Clicky

BR Space Night künftig mit CreativeCommons-Musik

Tobias Schwarz:

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat sich dazu entschlossen, die bei den Fans sehr beliebte Kultsendung Space Night komplett mit unter Creative Commons-lizenzierter Musik CC-Musik zu produzieren. Damit ist über vier Wochen nach dem verkündeten Ende der Sendereihe nicht nur das Format gerettet, sondern auch ein von der Fangemeinde gewünschter Weg mit freien Inhalten gewählt worden.

Das ist sehr erfreulich und ein großer Schritt für mit Creative Commons lizenzierte Musik in Deutschland.

Und jetzt warten wir alle auf den Tag, an dem die GEMA dem Bayrischen Rundfunk dank GEMA-Vermutung trotzdem eine Rechnung für die Space Night stellt.

Space Night auf BR alpha wird fortgesetzt

heise online:

Offen ist dabei noch, in welcher Form die Space Night in Zukunft laufen wird. Im Zuge der Proteste, die nach der Absetzung aufbrandeten, hatten Blogger laut Telepolis gefordert, GEMA-freie Musik unter CC-Lizenzen zu verwenden. Netzaktivisten sammelten dazu bereits in einem Wiki Musik-Vorschläge. Inwieweit Musik unter CC-Lizenzen dann tatsächlich genutzt wird, wolle der BR noch prüfen. Bereits bereits in der vergangenen Wochen hatte der Sender angekündigt, ein neues Konzept für die Sendung ausarbeiten zu wollen. Spiegel online zufolge erwägt der BR auch den Einsatz des Rundfunk-Orchesters mit Eigenkompositionen.

Ab den 4. Februar sollen neue Folgen laufen. Da war man wohl beim BR von den Reaktionen im Netz überrascht.

Open Goldberg Variations: Urheberrechtsfreie, fanfinanzierte Aufnahme und digitale Partitur des Meisterwerks von Johann Sebastian Bach

Auf opengoldbergvariations.org ist eine freie, in die Public Domain veröffentlichte Aufnahme von Johann Sebastian Bachs Goldbergvariationen erschienen. Zusätzlich kann man auf der Site eine digitale Version der Partitur herunterladen.

Boing Boing:

Performed by Kimiko Ishizaka on a Bösendorfer 290 Imperial in Berlin’s Teldex Studio, there’s already plenty to love about a new cut of Bach’s Goldberg Variations. But this one is also the first fan-funded, open source, and completely free recording of it. [..]

Schweer’s modernized and digitized score was itself created with free and open source software from MuseScore.com.

[..] “To help make this recording truly timeless, we need your help. Share it. Give it away. Introduce others to its beauty, and explain to them why you love it,” Douglass wrote. “Make yourself responsible for converting another person to being a Bach fan.”

Open Goldberg Variations hat sich mit Kickstarter finanziert. 15.000 US-Dollar wurde für das Projekt benöitgt,  über 23.700 US-Dollar sind letztlich geflossen.

Die Aufnahmen findet man komplett auf SoundCloud.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Musikaufnahmen ohne Urheberrechtsbeschränkungen, ermöglicht durch die neuen Internetplattformen und ihre Vernetzungspotentiale, an Bedeutung zunehmen.

Siehe auch:  Crowdfunding: Musopen erhält über 58.000 Dollar in Spenden für gemeinfreie klassische Musikaufnahmen

Veranstaltung zur C3S in Berlin am 29.5.2012

AM 29. Mai 2012 findet zur C3S, eine Initiative zur Gründung einer neuen Verwertungsgesellschaft, die sich auf CC-Lizenzen konzentrieren will, eine Informationsveranstaltung in Berlin statt.

Aus dem offiziellen Text der Eventseite auf Facebook:

Workshop zur Cultural Commons Collecting Society. Ihr fragt, wir antworten.

http://www.supermarkt-berlin.net/content/c3s-cultural-commons-collecting-society

C3S: Was ist es, was sollen wir besser machen, was könnt Ihr tun?

