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Vevo nutzt in Deutschland auf Nutzungsprognosen basierenden Einführungstarif der GEMA

Wieso konnte Vevo in Deutschland eine Einigung mit der GEMA finden? Die Antwort: Das Joint Venture von Universal, Sony und YouTube bekommt als Markteinsteiger in Deutschland einen Beginnerbonus: Die Möglichkeit, den auf Nutzungsprognosen basierenden pauschalen Einführungstarif der GEMA zu nutzen.

Martin Weigert erklärt die Sachlage auf netzwertig.com:

Für Vevo gelten prinzipell die gleichen tariflichen Grundlagen wie für alle anderen digitalen Musikangebote, die legal in Deutschland operieren. Als werbefinanzierter Gratisservice mit hoher Interaktivität sind dies 0,00375 Euro pro von Anwendern gestreamtem Titel, die mindestens abzuführen sind (oder 10,25 Prozent der mit dem Streaming erwirtschafteten Umsätze). Es handelt sich also um die gleiche Summe, die die GEMA auch von YouTube verlangt. Dem Google-Videoportal erscheint dies jedoch zu hoch, weshalb es bisher keinen Vertrag mit der GEMA zustande gebracht hat.

[..]

Als auf dem deutschen Markt neuer Anbieter räumt die GEMA dem Portal einen auf maximal zwei Jahre begrenzten pauschalen Einführungstarif ein. Dieser soll jungen Musikdiensten in der Aufbauphase ihres Geschäftsmodells bei der Kalkulation helfen, so das Ziel dieser Sonderlösung. Eine GEMA-Sprecherin bestätigte uns, dass man sich mit Vevo auf diesen Einführungstarif geeinigt habe. Je nach Zahl der prognostizierten ausgelieferten Streams im ersten Jahr beträgt die Pauschale für Dienste mit hoher Interaktivität – Vevo fällt wegen seiner On-Demand-Features in diese Kategorie – zwischen 125.000 Euro (bis zu 200 Millionen Streams/Jahr) und 2,25 Millionen Euro (Bis zu 2 Milliarden Streams/Jahr). Auf welche Pauschale sich Vevo und GEMA geeinigt haben, hängt von Vevos gegenüber den Verwertern kommunizierter Trafficprognose ab. 

(Hervorhebung von mir)

Das erklärt, wieso Vevo in Deutschland mit (einem) GEMA-Tarif starten konnte, während YouTube noch keine Einigung finden konnte.

Das bedeutet außerdem, dass spätestens in zwei Jahren Vevo auf dem deutschen Markt stark eingeschränkt werden könnte, wenn Vevo ähnlich wie YouTube findet, dass der reguläre Tarif zu hoch ist. Sollte Vevo zu erfolgreich sein und die Nutzung 30 Prozent über der Prognose liegen, kann das bereits in einem Jahr passieren. (Siehe Punkt 4 im Tarif-PDF-Dokument der GEMA.)

Der Berliner Musikvideodienst Tape.tv aber scheint sich mit dem regulären Tarif arrangiert zu haben. Der Dienst ist seit 2008, also bereits länger als 2 Jahre, am Markt und hat laut Crunchbase bis dato insgesamt lediglich 6,2 Millionen US-Dollar Risikokapital erhalten.

Breitband: Diskussion über GEMA und Verwertungsgesellschaften allgemein

In der Sendung ‘Breitband’ des Deutschlandradio Kultur hat Philip Banse mit dem Komponisten Hans Hafner und dem Journalisten und Urheberrechtsexperten Ilja Braun über Verwertungsgesellschaften gesprochen.

Herausgekommen ist eine überaus verwertungsgesellschaftsfreundliche Stunde. In dieser empfiehlt erstaunlicherweise kaum verklausuliert zum Beispiel das GEMA-freundliche GEMA-Mitglied Hans Hafner bei Problemen der GEMA, wie etwa, dass man als GEMA-Mitglied keine einzelnen Werke für kostenfreie Werbedownloads aus dem GEMA-Katalog heraustrennen kann, diese unter der Hand zu umgehen und einfach zu machen, was man machen will.

