Clicky

„Eigentum verpflichtet. Musik-Miete nicht.“

iPhoneBlog.de:

Beats Music, heute Apple Music, ist ein ‚All-you-can-eat‘-Buffet, bei dem man wahllos zugreift, sich alternativ aber auch vom Küchenchef verschiedene Menüs zusammenstellen lässt, die tatsächlich harmonieren.

Aber: „Wenn ich aufhöre zu zahlen, habe ich nichts?!“

Falsch. Du hattest Zugriff auf mehr Musik als du dir jemals kaufen kannst. Einige der vorgeschlagenen Wiedergabelisten sind nur möglich, weil der komplette Musikbestand zur Auswahl herangezogen wird.

Zugegeben: Wer sich nur zwei bis drei Alben pro Jahr kauft, immer nur diese Titel in Dauerschleife hört und kein Interesse an einem Remix seiner eigenen Musik oder ähnlich gelagerten Künstlern hat, und es obendrein erträgt per Hand seine Songs auf alle Geräte zu synchronisieren, fährt finanziell günstiger.

Doch wie lange? Selbst wenn man kauft, sitzt man nur auf der jeweils aktuellen Qualität. Wer früher Kassetten gehört hat, ist (bis in alle Ewigkeit) daran gebunden. Wer CDs erwarb, hat heute kein HD-Audio. Die Option auf einen Streamingdienst zu wechseln, bei dem (potenziell) die Qualität, der Service und die Software automatisch wächst, ist reizvoll. Miete verpflichtet nicht; Besitz schon.

Der Neukauf in neuen Formaten ist natürlich auch das, was die Majorlabels mit ihren Jahrzehnte zurückreichenden Backkatalogen gern erhalten hätten. Eigentum, der alle paar Jahre (Jahrzehnte) zum Neuerwerb der alten Musik in neuen Containern animiert.

Der Goldrausch der Industrie der vor dem MP3-Absturz kam, war die CD und ihre Backkatalogzweitverwertung.

Da das unwiderruflich mit dem Servicemerkmal des On-Demand-Streamings verloren geht, könnte auch diese Aussicht einer der Gründe sein, warum die Majorlabels, die als Kartell die Preise festlegen, auf irrational hohen Monatsgebühren beharren.

Google Music bekommt werbefreie Onlineradioversion in den USA

Eine kostenfreie Radiovariante à la Pandora und co. ergibt für On-Demand-Streaming-Anbieter als Zusatzoption viel Sinn. Spotify hat es, andere auch. Jetzt auch Google. Google schaltet außerdem keine Werbung, nimmt also Verluste hin, um Marktanteile aufzubauen. Vorerst US-only. Auch das Timing ist interessant.

Mac Rumors:

Google today announced that it’s adding a free tier to its Google Music subscription service, just a week ahead of the launch of Apple Music. Apple Music doesn’t include a free listening tier, but it is accompanied by a free ad-supported radio service that provides users with a way to access music without shelling out cash.

Google’s free listening tier is built around Songza, the radio-based streaming service that Google purchased last July. It includes curated radio stations and playlists, which Google describes as human-curated and crafted „song by song“ for moods and activities like working out or driving. It’s currently available in the United States and rolling out to Android and iOS devices this week.

„CDs are the best format in the sense that they are so worthless as physical objects“

Perlentaucher fasst ein Interview mit dem Musiker Prurient zusammen:

Steven T. Hanley (The Quietusunterhält sich mit dem Musiker Prurient, der dem nostalgischen Vinylhype schon zu Zeiten misstraute, als er noch in einem Plattenladen arbeitete. Sein Standpunkt lässt sich eigentlich auch gut gegen die Streamingkritik in Position bringen: „I actually see it as very materialistic … When I had a store in the East Village many times someone would come in and ask ‚do you have  this record?‘ I say ’sure‘ and hand them the CD and they say ‚oh no, I only buy vinyl‘ and I say ‚well that’s your loss then, you’re missing out on this whole enormous spectrum of ideas.‘ Personally I think CDs are the best format in the sense that they are so worthless as physical objects. You really just have to be confronted with the subject matter and the music itself. There’s no kind of material value.“