Je nach Kenntnisstand des Publikums erfolgt zunächst eine kurze Einführung in den Grundgedanken der Creative-Commons-Lizenzen (20min). Anschließend werden das Konzept der C3S und erste Informationen des Geschäftsmodells vorgestellt, einschließlich der geplanten nächsten Schritte (45min).

Der Rest der Veranstaltung ist frei für produktives Feedback, das gerne auch als Korrektur des Konzepts einfließt.

Zielgruppe: Musiker & Komponisten, Beteiligte der Musik- und Kulturwirtschaft, und natürlich auch Musikhörer!

Wer das Team der C3S verstärken möchte, ist um so mehr eingeladen.

Anmerkung: neumusik.com-Mitautor Wolfgang Senges ist Mitinitiator der C3S und hat das Vorhaben hier bereits vorgestellt.

Wird die C3S eine alternative Verwertungsgesellschaft? Erste Informationen.

[Anmerkung: Wolfgang Senges, der Verfasser des Artikels, ist Mitinitiator der C3S -  Cultural Commons Collecting Society.]

Eher unscheinbar im Schatten der re:publica12 hat die C3S ihre ersten Informationen online gestellt. Bei der C3S handelt es sich um eine Initiative zur Gründung einer neuen Verwertungsgesellschaft noch in diesem Jahr. Dies wäre jedoch erst die Grundvoraussetzung für die Beantragung des Status als Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA).

Ziel der C3S ist es, europäischen Urhebern von Musikwerken unter freien oder Creative-Commons-Lizenzen eine Möglichkeit zu bieten, ihre Musik zu monetarisieren – und somit einen ernstzunehmenden Markt für diese Lizenzen zu bieten. Denn hier liegt das Problem: mehr als 50% der veröffentlichten CC-Lizenzen sind NC-Lizenzen und könnten kommerziell verwendet werden, d.h. für ihre Urheber Umsätze generieren.

Leider aber fehlen Infastrukturen zur vollwertigen Integration beim Broadcast. Airplay wird nicht bezahlt, auch wenn die Sender die Künstler gerne honorieren würden. Ursache ist der bislang notwendige Vertragsabschluss mit jedem einzelnen Künstler, der für GEMA-Mitglieder nicht notwendig ist. Außerhalb des Broadcast-Betriebs behindert die häufig rechtliche Unsicherheit bei Lizenznehmern und Künstlern den Vertragsabschluss.

An dieser Stelle bietet es sich an, in meinen (etwas verstaubten) dreiteiligen Artikel unter ContentSphere von 2009 zu schauen, der aufzeigt, wie – wirtschaftlich betrachtet – das Zusammenspiel der festgefahrenen Strukturen als Markteintrittsbarriere für Nicht-GEMA-Mitglieder fungiert. Genauer betrachtet, liegt das Manko…

  • im Fehlen der Infrastruktur bei Sendern
  • der Verfügbarkeit von Alternativen zur GEMA
  • der fehlenden Vertrautheit im Umgang mit Creative Commons Lizenzen
  • in der bei Creative Commons nicht exakten Definition des Begriffs “non commercial”

Die derzeitige Situation lässt sich unseres Erachtens nur durch eine zweite Entität neben der GEMA lösen. Rufe nach dem Gesetzgeber sind nicht sinnvoll, weil die GEMA als Verein nicht der direkten Kontrolle des Gesetzgebers unterliegt. Aus den Reihen der Mitglieder, die sich selber eine neue Satzung geben müssten, scheint keine Veränderung zu erfolgen. Warum auch, geht es doch in erster Linie um Nicht-GEMA-Mitglieder.

Letztendlich geht es aber nicht um die GEMA. Das Ziel der C3S ist nicht die Torpedierung der GEMA oder die Unterwanderung des Urheberrechts. Creative Commons setzt ebenso auf dem Urheberrecht auf, wie die Lizenzen der traditionellen Verwertungsgesellschaften.