Weil die GEMA dafür bekannt ist, mit Augenmaß zu messen.

Die Sendung kann man hier anhören: Breitband – Eine Verwertungsgesellschaft für die digitale Welt?

Die offizielle Inhaltsbeschreibung der Sendung:

Verwertungsgesellschaften sind eigentlich Treuhänder der Urheber. Aber insbesondere über die GEMA gab es in den letzten Jahren so einige Klagen und Proteste. Doch soll die Monopolstellung nicht mehr lange halten, wenn es nach der “C3S” geht: der “Cultural Commons Collecting Society”. Die bezeichnet sich als eine “nicht-exklusive Verwertungsgesellschaft, die es MusikerInnen ermöglicht, ihre unter nicht-kommerziellen Creative-Commons-Lizenzen veröffentlichten Werke außerhalb traditioneller Schemata kommerziell verwerten zu lassen”.

Dahinter steht die größere Frage, wie sich die Verwertungsgesellschaften in der neuen digitalen Welt verändern müssen. Für wen sind sie da? Wessen Interessen vertreten sie? Und zuallererst: Warum gibt es überhaupt solche Verwertungsgesellschaften?

GEMA: Schuld an unserem Ruf sind die hohen Marketingbudgets der anderen und Twitter

Ursula Goebel, seit ca. einem Jahr Pressesprecherin der GEMA, sprach auf der C’n'B Köln über die Kommunikationsstrategie der GEMA.

Lothar Scholz berichtet im Musikmarkt:

Mit hohen Marketing-Budgets ausgestattete Verhandlungsgegner wie Google und DEHOGA tragen zur Meinungsmache bei. In einem Tweet werde beispielsweise behauptet, dass die GEMA Videos auf Musikvideos sperre und fürs Clubsterben verantwortlich sei. In 140 Zeichen das Gegenteil zu erklären mit einem Verweis aufs Urheberrechtswahrnehmungsgesetz (31 Zeichen), sei nicht zu schaffen.

Man benötigt keine hohen Marketing-Budgets für Tweets. Außerdem machen DEHOGA und Google meines Wissens nach keine Werbung gegen GEMA. Dass die Google-Tochter YouTube entscheidet, welche Nachricht agezeigt wird, wenn ein gesperrtes Video nicht angezeigt werden kann, ist ungünstig für die GEMA aber eben eine Tatsache. (Webdienste haben immer auch eine gewisse indirekte Publikationsmacht.)

Vielleicht liegt das Problem der GEMA aber auch an anderer Stelle:

Das Meinungsbild ändern könnten aber die Urheber. „Sie sind die einzigen glaubwürdigen Vertreter für das, was wir tun“, so Goebel. Die logische Konsequenz: „Wir müssen die Urheber sprechen lassen!“ Das ist aber gar nicht so leicht. Für die vor einem Jahr gestartete Image-Kampagne „Musik ist uns was wert!“ konnte kein Künstler gefunden werden, der sich auf den Plakaten abbilden lässt.

Wer glaubt, dass das Image der GEMA, das so schlecht ist, dass sich kein Künstler für sie abbilden lassen will, einzig auf die hohen Marketingbudgets der ‘Gegner’ und die 140-Zeichen-Beschränkung auf Twitter zurückzuführen ist, wird an der Situation nichts ändern.

Zur neuen Strategie der GEMA zählt laut Goebel auch, die Urheber besser über die Ziele und das Vorgehen der GEMA zu informieren. Eine bessere Aussenkommunikation, die etwa auch die Motivationen hinter Tarifänderungen verständlich kommuniziert, wäre sehr zu begrüßen, dürfte damit aber nicht gemeint sein.

GEMA-Aufsichtsratsmitglied Konstantin Wecker: “Was soll zweifelhaft sein an der Gema?”