Nach Taylor Swifts öffentlicher Beschwerde: Rechteinhaber werden künftig für Streams in 3 Probemonaten bei Apple Music bezahlt

Nach dem VUT und anderen Indie-Labels und Verbänden hat sich nun mit Taylor Swift auch eine Mainstream-Künstlerin über die drei Probemonate bei Apple Music beschwert, in der Apple kein Geld an Labels (und damit Musiker) ausschütten wird. Sie kündigte an, ihre jüngstes Album zurückzuhalten. (Die drei royaltyfreien Probemonate sind etwas, das Apple im Vorfeld mit dem Kartell der Majorlabels ausgehandelt hat. Man darf vermuten, dass die Majorlabels mit festen Vorauszahlungen oder Vergleichbarem kompensiert werden.)

Taylor Swifts offener Brief / Blogpost hat scheinbar Apples Position diesbezüglich geändert.

Re/code hat mit Apples Media-Chef Eddie Cue gesprochen:

This morning, Swift wrote an open letter to Apple – on Tumblr – complaining about the company’s policy of not paying music owners when people try its upcoming Apple Music service for a three-month trial period.

Tonight, Apple media boss Eddy Cue appears to have capitulated.

(..)

Cue says Apple will pay rights holders for the entire three months of the trial period. It can’t be at the same rate that Apple is paying them after free users become subscribers, since Apple is paying out a percentage of revenues once subscribers start paying. Instead, he says, Apple will pay rights holders on a per-stream basis, which he won’t disclose.

Details sind noch unklar.

Es bleibt erstaunlich, dass das alles acht(!) Tage vor dem Launch von Apple Music stattfindet.

VUT: 3 Probemonate bei Apple Music ohne Lizenzzahlungen gefährdet Existenz von Musikern

Unter anderem Golem berichtet über eine Pressemitteilung des VUT zu Apple Musics drei Probemonaten, in denen keine Lizenzen gezahlt werden sollen:

„Wir als VUT begrüßen neue Geschäftsmodelle und weitere Anbieter auf dem Streaming-Markt. Jedoch sind die von Apple angebotenen Vertragsbedingungen völlig unangemessen“, erklärte der Geschäftsführer Jörg Heidemann. „Dies kann für unsere Mitglieder und deren Künstlerinnen und Künstler zu erheblichen Umsatzeinbußen bei den Lizenzeinnahmen führen, im Extremfall kann dies existenzgefährdend sein.“

Das ist recht schizophren. Auf der einen Seite wird ständig von Verbänden und Musikern darüber gejammert, wie gering die Auszahlungen aus On-Demand-Streaming sind. Auf der anderen Seite sollen jetzt drei kostenfreie Probemonate bei Apple Music so hohe Einkommenseinbußen verursachen, dass die Nichtzahlung der Streaminggebühren existenzgefährdend ist?

Das ist keine gute Argumentation.

Interessant ist, dass die unabhängigen Unternehmen erst „vor kurzem“ die Verträge für den Streamingdienst erhalten haben, der auch hierzulande bereits am 30. Juni starten soll. Aus der Pressemitteilung:

Die Verträge für Apples neuen Streamingdienst „Apple Music“, dessen Start für Ende des Monats in Deutschland geplant ist, wurden vor Kurzem auch an unabhängige Labels und Aggregatoren geschickt.

Das macht noch einmal deutlich, wer über die Streamingkonditionen global entscheidet: Das Kartell der Majorlabels.

Bisher zum Thema:

Apple Music: ~73% Ausschüttung außerhalb USA, keine Lizenzzahlungen für Trialperiode

Re/code:

Here are the real numbers, according to Robert Kondrk, the Apple executive who negotiates music deals along with media boss Eddy Cue: In the U.S., Apple will pay music owners 71.5 percent of Apple Music’s subscription revenue. Outside the U.S., the number will fluctuate, but will average around 73 percent, he told Re/code in an interview. Executives at labels Apple is working with confirmed the figures.

