen Sie wohl, wie schnell die GEMA von Veranstaltern und und anderen unterwandert wäre, wenn jeder volles Stimmrecht hätte? Dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die GEMA zu ungunsten der Urheber fremdbestimmt würde.

    “ Ist es gerecht, dass viele Musiker im Jahr so wenig von der GEMA bekommen, dass sie dank Mitgliedsbeitrag draufzahlen?“

    Wer nicht in der Lage ist, mindestens 25€ im Jahr an Tantiemen zu erwirtschaften, der hat sich vor dem GEMA-Beitritt wohl mehr als schlecht informiert. GEMA-Mitglied wird man nur, wenn auch ein entsprechendes Aufkommen – sprich Aufführungen – zu erwarten sind.
    Wenn ich also reiner Urheber bin und kein Airplay etc. vorweisen kann, lohnt sich die Mitgliedschaft nicht, aber als Urheber, der auch Interpret seiner Werke ist, lohnt es sich unter Umständen schon ab dem ersten Konzert, wenn man nicht zu faul ist, Musikfolgen auszufüllen und das Häkchen für die Nettoeinzelverrechnung zu setzen.
    Wird es nicht langsam langweilig, immer wieder die gleichen Falschinformationen und Halbwahrheiten runterzubeten?

    Klar gibt es innerhalb der GEMA einige Baustellen, die zu beackern sind, aber das ist Sache der Mitglieder und eben nicht von Aussenstehenden, die nicht den Hauch einer Idee davon haben, worum es geht.
    Die Mitgliedschaft ist freiweillig, niemand wird dazu gezwungen. Aber seltsamerweise sind es genau diejenigen, die medial die Klappe am weitesten aufreissen, die sich dann auf der HV, wo sie was ändern könnten, nicht blicken lassen (Bruno Kramm).

    Und ich wüsste auch nicht, dass mein Vorname ein Pseudonym wäre.