Konstantin Wecker, seit Juni 2012 Aufsichtsratsmitglied der GEMA, im Interview in der Frankfurter Rundschau:

Bleiben wir bei der Gema. Als im Juni in Deutschland gegen die ruinösen Methoden der Urheberschutzgesellschaft protestiert wurde, waren Sie nicht mit auf der Straße. Da haben Sie sich in den Aufsichtsrat der Gema wählen lassen. In den Aufsichtsrat eines der zweifelhaftesten..Vereine.

Ach, aber Youtube und Google sind nicht zweifelhaft, nein? Das sind menschenrettende Organisationen, oder was? Die Gema ist die letzte Instanz, die uns Autoren schützt. Was soll zweifelhaft sein an der Gema?

Ihre Struktur, ihr Verteilerschlüssel, vollkommen undemokratisch. Die 3400 Großverdiener unter den 65.000 Mitgliedern entscheiden über die Verteilung der Gelder. Darum fließen 65 Prozent der Einnahmen an 5 Prozent der Urheber. Und Spitzenverdiener wie Sie bekommen überdies noch eine Rente.

Das ist einfach nicht richtig. Ich bin bald 40 Jahren in der Gema, ja, da ist vieles nicht in Ordnung. Ich streite auch mit der Gema, zum Beispiel, um als E-Musik-Komponist eingestuft zu werden mit meinen Chansons und nicht wie der billigste Schlagerschreiber. Alles andere sind die Lügen derer, die in der Gema sind, aber einfach nicht gespielt werden. Wer fünf Mal im Radio läuft, kriegt fünf Mal mehr als der, der nur ein Mal läuft. So einfach. Die Gema kann nur dem was geben, der gespielt wird.

Dass Spitzenverdiener allein entscheiden, nach welchem Schlüssel das Geld verteilt wird, ist in Ordnung?

Oh, das kommt in der deutschen Politik wohl nicht vor?

Das sich selbst verstärkende Modell der GEMA macht sie auch immun gegen interne Kritik, weil diese nie an Stellen gelangt, an denen sie etwas verändern kann.

Man muss sich die letzte Antwort von Konstantin Wecker durch den Kopf gehen lassen und durchdenken, was er zynischerweise eigentlich meint: ‘Wir Musiker ganz oben und unsere Organisation, die sich um uns kümmert, haha, wir sind genauso korrupt wie die deutschen Politiker.’ Großartige Aussage für einen Künstler.

In der Zusammenfassung des fragenden Journalisten findet sich das größte Problem der GEMA, die institutionalisierte Ungerechtigkeit. Diese kann man nur einfach wegzwischen, wenn man direkt von ihr profitiert.

(via)

Kommende DJ-Tarife der GEMA betrachten Dateien wie physische Kopien

Die De:Bug hat der GEMA Fragen zu den wohl zum 1.4.2013 kommenden DJ-Tarifen gestellt. Es klingt, wie zu erwarten war, recht realitätsfern:

Reindlmeier: Es ist grundsätzlich je Kopie zu zahlen, d. h., wenn von einem Werk mehrere Kopien, die zur öffentlichen Wiedergabe bestimmt sind, angefertigt werden, ist für alle diese Kopien eine Vergütung zu zahlen. Für Kopien, die vor dem 01.04.2013 erstellt wurden, müssen die Vervielfältigungsrechte auch erworben werden. Der Zeitpunkt einer Tarifveröffentlichung hat keinen Einfluss auf den Sachverhalt der Vervielfältigung und dem daraus resultierenden Vergütungsanspruch.

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Für die öffentliche Wiedergabe der vervielfältigten Rechte ist selbstverständlich eine (zusätzliche) Vergütung vom Discothekeninhaber zu bezahlen. Es werden damit nämlich weitere Rechte in Anspruch genommen.

Und weiter:

Reindlmeier: Sofern Sie die legal erworbene Datei auf eine externe Festplatte überspielen, handelt es sich um eine Vervielfältigung. So weit, so gut. Verwenden Sie nun aber die externe Festplatte zur öffentlichen Wiedergabe, müssen Sie diese Vervielfältigung zum Zwecke der öffentlichen Wiedergabe lizenzieren, also dafür bezahlen.