Those totals include payments to the people who own the sound recordings Apple Music will play, as well as the people who own the publishing rights to songs’ underlying compositions. That doesn’t mean the money will necessarily go to the musicians who recorded or wrote the songs, since their payouts are governed by often-byzantine contracts with music labels and publishers.

Apple won’t pay music owners anything for the songs that are streamed during Apple Music’s three-month trial period, a bone of contention with music labels during negotiations for the new service.

Spotify: 20 Mio. zahlende Abonnenten, 75 Mio. Nutzer, 3 Milliarden $ an Musiker ausgezahlt

Spotify freut sich im eigenen Blog über 20 Millionen zahlende Abonnenten:

Today, we have reached more than 20 million subscribers and more than 75 million active users. 10 million subscribers in our first five and a half years – and another 10 million subscribers in just a single year! That’s an average of one new subscriber every three seconds over the last year. Wow.

And, more people listening on Spotify means more payouts to the creators of the music you love. As we grow, the amount of royalties we pay out to artists, songwriters and rights holders continues to climb faster than ever. We have now paid more than $3 billion USD in royalties, including more than $300 million in the first three months of 2015 alone.

Aufgrund der anhaltenden Debatte darüber, wie viel/wenig Musiker über Streaming einnehmen, hat Spotify zwei Grafiken angefügt:

one-year-payout-top-100-global-superstar-1

one-year-payout-niche-heritage

Die jüngsten Zahlen bedeuten, dass die Conversionsrate von Free-Nutzer zu zahlenden Nutzern zum ersten Mal seit 2013 gestiegen ist: von 25 Prozent auf 26,67 Prozent.

Spotify bezahlt wenig überraschend sein Wachstum mit steigenden Verlusten: 2014 betrugen diese 197 Mio. $, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 289 Prozent (68 Millionen $).

Apple Music ab 30. Juni auch in Deutschland verfügbar

heise: Apple Music ab 30. Juni auch in Deutschland:

Deutschland wird zu den 100 Ländern zählen, in denen Apple Music von Anfang an verfügbar sein soll. Das erfuhr Mac & i aus informierten Kreisen. Der neue Musik-Streaming-Dienst wird zum 30. Juni offiziell eingeführt, wie Apple am Montag auf der Entwicklerkonferenz WWDC ankündigte

Apple Music (mehr Infos unter anderem hier) wird sich vornehmlich aus drei Komponenten zusammensetzen:

  1. Der klassische Streaming-Teil
  2. Apple Music Connect, eine Art Social Network für Musiker und Fans, auf dem Musiker eigenes Material („Candid shots from backstage. In-progress lyrics. A rough cut of a new video.“) ihren Fans zeigen können.
  3. Radio, zu dem die globale Radiostation Beats One gehört.

Eine Verzahnung mit iTunes und unter anderem der Zugang von iTunes Match in den Funktionsumfang von Apple Music runden das Angebot ab.

Ein Preis für Deutschland ist noch nicht bekannt, aber er wird sich in den gleichen Sphären bewegen wie die Monatspreise von Spotify bis Deezer. Apple konnte die Majorlabels hier von keinem anderen Preismodell überzeugen. (10$/Monat in den USA) Nur der Familiendiscount ist hoch: 15$ pro Monat für bis zu sechs Personen.

Dass Apple hier punkten konnte, verwundert nicht. Über das iOS-eigene „Family Sharing“ gibt es bereits eine Infrastruktur, auf die man zurückgreifen kann. Missbraucht werden kann das nur schwerlich: Alle Mitglieder der iOS-„Family“ sind auf eine Kreditkarte registriert. Etwaige zusätzliche Vorauszahlungsforderungen der Labels stellen für Apple ebenfalls kein Problem dar.

Spotify plant bereits ein ähnliches (identisches) Preismodell. Nicht überraschend: Auch wenn Spotify die OS-Infrastruktur fehlt, die Apple vorweisen kann, können die Labels Apple keinen Preisvorsprung lassen.

