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Die 3 Gründe, warum Apple Beats übernimmt: Iovine, Marke und Musikstreaming

 

Jimmy Iovine, Tim Cook, Dr. Dre und Eddie Cue

Nach  den sehr offensichtlichen Gerüchten der letzten Tage ist die Übernahme nun offiziell: Apple übernimmt Beats für drei Milliarden US-Dollar.

Die Gründe, die sich nun langsam in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten heraussschälen werden, haben nicht nur mit Musik zu tun.

Wie ich bereits während der ersten Gerüchte vermutet habe, scheint es ein Bündel aus drei Gründen zu sein, warum Apple den populären Kopfhörerhersteller und Streaminganbieter Beats übernimmt:

1. Grund Jimmy Iovine: Jimmy Iovine wird Apple-Manager. Apple braucht wie alle anderen Tech-Konzerne auch die Kooperationswilligkeit der Entertainmentindustrie, um auf den eigenen Plattformen Musik und Filme anbieten zu können. Einen Insider und Veteran dieser Industrie im eigenen Unternehmen als für die Beziehungen mitverantwortlichen Manager zu haben, ist sehr wertvoll. Den Wechsel von Iovine in die obersten Apple-Riegen kann man nicht hoch genug einschätzen. Vor allem, da Apple nicht mehr wie in den Anfangstagen von iTunes und iPod ein kleiner Underdog ist, sondern mittlerweile einer der einflussreichsten Konzerne der Welt darstellt. Das macht Verhandlungspartner vor allem angesichts der Marktanteile von iTunes zu recht vorsichtig.

2. Grund Musikstreamingdienst: iTunes ist nach wie vor stark im Downloadgeschäft. Der Musikkonsum im Massenmarkt bewegt sich aber weg vom Kauf und Besitz und hin zu (On-Demand-)Streaming und Zugang. Apple hat iTunes Radio, eine Art eigenes Pandora, das werbefinanziert oder in Verbund mit iTunes Match werbefrei ist.

Apple hatte aber bisher nicht: Einen On-Demand-Streaming-Dienst. Eine Präsenz auf anderen Plattformen wie beispielsweise Android.

Statt iTunes nun nach Android zu bringen, können sie das existente Beats weiterbetreiben und ausbauen. Da Streaming auch eine Social-Komponente hat, ist die Plattformagnostik auch für Apple nicht optional.

Hier kommt auch wieder Iovine zum Tragen. Wenn ein Streaminganbieter übernommen wird, verfallen die ausgehandelten Verträge mit den großen Rechteinhabern (den verbliebenen Majorlabeln) und müssen neu verhandelt werden. Eine Apple-Übernahme von Spotify oder Rdio hätte diesbezüglich ein Desaster werden können. Iovine ist quasi eine Art Absicherung für Apple, dass sie nicht einen Streamingdienst übernehmen und danach, weil die Majorlabels keinen neuen Verträgen zu für Apple akzeptablen Konditionen zustimmen wollen, ohne Musik auf diesem Dienst dastehen. Iovine könnte auch bereits im Vorfeld des Deals die Lage sondiert und geklärt haben. Das wäre allerdings im legalen Graubereich.

Last not least, passt auch der Kurationsansatz von Beats hervorragend in die (diesbezüglich etwas rückwärts gewandte) Philosophie von Apple. Ein Bonuspunkt, mehr aber nicht.

3. Grund Marke: Die Größenordnung, in der sich Apple mit seinem internationalen iPhone-Geschäft bewegt, übersteigt die gesamte weltweite Tonträgerindustrie:

 

Musikindustrie: Globaler Umsatz im Vergleich

Apple braucht Musik auf seinen Plattformen. Das ist aber längst ein Hygienefaktor geworden. Auch Streaming bewegt hier nicht mehr die Umsatznadel. Die ersten beiden Gründe wären also vielleicht nicht genug gewesen, um ein Unternehmen wie Beats zu übernehmen. Der dritte Grund könnte der weitaus wichtigere werden. Es ist der Grund, warum Beats  die erste Übernahme in der Firmengeschichte von Apple ist, bei der die Marke des Unternehmens anschließend erhalten bleibt: 