[..]

[Debug:] Entnehme ich dem, dass dann eben alle Tracks doch erneut lizensiert werden müssen, die man weiter spielen möchte?Reindlmeier: Ja, das ist richtig.

Debug: Ist es also generell so, dass bei der Zerstörung einer Datei z.b. durch Festplattencrash das Backup dann erneut oder im Fall von legal erworbenen Kopien erstmals lizensiert werden muss?

Reindlmeier: Ja, das ist richtig.

Das Festhalten an der einzelnen Kopie bei einer Datei als könne diese wie eine CD oder eine Vinylscheibe behandelt werden, ist purer Wahnsinn und wird zu Chaos und Missachtung der Tarife führen.

Kommentar auf Kraftfuttermischwerk:

Wenn Ihr euch also einen neuen Laptop kauft, weil der alte es nicht mehr macht, und ihr eure alte Festplatte auf die neue kopiert und ihr dann von dieser Musik öffentlich spielen wollt, müsst ihr dafür pro Track Gebühren an die GEMA zahlen. Ich hoffe ja inständig, dass ich das falsch verstanden habe, allein mir fehlt der Glaube daran. Man kennt ja die GEMA.

Nur zur Erinnerung: für jeden Track, den ich von einem GEMA-Mitglied kaufe, zahle ich beim Kauf einen Teil an die. Bei jedem USB-Stick oder sonstigem Speichermedium zahle ich anteilig an die GEMA. In jedem Klub, in dem ich Eintritt zahle, zahle ich anteilig an die GEMA. Jetzt zahle ich dann auch noch als DJ, weil ich Daten von meinem Laptop auf eine Festplatte kopiere, weil ich heute mal an einem Rechner eines mir befreundeten DJs mit ihm zusammen spielen will. Die spinnen doch!

Grundsätzlich ist es bereits rein aus Praktikabilitätsgründen nicht sinnvoll, eine Last von meist im Team betriebenen Einrichtungen (Clubs) auf kreative Einzelpersonen (DJs) umzulagern. Das kann nicht gut gehen. Selbst wenn die Tarife und die ihnen zugrundeliegenden Prämissen nicht kompletter Murks wären. Im Zweifel wäre ein ersatzloses Streichen des 30%-Zuschlags, den Clubs bislang für das Spielen von kopierten Tonträgern zahlen mussten, die vernünftigere Entscheidung gewesen. Das allerdings wiederum würde dem institutionalisierten Ziel der GEMA widersprechen, den Ausschüttungstopf ohne Rücksicht auf mögliche Auswirkungen zu maximieren.

Mich würde im übrigen interessieren, wie viele professionelle DJs an der Ausarbeitung dieses Tarifs beteiligt waren.

GEMA wird auf Fastnachtsumzug thematisiert

Der Gießener Anzeiger über einen lokalen Umzug:

Der „Gema-Drache“ präsentierte sich fressend: Am Handkarren fand sich der Hinweis, dass er gerne Kirmesveranstaltungen, Fastnachtsumzüge, Vereinsveranstaltungen sowie zum Nachtisch Dorftraditionen und ehrenamtliches Engagement verspeise.

Die GEMA hat ein massives PR-Problem.

PR-Slapstick der GEMA

laut.de über eine Reaktion der GEMA auf eine “Stern”-Satire:

In einem offenen Brief an die Verantwortlichen des “Stern” zeigt man sich verärgert: “Wir sind fassungslos, dass Sie als renommiertes Medium derart ehrverletzend und einseitig parteiisch gegen uns berichten. Wir Musikurheber sind es leid, dass wir durch derartige Meinungsmache als Feindbild aufgebaut werden.”

Die Tätigkeit als Urheber bilde deren materielle Lebensgrundlage. Mit dieser Kreativleistung trage man auch zum Erfolg des “hoch profitgierigen” Google-Konzerns bei, der vergangenes Jahr 50 Mrd. US-Dollar umgesetzt habe.