Es braucht jedoch eine Alternative, die den übrigen Musikern dient. Denjenigen, die keine Mitglieder traditioneller Verwertungsgesellschaften sein können oder wollen. Eine Alternative, die gleichzeitig mindestens europäisch ausgerichtet ist, und verfügbare Technologien zum automatisierten Playlist-Reporting einsetzt, Strategien des Micro Payments berücksichtigt, transparentes Online-Licensing anbietet, aber auch exakte 1:1-Abrechnungen möglich macht – ohne statistische Verzerrungen, so weit technologisch machbar.

Dass innerhalb einer solchen Verwertungsgesellschaft jedes Mitglied volles und gleiches Stimmrecht hat, ist selbstverständlich. Ebenso wird jedes Mitglied frei entscheiden zu können, welche Werke die C3S verwertet. Ein Blick auf die Website zeigt, dass unser Konzept an diesem Punkt nicht endet.

Der Entschluss, eine eigene und unabhängige Gesellschaft zur Verwertung von Musik in Deutschland und darüber hinaus zu gründen, mag von den meisten als unseriös, wahnwitzig und dumm abgetan werden. Der Ansatz der C3S ist alles andere als das.

Das ist exakt der Grund für die seit Anfang 2010 verstrichene Dauer bis heute. “Quick & Dirty” mag ab und an gut sein, aber Projekte wie eine Verwertungsgesellschaft verlangen ein gutes Maß an Vorüberlegungen und Konzeption. Die Site, die derzeit online ist, zeigt nur den Kern und einen Bruchteil dessen, was inhaltlich bereits vorbereitet ist. Uns fehlt es auch nicht an Unterstützung. Erste Gespräche haben gezeigt, dass wir auf Unterstützung durch Partner rechnen können.

Ich hoffe, in Kürze in weiteren Artikeln auf einzelne Punkte der C3S eingehen zu gehen.

Hinweisen möchte ich auf den Video-Mitschnitt eines Vortrags zum Thema “C3S: Verwertung von Musik unter Creative Commons” während der transit 4 “Kreativität und Eigentum” und die zugehörige Prezi-Präsentation.

Jamendo und restorm.com kooperieren für alternatives Lizenzierungsmodell

Wie Jamendo und restorm.com per Pressemitteilung am 1. bzw. 3. Februar bekannt gaben, haben beide Unternehmen während der Midem eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Kooperation scheint nicht nur von rein strategischem Charakter zu sein:

“Das Ziel ist eine ist eine langfristige Kooperation und Bündelung der Ressourcen.”

Jamendo, mit mehr als 300.000 Werken die umfangreichste Plattform für unter Creative Commons lizenzierte Inhalte, macht damit einen wichtigen Schritt. Nachdem Jamendo nach einem ersten Hype erst durch die Übernahme eines Großteils der Anteile durch das französische Unternehmen MusicMatic gerettet werden konnte, wurde es zunächst still um das Luxemburger Unternehmen. In 2011 begannen gezielte Marketing-Maßnahmen (LeWeb’11, all2gethernow) dann Wirkung zu zeigen – fortgesetzt in 2012 mit dem Sponsoring der Midem.

restorm, auf neumusik.com zunächst teils positiv, teils kritisch bewertet, ist – basierend auf einem Gespräch mit Philippe Perreaux (CEO restorm.com) im September letzten Jahres – auf einem sich konsolidierenden Weg, auch (oder gerade) in internationalem Kontext.

Die Mitteilung der beiden Unternehmen kommt vor dem Hintergrund der letzten Stellungnahme der GEMA (neumusik.com berichtete) zum Thema einer möglichen Integration von durch Creative Commons lizenzierte Inhalte zu einem interessanten und passenden Zeitpunkt.

Die Kooperation von Unternehmen, die auf die Lizenzierung oder das Download-Angebot von frei lizenzierten Werken spezialisiert sind, könnte der richtige Weg sein, um eine höhere Aufmerksamkeit für ihr alternatives Angebot zu generieren.

Im gleichen Zusammenhang ist die Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons zu sehen (C3S) – durchaus ein potenzieller und wichtiger Anknüpfungspunkt für Jamendo, restorm.com et al. Denn eine zweite Verwertungsgesellschaft für Musik in Deutschland könnte den hiesigen Markt öffnen bzw. den Zugang erleichtern:

Aus dem Gesetz über die Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Urheberrechtswahrnehmungsgesetz):

§ 13c Vermutung der Sachbefugnis

(1) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Auskunftsanspruch geltend, der nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden kann, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt.