Es ist also zu erwarten, dass der Familiendiscount von Apple Music zu allen On-Demand-Streaming-Anbietern kommen wird.

Spotify sammelt 526 Millionen $ bei Bewertung von 8,5 Milliarden $ ein

Mit der neuen Finanzierungsrunde kommt Spotify nun auf 23 Investoren, darunter unter anderem TeliaSonera, eines der größten Telekommunikationsunternehmen Europas, Goldman Sachs und klassische Risikokapitalgeber wie KPCB. Das ebenfalls aus Schweden kommende TeliaSonera hat allein 115 Millionen US-Dollar investiert.

Tech.eu:

Barely 48 hours since the Apple Music announcement and Daniel Ek’s less than impressed tweet, and it appears that Spotify have strengthened their war chest even further as the Wall Street Journal report that the Swedish streaming company have closed a $526 million round at a fresh valuation of $8.5 billion. 

Midemlab: Music discovery, recommendation & creation

Ausführliche Berichterstattung vom Midemlab auch bei den Netzpiloten:

In der ersten von drei Pitch-Sessions des Midemlab auf der diesjährigen Midem, stellten sich Startups zu den Themen Musik entdecken, Musik empfehlen und Musik erstellen vor. // von Tobias Schwarz

Lineup von SONAR+D, Digitalkonferenz von Sonar Festival, ist vielversprechend

Peter Kirn von CDM über „7 Ways SONAR+D is Asking Bigger Questions About Music Tech“:

SONAR+D is the younger, digital discourse alongside Barcelona’s massive electronic music festival. SONAR itself deserves a lot of credit for helping create the template a lot of digital music and media festivals follow today. And as that has since blurred into a parade of headliners, SONAR+D added a lot of dimension. There were good talks, hacklabs, workshops, and a showcase of makers.

Speaking as someone who either follows or participates in a lot of these things, though, I can’t wait for this year’s lineup. It seems uniquely ambitious and relevant, and I hope it sets the tone for the rest of this year.

Hier die offizielle Website von SONAR+D.

Midemlab: Kuration ist das Thema

heise über Midemlab-Kandidaten: Midemlab: Selfie-Karaoke, Armband für mehr Bass und Vinyl:

Das französische Start-up Soundsgood will sämtliche existierenden Kuratoren unter einem Dach vereinen, CEO Josqiun Farge nennt sein Unternehmen „Pinterest für Musik“. Als „Tripadvisor für Musik“ versteht sich dagegen das ebenfalls aus Frankreich stammende The Best Song. Das Start-up erstellt Charts aus den Songs, die auf den verschiedenen Musikdiensten am beliebtesten sind.

„90 Prozent der Künstler werden überhaupt nie gehört“, so Alvaro Gomez, Mitgründer von Tradiio. Der Portugiese will aus den Nutzern seiner Plattform Talent-Scouts machen, die über eine virtuelle Währung den Marktwert ihrer Lieblingskünstler steigern.

Geleakter Vertrag: SoundCloud plant werbefreie Abonnements

TechCrunch analysiert einen geleakten Vertrag (via Digital Music News), den SoundCloud wohl mit Labels für sein neues Angebot abschließen wird:

SoundCloud would pay 10.5 percent of its revenue including ads or about 22 percent of what it makes on sound recording rights — whichever is higher, according to the contract. The document proposes a deal for the aggregated independent labels, and implies similar deals could be reached with each of the three major record labels: Warner Brothers, Sony and Universal. A Most Favored Nation clause could keep compensation to the NMPA publishers equal to any deals with the majors once market share is taken into account.

Bezüglich eines werbefreien Soundcloud-Angebots:

One tier, codenamed “Additional Services,” would let users pay for an audio and visual ad-free experience and download a limited amount of music, presumably similar to syncing options from services like Spotify. Labels could take $0.18 per Additional Services per user per month if it’s higher than the revenue or sound recording rights income for this tier.