[..]

Ob der “Stern” mit seiner Darstellung tatsächlich den richtigen Ton getroffen hat, ist fraglich. Doch wenn die GEMA weiter versucht, auf slapstickartige Weise ihr realitätsfernes Verhalten zu rechtfertigen, wird eines zwangsläufig auf der Strecke bleiben: Der überfällige Kompromiss zwischen Konsument und Künstler.

Die GEMA hat in den Monaten seit dem Sommer 2012 immer wieder gezeigt, dass es ihr ausgesprochen schwer fällt, sich vernünftig und nachvollziehbar in der Öffentlichkeit darzustellen.

Böse Zungen könnten behaupten, das liege auch daran, dass die GEMA teilweise Ziele verfolgt, die keineswegs nachvollziehbar sind, wenn man nicht GEMA-Vorstand, Dieter Bohlen oder Erbe eines Schlagerstars ist.

Nüchtern betrachtet liegt der PR-Slapstick der GEMA aber auch darin begründet, dass diese Institution sich erst seit den laufenden und immer wieder scheiternden YouTube-Verhandlungen und der Tarifreformdebatte einer kritischen Öffentlichkeit gegenüber sieht. Ihr fehlen schlicht die Kommunikationskompetenzen, weil sie sie Jahrzehnte lang nicht benötigt hat.

Dass die GEMA trotz jahreangem (jahrzehntelangem?) Murren vieler Mitglieder erst seit wenigen Jahren öffentliche Kritik und damit verbundenen Druck zu spüren bekommt, sagt auch einiges über die hiesige Musikbranche aus.

Über 60% der Top 1000 der YouTube-Videos in Deutschland dank GEMA nicht abrufbar

Markus Beckedahl auf netzpolitik.org:

OpenDataCity hat eine kleine Anwendung entwickelt, womit die Top 1000 der beliebtesten Videos weltweit danach untersucht werden, ob wir sie auch aus Deutschland anschauen können. Ergebnis ist: Rund 60% sind in Deutschland nicht verfügbar.

Ein großer Teil der YouTube-Videos sind nicht überall zu sehen. Fast 19% der weltweiten Top 1000-Videos sind in einem oder mehreren Ländern außerhalb Deutschlands gesperrt. In Deutschland jedoch sind über 60% der 1000 beliebtesten Videos nicht verfügbar, weil YouTube davon ausgeht, dass die Musikrechte „möglicherweise“ bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA liegen.

Für den Kontext:

Damit liegt Deutschland mit weitem Abstand vor Südsudan (15 Prozent) und auf dem dritten Rang Vatikanstadt mit 5 Prozent.

Deutschland ist das einzige Industrieland, in dem sich die Verwertungsgesellschaft für Musik und YouTube nicht einmal auf eine temporäre Lösung einigen konnten.

Für deutsche Musiker dürfte die aktuelle, seit Jahren anhaltende Situation ausgesprochen vorteilhaft sein, da die GEMA schließlich nur das Beste für all ihre Mitglieder im Sinne hat.

Space Night auf BR alpha wird fortgesetzt

heise online:

Offen ist dabei noch, in welcher Form die Space Night in Zukunft laufen wird. Im Zuge der Proteste, die nach der Absetzung aufbrandeten, hatten Blogger laut Telepolis gefordert, GEMA-freie Musik unter CC-Lizenzen zu verwenden. Netzaktivisten sammelten dazu bereits in einem Wiki Musik-Vorschläge. Inwieweit Musik unter CC-Lizenzen dann tatsächlich genutzt wird, wolle der BR noch prüfen. Bereits bereits in der vergangenen Wochen hatte der Sender angekündigt, ein neues Konzept für die Sendung ausarbeiten zu wollen. Spiegel online zufolge erwägt der BR auch den Einsatz des Rundfunk-Orchesters mit Eigenkompositionen.

Ab den 4. Februar sollen neue Folgen laufen. Da war man wohl beim BR von den Reaktionen im Netz überrascht.