Beats hat es mit seinen Kopfhörern geschafft, erfolgreich vor allem junge Menschen davon zu überzeugen, teure Hardware zu kaufen und zu tragen, mag man von den Produkten halten was man will. Beats ist eine Marke der jungen, hippen Menschen. Von Samsung über Google bis Apple vollziehen gerade oder planen die großen Hardwarehersteller den Einstieg in den noch fast nicht existenten Markt der Wearables. Wearables sind kleine Computer, die man am Körper trägt und die unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Nikes Fitnesstracker, das Fuelband, ist beziehungsweise war so ein Wearable. (Der berichtete Rückzug von Nike aus dem Geschäft lässt sich auch als ein weiteres Signal des bevorstehenden Starts der Wearables-Kategorie bei Apple lesen. Apple-CEO Tim Cook sitzt im Board of Directors bei Nike.) Wearables sind neben dem “vernetzten Haus“ logische Erweiterungen der Smartphoneplattformen.

Kopfhörer sind Wearables. Beats ist eine hervorragend etablierte Marke. Tim Cook hat, wenn er nach Wearables gefragt wurde, in Interviews immer betont, wie schwer es ist, junge Menschen davon zu überzeugen, beispielsweise eine Uhr zu tragen. Das ist, zumindest aktuell, schlicht nicht modisch. Eine Marke wie Beats kann diese Herausforderung für Apple zumindest abschwächen.

Deshalb wird es in naher Zukunft, vielleicht in einem Jahr, vielleicht bereits zum Weihnachtsgeschäft diesen Jahres, erste Beats-Produkte geben, die keine Kopfhörer sind.

Micki Meuser über die Tonträgerbranche damals und heute

Musikproduzent Micki Meuser im Interview mit Interrrobanga:

Was war für dich der schlimmste Fehler, den die Musikindustrie in der Vergangenheit begangen hat?

Die Frage ist: Will man es sich so einfach machen? Die Tonträgerverkäufe sind in den letzten 20 Jahren extrem gefallen – da muss die Musikindustrie schlimme Fehler begangen haben. Aber jeder hat da wohl seine eigene Theorie. Die Musikindustrie selbst sagt, dass ihr durch Raubkopien und illegale Downloads viel Schaden zugefügt wurde. Das ist de facto richtig. Die Musikbranche ist von den 1980ern an bis heute auf die eben erwähnten 10 – 20 Prozent ihres einstigen Volumens geschrumpft. Für mich als Produzent heißt das, wie eben schon beschrieben: Du machst dieselbe Arbeit und bekommst nur 10 Prozent deiner Einnahmen. Das würde jedem, der arbeitet nicht gefallen. Man kann da aber natürlich zumindest eine Mitschuld bei der Tonträgerbranche sehen: Die illegalen Downloads waren auch deswegen so attraktiv, weil die Preise zu hoch waren. Die Musikbranche hat nicht, so wie es jede andere wirtschaftliche Branche tut, wenn es Konkurrenz gibt, die Preise gesenkt um konkurrenzfähig zu bleiben. Man hätte es durchaus tun können, denn es waren große Margen drin. Man hätte auch die Plattenfirmen verkleinern können, denn sie hatten oft riesige Wasserköpfe an Beschäftigten. Im Niedergang musste man das dann später sowieso tun. Ich bin übrigens nicht der immer wieder geäusserten Meinung, dass die Musikbranche das Internet oder die digitalen Medien komplett verschlafen hat. Gerade in letzter Zeit haben wir dazu noch mal recherchiert. Es gibt historische Erfassungen über mehrere frühe Versuche von Online-Stores und digitalen Vertrieben. Doch was willst du machen, wenn du geschäftlich gegen etwas konkurrieren musst, das von der Kopierqualität genauso gut ist, wie das Original, sofort verfügbar ist und nichts kostet. Dagegen kann man nur sehr schwer Geschäftsmodelle entwickeln.