(2) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Vergütungsanspruch nach §§ 27, 54 Abs. 1, § 54c Abs. 1, § 77 Abs. 2, § 85 Abs. 4, § 94 Abs. 4 oder § 137l Abs. 5 des Urheberrechtsgesetzes geltend, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt. Sind mehr als eine Verwertungsgesellschaft zur Geltendmachung des Anspruchs berechtigt, so gilt die Vermutung nur, wenn der Anspruch von allen berechtigten Verwertungsgesellschaften gemeinsam geltend gemacht wird. Soweit die Verwertungsgesellschaft Zahlungen auch für die Berechtigten erhält, deren Rechte sie nicht wahrnimmt, hat sie den zur Zahlung Verpflichteten von den Vergütungsansprüchen dieser Berechtigten freizustellen.

Quelle: Website des Bundesministeriums der Justiz, juris, abgerufen am 30.12.2011

[Hervorhebung hinzugefügt durch den Autor des Beitrags]

Obwohl bislang wenig in Erscheinung getreten, und aufgrund der noch sehr rudimentären Web-Präsenz sogar teilweise als nicht mehr aktiv betrachtet, wird in Kürze auf neumusik.com mehr zur C3S erfahren sein.

(Wolfgang Senges ist Mitbegründer der C3S, einer Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons)

Kein Creative Commons bei der GEMA, weil man das dort einfach nicht will

Nachdem in Frankreich die Verwertungsgesellschaft SACEM mit Creative-Commons-Lizenzen begonnen hat zu experimentieren, hat Telemedicus bei der GEMA nachgefragt, ob diese ähnliches plant. John Weitzmann analysiert auf irights.info das ablehnende Antwort-Schreiben der GEMA:

Anhand der aktuellen Stellungnahme (Volltext PDF) möchten wir hier einmal aufdröseln, was davon tatsächlich Substanz hat und was nicht. Es zeigt sich, dass die Systeme von CC und GEMA tatsächlich an zwei entscheidenden Stellen überkreuz liegen, nämlich beim Spektrum der Rechte und der Lizenzierung einzelner Titel. Das heißt allerdings nicht, dass diese Systeme zwingend inkompatibel sind, vielmehr bräuchte es nur etwas guten Willen aufseiten der GEMA, um hier einiges möglich zu machen. Zu vermuten ist, dass die Machtverhältnisse innerhalb der GEMA für einen solchen Willen keinen Raum lassen.

Besonders interessant: Seine Ausführungen, dass rechtlich nichts gegen CC-Lizenzen bei der GEMA spricht.

(John Weitzmann ist seit 2006 Legal Project Lead für Creative Commons Deutschland.)

Jamendo: Fehler im Customer Relationship Management

Logo JamendoLange hörte man nichts oder zumindest wenig von der viel versprechenden Creative-Commons-Plattform Jamendo. Die letzte Meldung, die durch die Öffentlichkeit ging, war die Übernahme durch den französischen Service MusicMatic im April 2010. Damit verbunden übernahm MusicMatic-Geschäftsführer Alexandre Saboundjian zusätzlich die Position des CEO bei Jamendo. Auch das Unternehmen radionomy wird von ihm geleitet.

Die letzten Neuigkeiten sind alles andere als positiv. Die Jamendo-Foren laufen offenbar aus dem Ruder – abgesehen von Hinweisen auf einem anderen Portal konnte man in diversen Threads vor allem eines beobachten: mangelnde Moderation. Weitere Mängel des User-Managements sind offensichtlich: keine Kuratierung der Inhalte, fehlende Unterstützung in Form eines grundlegenden Artist-Marketings, und teilweise ursächlich dafür die schlechte Präsentation der Inhalte online.