Space Night auf BR-Alpha am Ende dank neuer GEMA-Gebühren

Die letzte  Space Night wird am 7.1.2013 ausgestrahlt. Der Grund sind die neuen TV-Gebühren der GEMA. (Siehe die letzten GEMA-News)

The Research Institute:

Auf unsere Anfrage teilt uns das BR-Fernsehen hierzu heute folgendes mit:

…vielen Dank für Ihre Anfrage an das Bayerische Fernsehen!

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir die Sendereihe “Space Night” nicht mehr im Programm von BR-Alpha führen.

Grund hierfür ist, dass die GEMA eine Gebührenreform durchgeführt hat, sodass die Produktionskosten für “Space Night” für den Bayerischen Rundfunk erhöht wurden.

Daraufhin hat sich unsere Programmplanung entschieden, die Produktion der Sendereihe nicht mehr fortzusetzen.

Es tut uns Leid Ihnen keine andere Auskunft geben zu können!

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Zuschauerservice

Damit verschwindet eine der letzten musikzentrischen TV-Sendungen im deutschen Fernsehen.

via Nerdcore: “GEMA killed Space Night

Bundesregierung steht hinter GEMA-Vermutung

heise online:

Die “GEMA-Vermutung” mit der damit verknüpften Abgabenpflicht habe sich aus der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ergeben, erklärte der Staatssekretär im Bundesjustizministerium Max Stadler (FDP) am Montag im Petitionsausschuss des Bundestags.

Stadler hält die GEMA-Vermutung für gerechtfertigt, da es sonst kaum möglich sei, die Rechte der Künstler geltend zu machen. Die Veranstalter hätten es mit dem Gegenbeweis einfacher, auch wenn es einen gewissen Aufwand bedeute. Er sehe derzeit keine Möglichkeiten, das System insgesamt zu ändern. Einzelne Mechanismen müssten aber verbessert und die Gespräche zwischen allen Seiten intensiviert werden.

Grundsätzlich ist die Richtung nachvollziehbar. Aber dass kein größeres Augenmerk auf die Nachteile der GEMA-Vermutung und, vor allem, der knallharten, vollkommen kompromisslosen Durchsetzung selbiger durch die GEMA gelegt wird, ist sehr enttäuschend.

Eine Ausnahmeregelung etwa, die kleinere Veranstaltungen wie diese entlastet, weil sie nachweisen können, dass 80 oder 90 Prozent der gespielten Musik kein GEMA-Repertoire ist, würde bereits viel helfen. Die aktuelle Alles-oder-nichts-Realität ist suboptimal.

 

Rabatt von 20% für 5 Jahre: GEMA einigt sich mit drei Veranstalterverbänden

Golem.de:

Die Gema hat sich mit drei Verbänden im Tarifstreit um Diskotheken geeinigt. Die größte Unternehmensvertretung, der Dehoga, lehnt das Angebot jedoch ab. Den Clubs, die zustimmen, will die Gema fünf Jahre lang Nachlässe gewähren.

Jetzt wird geschachert.

Aus der Pressemitteilung der GEMA:

Die Vereinbarung mit den drei Verbänden VDM, DDU und DDO sieht im Wesentlichen folgende Anpassungen in den Vergütungssätzen U-V und M-V vor:
•    Einführungsnachlass: Die GEMA gewährt Betrieben, die zwei oder mehr Veranstaltungen wöchentlich durchführen, gesonderte Einführungsnachlässe auch für Veranstaltungen mit einem Eintrittsgeld von weniger als 10 EUR über einen Zeitraum von 5 Jahren.
•    Vervielfältigungsrechte: Die GEMA plant für die zukünftige Lizenzierung der Vervielfältigungsrechte (sogenannter Laptopzuschlag), den bereits heute bestehenden Vervielfältigungstarif VR-Ö entsprechend anzupassen. Die Lizenz beträgt dort € 0,13 je vervielfältigtem Werk. Dadurch würde der bisherige Zuschlagstarif VR-T-G entfallen.