Das ist nicht falsch aber nur das halbe Bild. Die Tonträgerbranche war Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger in einer historisch einmaligen Situation. Der Übergang von Vinyl zu CD hat zu einem Goldrausch in der Branche geführt, weil die kompletten Backkataloge der Labels ein weiteres Mal verkauft werden konnten; zum Teil an die gleichen Kunden. Der CD-Goldrausch musste irgendwann an ein Ende kommen. Unglücklicherweise für die hoffnungslos aufgeblähte Branche passierte das gleichzeitig mit zwei weiteren Entwicklungen.
Zum einen das besagte Internet, das mit MP3 und Napster (Glückwunsch zum Fünfzehnjährigen!) und seinen Erben eine technologische und ökonomische Herausforderung für die Branche darstellen sollte als auch ein Bedeutungsverlust von Musik bei den jüngeren Generationen. In den letzten 15 Jahren ist die Gamingbranche zu einem Milliardengeschäft angewachsen und hat den Taschengeldanteil der Tonträger übernommen.
Mit nichts davon konnte die Branche bis heute umgehen. (Außer öffentlich lamentieren und ganze Bevölkerungsschichten abmahnen)
Wer sich ein bisschen damit beschäftigt, wie die Majorlabels auch heute noch bemüht sind, Innovationen im Musiktechbereich zu unterbinden oder zumindest zu zügeln, kann nicht anders als verwundert sein, dass es mittlerweile doch ein paar Startups im Musikbereich geschafft haben, nicht nach den ersten zwei, drei Jahren pleite zu gehen.

Man sollte da rückblickend auf keinen Fall gnädig sein. Die Majorlabels haben die Entstehung einer Musikbranche im Internet über ein Jahrzehnt mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln behindert. Das hat den Bedeutungsverlust von Musik bei den heranwachsenden Generationen nur beschleunigt.

Radio neu gedacht: Gefolgschaften von Musikinteressen

Im Netz macht sich eine neue Art der Entdeckung von Musik breit: Man folgt anderen Menschen und bekommt von ihnen einen konstanten Fluss musikalischer Empfehlungen.

Musicplayr, das junge Startup aus Köln, das aktuell nach Berlin umzieht, bietet seinen Nutzern einen webbasierten Musikplayer an, in dem sich Musik über Links von YouTube, SoundCloud oder Musikblogs abspielen lassen. Musik, die online verfügbar ist, so das Ziel, soll auf Musicplayr gesammelt werden können. Wer jetzt Freunde auf Musicplayr hat, kann diesen über den Follow-Button folgen. Wie etwa beim Mikrobloggingdienst Twitter erfährt man nun nach dem Follow-Klick in einem Fluss aus Einträgen auf Musicplayr über die Aktivitäten des Freundes. Folgt man mehreren Freunden oder Menschen mit spannenden Musikinteressen auf Musicplayr, bekommt man als Ergebnis eine Art persönliches Radio: Die von den Kontakten verlinkte Musik lässt sich hintereinander anhören. Musicplayr ist aktuell noch in der Private Beta. Man kann es also nur nach Einladung benutzen.

Das bereits ein paar Jahre alte Blip.fm funktioniert ähnlich wie Musicplayr. Auf Blip.fm können Nutzer anderen folgen und Musik entweder aus der Blip-Datenbank oder über das Hinzufügen von auf anderen Websites gehosteten MP3s ihrem Musikfluss hinzufügen. Hier heißen die eigenen Kontakte bereits “Favorite DJs” und Blip.fm bezeichnet sich konsequenterweise als Radio.

Das Anfang Januar in Deutschland gestartete On-Demand-Streaming-Angebot Rdio bietet ebenfalls die Möglichkeit an, anderen Nutzern zu folgen. So kann man auf Rdio sehen, welche Musik die Freunde ihren Musiksammlungen auf Rdio hinzugefügt haben. Das ist auch eine neue Möglichkeit für Musikzeitschriften. Groove, das deutsche Magazin für elektronische Musik, hat einen Rdio-Account, dem man folgen kann und so direkt Musikempfehlungen auf dem Streaming-Dienst Rdio erhalten kann. Auch für Labels kann das interessant sein. Mute oder Ghostly International etwa sind bereits auf Rdio aktiv.