Als Ergebnis dessen beginnen die ersten Künstler des 200.000 Titel umfassenden Services, die Plattform zu verlassen. Auslöser war eine Vertragsumstellung für den kommerziellen JamendoPro-Dienst, der die Lizenzierung der Inhalte erlaubt. Ca. 90.000 Tracks sind von den Artists derzeit explizit zur kommerziellen Nutzung frei gegeben.

Der neue Vertrag hätte nach Aussage eines Forenmitglieds nicht nur zu einer einjährigen Bindung geführt (zuvor war die Kündigung jederzeit möglich) – der eklatante Fehler Jamendos bestand darin, den Zugang zum eigenen Profil eines jeden Users zu sperren, bis dem neuen Vertrag zugestimmt worden wäre. Ein vorheriges Löschen des Accounts war damit nicht möglich.

[...] der Vorwurf der Rechtswidrigkeit bezog sich nich (sic!) darauf, daß man sich für ein Jahr verpflichten muß, wenn man dem Kom.Prog. [Anm. d. Red.: "kommerziellen Programm"] beitreten MÖCHTE, sondern daß wir den neuen Vertrag vor die Nase gesetzt bekamen, der uns erst wieder NACH Beitritt zu den Kom.Progs. den Zugang zu unsereren Profilen und Daten ermöglichen sollte. D.h. wir sollten erstmal alle in diese Programme.” [Zitat: Foren-User U.L.I., Hervorhebung im Original]

Mittlerweile wurden die Profile wieder geöffnet. Es bleibt abzuwarten, ob die Nutzer mit der durchaus hinnehmbaren 12-monatigen Bindung leben können, oder ob die bereits gesammelten negativen Erfahrungen den Ausschlag geben. Es wäre schade um die Möglichkeiten, die Jamendo bieten könnte.

restorm: Das “Rightclearing” im Detail – kommerzielle CC-Nutzung ohne BY?

Gestern haben wir auf neumusik.com restorm vorgestellt. Hier folgt nun der dort angekündigte Artikel zum “Rightclearing” – was darf man erwarten, wie sinnvoll ist es?

Das Interessante am Rightclearing ist, neben der Berücksichtigung von Verwertungsgesellschaften und Creative Commons innerhalb eines Angebots, der One-Stop-Service. Dazu CEO Philippe Perreaux in der NZZ Online:

Der Künstler kann Preise und erlaubte Nutzungsformen selber bestimmen, die nachfolgenden Lizenzverträge werden automatisch generiert – ohne Anwaltskosten und für alle Beteiligten einfach verständlich. Künftig wird sich das System auch für andere Werkarten wie Fotografien einsetzen lassen.

Zwar sind die Tarife Jamendos bei weitem übersichtlicher als die der GEMA (ca. 80-90 verschiedene Tarife), jedoch immer noch relativ komplex. Während Inhalte aus den Katalogen der Verwertungsgesellschaften (VGs) bei restorm direkt über die VG abgerechnet werden, bietet restorm für unter Creative Commons (CC) lizenzierte Inhalte weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten der wenigen Tarife durch den Künstler. Entscheidet sich der Lizenznehmer für den Kauf einer Lizenz, wird der Vertrag als PDF generiert und an beide Vertragspartner geschickt.

Der Ablauf für den Urheber ist denkbar einfach: Vor dem Upload erfolgt per Formular die Abfrage, ob der Künstler Mitglied einer VG ist oder nicht. Ist er es, bleibt als Option nur die Verrechnung über die VG. Andernfalls sind die Lizenzierungsoptionen Creative Commons und sogar Public Domain möglich. Die Einverständniserklärung zum Rightclearing – also der potenzielle Verkauf einer Lizenz – wird vom Urheber per Klick auf einen Radio-Button bestätigt. Dies entspricht der Option unter Jamendo, die es Künstlern ermöglicht, am JamendoPro-Programm teilzunehmen.