However, this would still only offer access to a limited catalog of music. A “SoundCloud Full Catalog Subscription Service” would offer paid access to an even wider array of music. Labels could get $0.80 per user per month for this tier if it’s higher than the other compensation arrangements.

Dazu kommt eine Vorauszahlung von 350.000 $ für die Vereinigung der unabhängigen Musikpublisher.

Deezer Elite: Deezer bringt High-Def-Streaming zu Sonos-Besitzern weltweit

Janko Roettgers auf GigaOm:

Deezer’s high-definition music streaming tier is expanding beyond the U.S.: Sonos owners around the world can soon stream their music as high-definition FLAC files with bit rates of 1,411 kbps or higher by subscribing to Deezer Elite, as the new tier is being called. This comes after Deezer launched Deezer Elite to U.S.-based Sonos owners last September.

Deezer is rolling out the new tier in two phases: Existing Deezer subscribers can upgrade to Deezer Elite right away for no additional cost. New users that already have a Sonos device will be able to sign up by March 19th, but the company hasn’t announced yet how much it will charge customers at that point. Deezer is charging users in the U.S. $14.99 for high-definition streaming with month-to-month billing.

Deezers Experiment mit verschiedenen Stufen, klassische Preissegmentierung, ergibt Sinn.

Zoë Keating und das Streaming-Problem, wenn Shop und Plattensammlung synonym sind

Zoë Keating über die Bedingungen für YouTubes neuen Streamingdienst:

This new music service agreement covers my Content ID account and it includes mandatory participation in Youtube’s new subscription streaming service, called Music Key, along with all that participation entails. Here are some of the terms I have problems with:

1) All of my catalog must be included in both the free and premium music service. Even if I don’t deliver all my music, because I’m a music partner, anything that a 3rd party uploads with my info in the description will be automatically included in the music service too.

2) All songs will be set to “montetize”, meaning there will be ads on them.

3) I will be required to release new music on Youtube at the same time I release it anywhere else. So no more releasing to my core fans first on Bandcamp and then on iTunes.

4) All my catalog must be uploaded at high resolution, according to Google’s standard which is currently 320 kbps.

5) The contract lasts for 5 years.

I can’t think of another streaming service that makes such demands. And if I don’t sign? My Youtube channel will be blocked and I will no longer be able to monetize (how I hate that word) 3rd party videos through Content ID.

Der unabhängige Analyste Ben Thompson empfiehlt Keating, Youtube den Rücken zu kehren:

In fact, while Keating may be a radical, I think she’s also entirely rational: I’m increasingly of the opinion that all-you-can-eat subscription services like YouTube Music Key or Spotify are a downright bad idea for niche artists.

Das Problem für Keating und andere Musiker, und der Teil des Ganzen, den Thompson übersieht:

Streamingdienste sind nicht nur Shop, sondern auch Plattensammlung. Sie liefern nicht nur den Zugang zur Musik, sondern sind auch die Basis, auf der die Musik organisiert wird:

With on demand streaming services the shop (you get access, you pay per flatrate) is simultaneously your record collection (‘saved’ music, playlists etc.).

This means for musicians being on a streaming service or not has more implications then just deciding where and how to charge. It directly affects where and how your music can be listened to.

Dieser Umstand führt direkt zu Ökosystemen mit Netzwerkeffekten. Sprich Lock-In und Machtgefälle.

Lesenswert in diesem Zusammenhang wie immer auch wieder Leonhard Dobusch auf netzpolitik.org:

Und während die Androhung einer Sperre des YouTube-Kanals von einem YouTube-Sprecher gegenüber Billboard dementiert wird, bestätigt derselbe Bericht die Verknüpfung von Content ID und dem neuen Musik-Streamingdienst “Music Key”. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass dessen kostenpflichtiges Angebot auch über sämtliche kostenlosen Inhalte auf YouTube verfügt. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass Content-ID und Streaming auf Einzelfallbasis verhandelt und abgeschlossen werden. Billboard zitiert in diesem Zusammenhang den Vertreter eines Indie-Labels, der von einem “langen und unangenehmen” Verhandlungsprozess mit YouTube berichtet.