Die Hypemachine bringt dieses Prinzip zu Musikblogs. Es gibt weltweit viele Tausende, von Musikenthusiasten betriebene Blogs, auf denen sie von Jazz-Klassikern aus den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu den heißesten aktuellen Mashups oder Promo-Songs die ihrer Meinung nach besten Lieder ausgraben und veröffentlichen. Über die Hypemachine kann man einfach vielen Musikblogs folgen und in einem konstanten Fluss von Musik anhören, was die eigenen Lieblingsmusikblogger veröffentlichen.

All diesen Beispielen ist gemein, dass die Verfolgbarkeit von Musik, die von Freunden über Blogs bis Accounts von Musikmagazinen oder Labels gehen kann, die Entdeckung von Musik neu formt und damit auf eine mögliche Zukunft der Organisierung des Hörfunks hinweist.

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Dieser Artikel ist redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

NARM-Studie: Radio beeinflusst Music Discovery nach wie vor am meisten

Gerade veröffentlicht, zeigt eine Studie zur Entdeckung neuer Musik – und damit auch zum Kaufverhalten – unabhängig von der Altersgruppe ein deutliches Ergebnis. Das Radio, der traditionellste Weg der Musikdistribution, ist immer noch der Wichtigste, um neue Musik für sich zu entdecken.

Genaueres zeigen die auf Digital Music News präsentierten und der Studie entnommenen Balkendiagramme, die die Ergebnisse für zwei der fünf Konsumentengruppen darstellen, der “Committed” und der “Comfortable” Konsumenten:

“Committed” consumers are the youngest group, with a mean age of 32 (20 percent are age 13 to 17; 42 percent are 18 to 35). They represent 10 percent of all consumers who listened to or purchased music within the prior three months. “Committed” consumers also account for 46 percent of per-capita spending on music, and they are the most engaged consumers in the report.

Those in the “Comfortable” group make up 30 percent of musically active consumers and account for 15 percent of per-capita spending on music. With a mean age of 50, they are considered the mainstream segment.

Auch wenn aus den Angaben der von der Industrievereinigung NARM und The NPD Group in Auftrag gegebenen Studie nicht hervor geht, ob die Erhebung in einem rein amerikanischen oder doch weltweiten Rahmen durchgeführt wurde, wage ich zu vermuten, dass der Einfluss des Rundfunks zumindest in Deutschland mit seinen publikumsstarken Sendern womöglich noch stärker ist als die Studie zeigt.

Wie von der NARM zudem betont, gaben die Befragten an, dass es ihnen beim Hören der Musik via Radio jedoch an Informationen mangelt. Zwar erhalten sie die Möglichkeit, neue Musik für sich zu entdecken; eine entsprechende Abmoderation bleibt aber zu häufig aus. Es bleibt bei einer meist vertanen Chance, Umsätze für die Musikindustrie zu generieren:

“Now that we have these insights, the music industry can look at how to deliver to consumers the information they want about new music,” said Jim Donio, president of NARM. “We have identified several areas where we believe we can move the needle and convert that discovery to a retail experience of some kind. For example, people hear music they like, but because of lack of identification, they don’t learn the artist’s name or the song title, so they cannot seek out that track again – more promotion of song recognition apps and stressing the importance of back announcing could go a long way to improve that situation.”

Mit wenig Aufwand ließe sich diese Lücke schließen. Playlists der Sender fürs Web existieren häufig. Aufbereitet als Stream für mobile Endgeräte, möglichst mit direkter Kauf- oder Merkoption und adäquater Information zum Track könnte der Nachfrage bereits Rechnung getragen werden.

(Foto: S. Diddy; CC-Lizenz)

Musiker und Konferenzen: Braucht der Markt neue Ziele oder weniger Belehrung?