Gewisse Themen und Anwendungsbereiche (Gewalt, Politik, Pornographie, Religion) können auf Wunsch eingeschränkt lizenzfähig sein oder von einer Lizenzierung ausgeschlossen werden. Ähnliches gilt für die neun verschiedenen Nutzungsformen wie Audio Werbung, Computerspiele, Film & TV etc. Ich möchte bereits jetzt voraussagen, dass die Zahl der Nutzungsformen und möglichen Ausnahmen steigen wird. Denn hier liegt das Problem, dem Tarife grundsätzlich und im speziellen Creative-Commons-Lizenzen unterworfen sind: Gerade die Formulierung des erlaubten kommerziellen Einsatzes im Rahmen einer Lizenz bedarf meistens der Anpassung der Lizenz oder zumindest der Rückfrage – womit die Komplexität steigt. Nicht zuletzt liegt darin aufgrund der juristischen Unkenntnis der Urheber auch eine potenzielle Gefahrenquelle.

Als verwendbare Lizenzen im Creative-Commons-Bereich stehen letztlich eine “Basislizenz” oder eine “erweiterte Lizenz” zur Verfügung. Die Basislizenz ist eine CC BY-NC Lizenz und kann daher kommerziell nicht verwendet werden; nur zu nicht-kommerziellen Zwecken und unter Namensnennung der Urheberinformationen. Änderungen am Werk sind jedoch möglich – ob es sich um eine Share-Alike-Lizenz handelt, konnte ich der Dokumentation nicht entnehmen. Die erweiterte Lizenz kann im Gegensatz dazu kommerziell verwendet werden. Interessanterweise wird hier ein Grundelement der CC-Lizenzen kurzerhand durch die Einwilligung des Künstlers in das Rightclearing-Verfahren ausgehebelt: Eine Namensnennung bei der kommerziellen Verwendung ist nicht notwendig:

Die erweiterte Lizenz beinhaltet zusätzlich die Rechte, das Werk kommerziell und ohne Namensnennung zu nutzen. Und ist dementsprechend teurer.

Zwar kann theoretisch auch außerhalb von restorm jeder Urheber eines CC-Werks von diesem Recht Abstand nehmen – sinnvoll ist es jedoch nicht.

Die Preise für die jeweiligen Nutzungsformen können vom Urheber unterschiedlich festgelegt werden, wobei die erweiterte Lizenz hochpreisiger ist. Alternativ empfiehlt restorm drei Preispläne:

[..] Wir haben für euch drei Preispläne vorkonfiguriert, die den allgemeinen Standard wiedergeben. Falls du dich mit dem Verkauf von Musiklizenzen noch keine Erfahrung gemacht hast, empfehlen wir dir, den auszuwählen, der auf deine Band zutrifft.

Tiefes Preisniveau: Für lokal bekannte Künstler
Normales Preisniveau: Für national bekannte Künstler
Hohes Preisniveau: Für international bekannte Künstler

Natürlich steht es dir auch frei, sämtliche Preise selber zu bestimmen. Nur solltest du auch hier vorsichtig sein, wenn du nicht potentielle (sic!) Kunden abschrecken willst.

Bei Projekten mit einem Budget jenseits von 10.000 € werden die Lizenzkosten prozentual definiert (vom Künstler). Die Abgabe an restorm (Commission Fee) beträgt 10%. Ob eine lineare prozentuale Berechnung sowohl der Lizenzkosten als auch der Commission Fee Sinn macht, sei dahin gestellt – in der Regel sollte meines Erachtens bei einer Vertriebsbeteiligung der prozentuale Anteil bei niedrigeren Einnahmen prozentual eher höher liegen und mit steigendem Projektwert prozentual sinken – zumindest ein maximaler Wert sollte als Schwelle fixiert sein.

Das Rightclearing kann ein absolutes Highlight werden, braucht aber noch Nachpolitur. Zudem: Bislang stehen 2.000 Tracks zur kommerziellen Lizenzierung zur Verfügung. Bei Jamendo 90.000. Und auch das ist – nach Herausfilterung der qualitativ nicht hinreichenden Inhalte – nicht ausreichend für eine Nutzung im professionellen Lizenzierungsumfeld. Denn Music Supervisors, die “Casting-Agenturen der Musik”,  sind nicht zuletzt privat durch kommerzielle Download-Stores ein anderes und erheblich umfangreicheres Repertoire gewöhnt.

restorm 2011: One-Stop-Service für unterschiedliche Lizenzen einschließlich Creative Commons

Zugegeben, obwohl bereits seit 2007 am Markt, und mindestens seit der Kehrtwende der Ausrichtung des Schweizer Start-Ups vom Musikvideoportal zum Multifunktionsdienst in den Medien, bin ich erst jetzt hellhörig geworden.