Und seine Einschätzung:

(..)nur eine winzig kleine Minderheit an Kreativen samt deren Verlagen verfügen über die Position, mit großen Plattformen wie YouTube, Amazon, Apple in Verhandlungen zu treten – von Augenhöhe ganz zu schweigen. Taylor Swift und ihr Major Label können es sich leisten – aus welchen Gründen auch immer – ihre Musik bei Spotify sperren zu lassen und bei YouTube Sonderkonditionen auszuhandeln (außerhalb Deutschlands sind ihre Werke dort nämlich verfügbar). Die große Mehrzahl an Kunstschaffenden und Labels kann das nicht. Gleichzeitig ist der Verhandlungsaufwand wegen der Vielzahl an Rechten und Rechtinhabern so groß, dass er sich nur für große Plattformen lohnt.
Im Ergebnis führt diese Situation zu intransparenten Vertragskonstruktionen, von denen die großen Plattformbetreiber und die großen Superstars profitieren. Die große Mehrheit der Kunstschaffenden steht jedoch schlechter da als im Falle von kollektiver Rechtewahrnehmung durch Verwertungsgesellschaften wie GEMA und GVL.

CDs sind tot, und Musikdownloads ebenso

CDs sind tot, schreibt der Atlantic und unterlegt die Aussage mit Zahlen:

That doesn’t seem like such a controversial statement. Maybe it should be. The music business sold 141 million CDs in the U.S. last year. That’s more than the combined number of tickets sold to the most popular movies in 2014 (Guardians) and 2013 (Iron Man 3). So „dead,“ in this familiar construction, isn’t the same as zero. It’s more like a commonly accepted short-cut for a formerly popular thing is now withering at a commercially meaningful rate.

And if CDs are truly dead, then digital music sales are lying in the adjacent grave. Both categories are down double-digits in the last year, with iTunes sales diving at least 13 percent.

NewImage

Insgesamt keine überraschende Entwicklung, besonders nicht für langjährige neumusik.com-Leser.

Now that music is superabundant, the business (beyond selling subscriptions to music sites) thrives only where scarcity can be manufactured—in concert halls, where there are only so many seats, or in advertising, where one song or band can anchor a branding campaign.

Nearly every number in Nielsen’s 2014 annual review of the music industry is preceded by a negative sign, including chain store sales (-20%), total new album sales (-14%), and sales of new songs online (-10.3%). Two things are up: streaming music and vinyl album sales.

[..]

Vinyl accounts for 3.5 percent of total album sales. The CD market (which is dead, remember) is 15-times larger.

Der deutsche CD-Markt steht traditionell stärker da als der US-Markt, aber die Medienentwicklung geht auch an Deutschland nicht vorbei.

Future Music Camp 2015

Das Future Music Camp der Popakademie Baden-Württemberg findet dieses Jahr vom 23 bis 24. April statt. Erste Themen und Programmpunkte stehen bereits fest:

Der inhaltliche Schwerpunkt des Future Music Camps liegt 2015 auf modernem Marketing und der digitalen Wertschöpfung.

Die Selbstbeschreibung der Veranstaltung durch die Organisatoren:

Das Future Music Camp startete 2009 in Mannheim als das erste Barcamp für die Musikwirtschaft und hat sich mittlerweile als modernes Konferenzformat für Führungs- und Nachwuchskräfte aus der Musik- und Kreativbranche etabliert, bei dem über gerade aktuelle oder zukünftige Entwicklungen in ebenjenem Feld diskutiert wird.

Teilnahme ist kostenfrei.

(Disclosure: Ich bin Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg.)