Im Rahmen des Future Music Camps, von dem wir bereits berichteten, stellten Andrea Goetzke und ich für die all2gethernow ein neues Format vor: #a2n_CONNECT. Die Workshops dieser Reihe werden gemeinsam mit Partnerkonferenzen durchgeführt und in Veranstaltungen wie das Future Music Camp, die c’n’b in Köln und den Reeperbahn Campus integriert. Die a2n verlässt damit die regionalen Grenzen Berlins und nutzt mit ihren Partnern die entstehenden Synergien.

Einzelheiten zum geplanten Inhalt des Workshops “Technologie in DIY/DIT – Wie groß ist der Nutzen?” stehen in der Facebook-Gruppe des FMC oder für Nicht-Gruppenmitglieder unter ContentSphere.de (PDF) bereit.

Als interessant stellte sich die Themenentwicklung unserer Gesprächsrunde mit den Gästen Steffen Holly (Aupeo!), Stefan Peter Roos (Proud Sourcing), Stephan Baumann (DFKI) und Christoph Landes (Übernoise / freier Mitarbeiter Sony) im regen Austausch mit dem Publikum heraus.

War das Ziel zunächst, insbesondere vom User digitaler Tools – d.h. vom Musiker oder seinem Team-Mitglied – in Erfahrung zu bringen, wo die Schwächen der Tools liegen und wo der Wertschöpfungsprozess nicht ausreichend durch Technologie unterstützt wird, zeigte sich ein deutlich anderes Interesse beim Publikum.

Das eigentliche, gemeinsame Interesse gilt (immer noch) den Fragen:

  • Welche Möglichkeiten habe ich als Musiker, um Bekanntheit zu erreichen?
  • Welche Strategie ist die Vielversprechendste?

… und für die weitaus meisten:

  • Wie erhalte ich einen Label-Deal?

Dieses Ergebnis entspricht nicht nur der allgemeinen Tendenz des BarCamp-Teils des FMC, innerhalb dessen nur Social-Media-Themen und strategisch orientierte Fragestellungen mehr als 20 Interessenten während der Themenvorstellung fanden. Die aus den Erkenntnissen des a2n_CONNECT-Workshops heraus von Peter Esser (Audiomagnet) entwickelte Session exakt zu Fragen der Social-Media- und Online-Marketing-Strategie fand gar 50 Interessierte.

Dies unterstreicht einerseits den Nachholbedarf, andererseits die Orientierungslosigkeit der Künstler und Bands, die ihren ersten Meilenstein in Form von 1.000 zahlenden Fans erreichen möchten (die tatsächlich notwendige Zahl im jeweiligen Kontext sei dahin gestellt). Die hohe Bewertung des Label-Deals aber, den laut einer Studie von ReverbNation und Digital Music News ca. 75% aller internationalen Artists als oberstes Ziel anstreben, zeigt einen deutlichen Hinweis darauf, weshalb innovative Musikkonferenzformate von Musikern eher gemieden werden:

Warum sollte ich eine Veranstaltung besuchen, die meine Ziele in Frage stellt?

[Anmerkung: Der Autor ist Mitglied und Kurator der all2gethernow (a2n).]

Startups: Majorlabels killed the Webmusic-Star

dollarsEs existiert ein riesiges Problem für das Musikbusiness im Internet: die Majorlabels. Warum?

Jeder, der ein Musikstartup aufbauen will, ist dazu verdammt, mit Monopolisten zu verhandeln: Um Musik von den Majorlabels auf der eigenen Plattform spielen zu können, sind die Gründer gezwungen, Vereinbarungen mit den Majorlabels zu treffen.

Die Labels sind dabei in der besseren Verhandlungsposition: Das Urheberrecht gibt ihnen ein Verwertungsmonopol auf ihre Musik. Das ist gut und richtig so. Aber es führt eben auch zu nicht zu unterschätzenden gesellschaftlichen Kosten. Die Labels können von jedem neuen Akteur am Markt ihre Monopolrente verlangen. Die verhandelnden Startups haben keine andere Wahl als zuzustimmen oder unterzugehen. (Kein Musikstartup hat eine Chance ohne die Musik der Majorlabels.)