Nach den ersten Informationen, die ich zu den neuen Features von restorm.com erhielt, handelte es sich um einen Hybrid aus Jamendo, Download-Store und kommerzieller Verwertungsgesellschaft für Creative-Commons-Inhalte. Interessant ist aber v.a. der Ansatz, sowohl Inhalte anzubieten, die über Verwertungsgesellschaften abgerechnet werden, als auch solche von Creative-Commons-Künstlern – so auch restorm-CEO Philippe Perreaux:

Das neuartige daran ist der Umstand, dass es unterschiedlichste Urheberrechts-Konzepte berücksichtigt. Angefangen beim traditionellen Copyright über das moderne Creative Commons Konzept bis hin zum Ansatz der komplett freien Verbreitung namens Public Domain ist mit unserem Tool alles möglich.

Die Site spricht in erster Linie Künstler an. Und doch, gehe ich die gestellten Fragen der Landing Page durch, adressiert restorm Fans, Musiker, Labels, Manager, Blogger, Lizenznehmer und Veranstalter. Möchte man sich einen ersten Überblick verschaffen, ist man einige Zeit beschäftigt, durch viele Seiten hindurch zu klicken, die ebenso viel Information bieten.

Die meist lokalen (d.h. Schweizer) Partner wie die Berner Zeitung, iMusician Digital, SAE Zürich, Spreadshirt (Ausnahme: nicht Schweiz) sowie weitere Unternehmen aus Videoproduktion und Event-Marketing spiegeln die breite Palette der Zielgruppen.

Das Angebot an Funktionen ist dementsprechend reichhaltig; in einem in Kürze folgenden Artikel werde ich das “Rightclearing” (Video) detailliert betrachten (unten als Kurzeinführung das Video), das restorm in den Vordergrund rücken möchte. Nicht zu Unrecht, denn wagt man sich in den Markt der kommerziellen Verwertung von Creative-Commons-Werken ohne Einschränkung auf eben diese, ist dieser nicht zu klein einzuschätzen: Jamendo bietet derzeit etwa 300.000 Titel an, davon jedoch nur 90.000 zur kommerziellen Lizenzierung (JamendoPro). Gerade der Blick auf Jamendo lässt aber auch fragen, wie viel Erfolg dem Business Modell beschieden werden mag.

Wie ist nun der Nutzen von restorm insgesamt anzusetzen? Es gibt in der Tat viele kleine Möglichkeiten, Bands im Mediennetzwerk pushen zu lassen. Auch ist die Option einer Mini-Website interessant, die für jede Band verfügbar ist. Diese lässt sich quasi als generiertes EPK (Electronic Press Kit) in jeden Online-Artikel auch von Bloggern und Magazinen wie ein Widget einbinden.

Smarter noch erscheint mir aber das Angebot an Blogger, das im Dschungel der Site untergeht. Sites wie Jamendo haben extrem mit Problemen der Kuratierung und Verschlagwortung zu kämpfen (dazu in Kürze mehr). restorm versucht hier, Blogger an sich zu binden. Diese bedienen als Filter ein spezielles Publikum und fungieren somit als Kurator/Qualitätsfilter, Multiplikator, Content-Produzenten (durch Reviews) und Metadaten-Generator in einer Person.

Letztendlich aber stellt sich mir die Frage, ob ein einzelnes (und gutes) Produkt hier nicht überfrachtet ist – zumindest fehlt es an einer transparenten Darstellung. Ist es gut, vom Start weg für jeden alles zu bieten? Wären ergänzende Services keine bessere Lösung? Denn die Funktionalität oder Idee hinter restorm in aller Kürze zu vermitteln fällt schwer. Da muss beim Elevator-Pitch der Aufzug schon stecken bleiben. Und das ist nicht gut fürs Unternehmen.