Shazam: Mit über 100 Mio. aktiven Nutzern pro Monat eine Milliarde US-Dollar wert

Shazam wurde in einer neuen Finanzierungsrunde auf 1 Milliarde US-Dollar bewertet. Der Dienst erhielt weitere 30 Millionen US-Dollar Risikokapital.
futurezone.at:

Inzwischen gebe es mehr als 100 Millionen aktive Nutzer im Monat, teilte Shazam am Mittwoch mit. Die Shazam-App kann binnen weniger Sekunden erkennen, welcher Song gerade spielt. Seit iOS 8 ist Shazam auch standardmäßig in Apples mobilem Betriebssystem und dem Sprachassistenten Siri integriert.

Shazam ist dank seiner Shopintegrationen seit längerer Zeit der wichtigste Discovery-/Distributionskanal für (wiederum in der Nutzung insgesamt zurückgehende) Musikdownloads.

Die Daten auf Shazam sind Gold wert. Lesenswert in diesem Zusammenhang ist ein Artikel im Atlantic vom November letzten Jahres:

“We know where a song’s popularity starts, and we can watch it spread,” Titus told me. Take, for example, Lorde, the out-of-nowhere sensation of 2013. Shazam’s engineers can rewind time to trace the international contagion of her first single, “Royals,” watching the pings of Shazam searches spread from New Zealand, her home country, to Nashville (a major music hub, even for noncountry songs), to the American coasts, pinpointing the exact day it peaked in each of nearly 3,000 U.S. cities.

Warum kauft Apple für 50 Millionen US-Dollar Musicmetric?

Apple hat für -laut Financial Times- 50 Millionen US-Dollar das UK-Unternehmen Semetric übernommen. Semetric ist der Anbieter von Musicmetric, ein Analysewerkzeug für Musiker und Labels.

Eine naheliegende Antwort auf die Frage ‚warum?‘ ist die bevorstehende Umwandlung des von Apple übernommenen Streaming-Dienstes Beats in Apples eigenen Streamingdienst, der vielleicht, vielleicht auch nicht, direkt mit iTunes verbunden wird. Musicmetric kann die Grundlage für Rankings und Empfehlungen liefern.

Daten werden aber immer wichtiger, auch für die Musikindustrie. Analysewerkzeuge werden folglich wertvoller für alle Akteure der Branche. Apple könnte es hier auch um ein ganzheitlicheres Angebot gehen, bei dem Musicmetric ein Puzzlestück ist. Dass der Streamingdienst dadurch attraktiver wird, wäre ein für Apple netter Nebeneffekt.

Janko Roettgers auf GigaOm:

Musicmetric is first and foremost an industry resource, providing artists and labels with detailed statistics on their performance on Twitter, Facebook and select music services. The growing importance of this kind of data shows that the music industry itself is changing — as the business is moving from the sale of music as a product to services and experiences, data is becoming increasingly important, and helping bands and labels make the most of it could help to make up for some of the lower royalties that have irked musicians, and occasionally pushed them to remove their music from streaming services altogether.

Das neue Werbemodell wird an Soundcloud wenig verändern

Sascha Kösch fasst die Veränderungen für Soundcloud auf De:Bug nüchtern zusammen:

Werbung wird nur auf den Accounts von Künstlern laufen, die extra für diese Programm eingeladen wurden. Premier Tier nennt sich das. Nur auf deren Accounts wird Werbung laufen und auch nur dann, wenn die Künstler das explizit wollen. D.h. im Klartext: wenn man in Zukunft (bei Amerika wird es ja nicht bleiben) vor SoundCloud Tracks Werbung hört, dann ist das der ausdrückliche Wunsch des Künstlers, der damit eben etwas Geld verdient.

[..]
Losgelöst davon, dass Label-Partner jetzt einen größeren Zugriff auf die Tracks haben, was in der letzten Zeit öfter für Aufruhr gesorgt hat, weil jetzt nicht nur die automatische Erkennung manchmal Blödsinn macht, sondern auch noch andere im Hintergrund manchmal auch fälschlicherweise Tracks offline nehmen, ist die Art und Weise des Einstiegs von SoundCloud ins Werbebusiness eigentlich die schmerzfreiste Variante.

Dem kann man nur zustimmen.