Dass die Mehrheit der westlichen Musikkultur von einem Oligopol an großen Labels kontrolliert wird, verschärft die Lage noch.

Das ist und war nie optimal aber es war relativ unproblematisch, so lang es keine strukturell tiefgehenden Verschiebungen im Musiksektor gab. Mit dem Internet sind diese aber nun gekommen. Was jetzt nötig wäre, wäre ein Experimentieren mit den neuen Möglichkeiten und Potentialen, um funktionierende neue Strukturen zu finden.

Aber genau das passiert nicht, weil die etablierten Majorlabels naturgemäß auf der einen Seite Angst haben, obsolet zu werden, und auf der anderen Seite immer kurzfristige Gewinnmaximierung als Ziel setzen.

Oder drücken wir es anders aus: Die Situation im Sektor der Musik-Webstartups ist ungefähr so, wie wenn Ford seinerzeit mit Kutschern über die Lizenzzahlungen pro ausgeliefertem Automobil hätte verhandeln müssen.

Eine Situation, die relativ offensichtlich nicht sehr entwicklungsfördernd ist.

Wenn also jemand fragt, warum das Internet mit seinen so weitreichenden Möglichkeiten so behäbig bei der Schaffung neuer Infrastrukturen für Musikschaffende ist, dann ist die Antwort relativ einfach:

Monopolistische Majorlabels und ihre Forderungen und Vorstellungen behindern die Entwicklung.

Auf paidContent kann man sich ein Bild von der aktuellen Situation machen:

There will be no new players of significance to enter the business. Investors don’t want to entertain the remotest possibility of funding any start-up that deals with music, no matter how clever and innovative. As one major media venture firm told me a few months ago, they’re tired of writing cheques for big advances to record labels. Not to mention the huge legal fees that start-ups have to spend in order to get licensed, a process that takes at least a year (for no apparent reason, I might add).

Obwohl die Verbreitung von Filesharing und co. offensichtlich auf eine Nachfrage von Musikzugang im Web in jeder Form hindeutet, gibt es keinen florierenden Markt an Musikstartups im Web. Der Grund ist, dass Majorlabels und ihre Forderungen den Markt für Investoren komplett unattraktiv gemacht haben.

Also alles super? Die Majorlabels haben die Startups abgewürgt oder ihnen so viel Geld wie möglich entzogen. Gut für die etablierte Musikwelt, oder? Nicht wirklich.

Wayne Rosso auf paidContent weiter:

What’s most ironic is that the record labels have now put themselves in the position of having to depend on the bulk of their digital sales from companies that actually couldn’t care less about selling music: Apple (NSDQ: AAPL), Amazon (NSDQ: AMZN), and now Google (NSDQ: GOOG). These behemoths have huge revenues, 99.9% of which are not related to digital music sales.

Indem die Majorlabels den Musik-Startups das Geld abgenommen haben, haben sie den Markt frei gehalten für die großen Konzerne wie Apple, Amazon und Google. Genau die, über die sie jetzt lamentieren, weil der Hebel bei den Verhandlungen hier anders aussieht:

One senior digital music executive told me “they (major labels) are despicable scum. They fly out to Cupertino and let Steve Jobs smack them around and then fly home and try to take every dime they can get out of start-ups in order to make them feel better about themselves.”

Wird Google Music die Majorlabels vor Apple retten? Einige Manager der Majorlabels glauben das. Aber es ist die falsche Richtung, in die gedacht wird.