YouTube bietet Creative-Commons-Lizenzierung – vorerst nur unter CC BY

Seit 2. Juni ist auf YouTube eine Lizenzierung unter Creative Commons möglich. Die Wiederverwendung muss jedoch auch kommerziell und ohne weitere Einschränkung erlaubt sein. Somit steht derzeit einzig die Attribution Licence (CC BY 3.0) zur Auswahl, die bei Wiederverwendung allein die Nennung des Urhebers zwingend vorsieht.

Zum Start stellt YouTube mehr als 10.000 CC-BY-lizenzierte Videos aus verschiedenen Quellen zur weiteren Verwendung zur Verfügung, momentan in erster Linie von Nachrichtenagenturen wie z.B. Al Jazeera oder Voice of America.

Nutzt man den YouTube eigenen Editor, werden aus YouTube-CC-Material neu erstellte Videos automatisch als CC-BY-lizenziert markiert. Alle im Video eingesetzten CC-Inhalte werden im Player mit Urheber und Original-Titel versehen:

Users may remix videos directly on the editor platform, and any video that is created using CC BY-licensed content will automatically display the linked source videos’ titles underneath the video player.

Neue, aus eigenen Quellen stammende Videos können wahlweise unter die Standard-YouTube-Lizenz oder unter eine CC-BY-3.0-Lizenz gestellt werden.

GigaOm verweist auf die möglichen Beweggründe zur Einschränkung auf CC-BY-Lizenzen:

Creative Commons has in the past been struggling with the fact that the majority of users tends to adopt more restrictive licenses. The organization estimated that two out of three Creative Commons-licensed works can’t be reused commercially, and one out of four can’t be reincorporated into a new work at all.

Neben der nicht-kommerziellen Verwendbarkeit von zwei Dritteln aller weltweit verfügbaren Werke unter Creative-Commons-Lizenz wäre ein Viertel für Remixes in keinem Fall verfügbar – zwei Punkte, die dem angestrebten schnellen Wachstum der YouTube-Library entgegen stehen.

Betrachtet man die Optionen, ist die Nutzung von YouTube im Vergleich zu Vimeo stark eingeschränkt – dort sind alle CC-Varianten erlaubt. Andererseits ist der Vorteil für die Community nicht zu unterschätzen. Setzt man unter YouTube eine CC-Lizenz ein, die aus dem dortigen Fundus stammt, so kann man sich der Verwendbarkeit sicher sein (wenn der Content-Provider korrekt lizenziert hat). Zudem wird das in YouTube eingestelltes und via YouTube-Editor verwendete Material gekennzeichnet. Das wird unter Vimeo dem Bearbeiter überlassen.

8 Websites für Downloads von GEMA-freier kostenloser Musik

Das Loadblog hat eine gute Liste von Websites zusammengestellt, die Downloads von GEMA-freier kostenloser Musik bereitstellen.

Neben Incompetech, das ich hier bereits vorgestellt hatte, und Musopen, dass mit Crowdfunding gemeinfreie klassische Musikaufnahmen finanziert und bereitstellt, finden sich in der Liste auch Klassiker wie ccmixter.org, das unter dig.ccmixter.org einen übersichtlichen Zugang zu Musik mit Podcast-freundlichen Lizenzen und Lizenzen für die freie kommerzielle Nutzung anbietet.

Das Loadblog stellt insgesamt vier Sites vor, die kostenfreie Musik für kommerzielle Nutzung bereitstellen, und vier Sites, bei denen die kostenlose Nutzung der Musik auf Nichtkommerzielles beschränkt ist.

Incompetech bietet kostenfreie kommerziell verwendbare Musik

Incompetech bietet frei verwendbare Musik aus verschiedenen Genres an. Das Besondere daran ist, dass die Musik komplett auch kommerziell verwendet werden kann:

Incompetech has a massive collection of high-quality musical tracks that are free for use in any context so long as you provide attribution. Every song has the same license so you don’t need to dig through the archives looking for a perfect song that’s also available for your specific type of project.

incompetech