Die Majorlabels hätten den Online-Markt bewusst steuern können, um funktionierende (und untereinander konkurrierende) Strukturen aufzubauen. So schrieb ich im Januar:

zum Beispiel könnten [die Plattenfirmen] Whitelabel-Streaming-Angebote ihrer Backkataloge als erschwingliches B2B-Angebot anbieten, so dass Startups dann darauf Innovationen aufbauen könnten. Es existiert ein Brachland online, wenn es um den Musiksektor geht und zwar aus dem einfachen Grund, weil man kein erfolgreiches Angebot im Musikbereich aufbauen kann, ohne die direkte Möglichkeit zu integrieren, die Musik der Musiker auch hören zu können. Genau das ist aber selten erwschwinglich. Wäre diese Situation anders, könnten sehr viel mehr Experimente stattfinden, wie man potentielle Fans und Musiker zusammenbringt und wie man monetäre Transaktionen gestalten könnte (Lokale Nachfrage sichtbar machen, Organisationsaufwand für Tourmanagement etc. automatisieren, Merchandise, Fanclubs usw.).

Es könnte, richtig umgesetzt, zu einer Win-Win-Situation führen:

Wenn die Majorlabel sich als Plattformen für Anbieter von Musik verstehen würden, könnten sie von der Innovationskraft des Internets profitieren _und_ diese nicht behindern.

Es wäre eine effiziente Aufgabenteilung: Die Label haben die Inhalte, aber keine Ahnung vom Internet. Bei Internetstartups ist es (idealerweise) umgedreht.

Stattdessen haben die Labels mit ihren Forderungen und ihrer fehlenden Weitsicht zerstört statt zu schaffen, und sich damit in’s eigene Fleisch geschnitten:

What the industry has accomplished is exactly what they didn’t need. They killed competition. Brilliant. The dream is over.

(Foto: cometstarmoon; CC-Lizenz)

Wie Last.fm und Eventful die Nachfrage für Konzerte steigern

Einer der interessantesten Aspekte des Internets ist die Schaffung von Nachfrage in Nischen, die selbige profitabel machen kann, das Phänomen des Long Tails.

Besonders bei Konzerten können Webdienste enorm dabei helfen, Nachfrage zu erzeugen. Zwei Beispiele:

last-fm-logo

Last.fm bietet mit den Event-Empfehlungen personalisierte Empfehlungen auf Basis der von Last.fm protokollierten angehörten Musik.

Das heißt, die Nutzer hören ihre Musik auf ihren Rechnern, Last.fm protokolliert diese und informiert dann über Auftritte von Musikern in der Heimatstadt, die man selbst anhört. Die Empfehlungen können auch via iCal und anderen Formaten direkt in Kalender importiert werden.

Automatisch über potentiell zum eigenen Musikgeschmack passende Konzerte informiert werden, erhöht die Wahrscheinlichkeit des Besuchs von Konzerten.

eventfulEventful ist eine Site für lokale Events. Man kann sich über verschiedene Wege auf Eventful über demnächst stattfindende Veranstaltungen in der eigenen Stadt informieren. Ein spannendes Feature von Eventful ist Eventful Demand. Fans können damit auf Eventful ‘verlangen’, dass ihr Lieblingsmusiker oder ihre Lieblingsband in ihrer Stadt auftreten. Andere Fans und Musiker können dann sehen, wie viele Fans einer Stadt nach Musiker XY verlangen.

Eventful Demand wird heute in den meisten Städten noch nicht sonderlich intensiv genutzt. Man stelle sich aber Eventful oder einen ähnlichen Dienst vor, der von vielen Personen regelmäßig genutzt wird, um eigene Wünsche kundzutun: Selbst kleinste Bands könnten dann Nachfrage nach Konzerten in Städten auf der ganzen Welt identifizieren und, was mindestens ebenso wichtig ist, lokale Konzertveranstalter leicht davon überzeugen, dass ein Auftritt profitabel sein kann, wenn eine große Anzahl an Nutzern Interesse bekundet hat.

Etwas, das heute mehrheitlich auf Schätzungen basiert und besonders bei Nischen mit sehr viel Risiko behaftet sein kann, wird etwas berechenbarer und alle Beteiligten können dadurch besser gestellt sein.

Das sind nur zwei Beispiele, wie Webdienste im Musikmarkt Transaktionskosten senken und so Angebot und Nachfrage näher zusammenbringen können.