Die Einigung erscheint gerade für Diskothekenvereinigungen ausgesprochen kurzsichtig.

Golem:

“Diese 500 oder 1.000 Prozent mehr sind nicht bezahlbar”, sagte Stephan Büttner. Zudem handle es sich bei den drei Verbänden, mit denen die Gema den Streit nun beendet hat, “um ganz kleine Gruppen”, die “nicht repräsentativ” seien. Der Dehoga will die neuen Tarife weiterhin bekämpfen.

Tagesschau-Ton-Witwe fürchtet um monatlich vierstelligen GEMA-Scheck

Peter Mühlbauer auf Telepolis vom 14.9.2012:

Der vor über vierzig Jahren verstorbene Hans Friedrich August Carste war NSDAP-Mitglied und GEMA-Aufsichtsratsvorsitzender. [..] Sechs Töne aus seiner sieben Minuten und 30 Sekunden langen “Hammond-Fantasie”, mit denen die ARD seit 1956 ihre Nachrichtensendung “Tagesschau” einleitet.

Nun protestiert Carstes Witwe Grit-Sieglinde, weil sie befürchtet, dass sich durch eine vom öffentlich-rechtlichen Sender angekündigte Bearbeitung des Fanfarenfragments durch den Hollywood-Filmkomponisten Henning Lohner (der bei Hans Zimmers Firma Remote Control beschäftigt ist) ihre monatlich vierstellige GEMA-Ausschüttung verringern könnte. Sie macht geltend, dass eine Bearbeitung eine potenzielle “Ehrverletzung” und nur mit ihrer Zustimmung möglich sei.

Wir leben in einer bizarren Welt.

Petition zur Abschaffung der GEMA-Vermutung wird am 5. November behandelt

musik.klarmachen-zum-aendern.de:

Am 5. November 2012 werden die Mitglieder des Petitionsausschusses des Bundestages in einer öffentlichen Sitzung über die von David Henninger initiierte ePetition zur »Aufhebung der so genannten GEMA-Vermutung« beraten. Da Henninger beruflich verhindert ist, wird er durch Christian Hufgard, den 1. Vorsitzenden des Musikpiraten e.V., vertreten werden. Auf der Tagesordnung stehen noch zwei weitere die GEMA betreffende Petitionen.

Stadtteilfeste auf der Kippe wegen höherer Gema-Gebühr?

WAZ.de:

Veranstalter in den Essener Stadtteilen müssen ab 2013 zum Teil tausende Euro mehr Gema-Gebühren zahlen, wie das Beispiel Wottelfest in Heisingen zeigt. Nach Schätzungen der Essen Marketing Gesellschaft müssen Veranstalter mit 20 bis 60 Prozent höheren Gebühren rechnen. Manchem Fest droht möglicherweise sogar das Aus.

Die Berichterstattung zur GEMA-Tarifreform wird nicht positiver.

Man stelle sich vor, es würden nächstes Jahr tatsächlich Stadtfeste aufgrund der neuen GEMA-Tarife abgesagt werden müssen. Es könnte der sprichwörtliche Tropfen sein.

GEMA bastelt sich ihre erwünschten Umfrageergebnisse

Stefan Niggemeier über die Verzehrung der Ergebnisse einer von der GEMA in Auftrag gegebenen Umfrage durch die GEMA selbst für ihre Pressemitteilung:

Die 9 Prozent der Befragten, die gar nicht der Meinung waren, dass Komponisten und Texter entlohnt werden müssten, sind praktischerweise in der Berechnung des durchschnittlich für »angemessen« gehaltenen Anteils vom Eintrittsgeld gar nicht mehr enthalten. Mit anderen Worten: Die GEMA gibt einen Durchschnittswert an, der all jene, die die von ihr unerwünschte Antwort »null« gegeben haben, gar nicht berücksichtigt. Bei den 14– bis 29-jährigen, die der Musik angeblich einen ganz besonderen Stellenwert beimessen, sind das sogar 12 Prozent der Befragten.

Schaut man sich die Angaben im Detail an, wird die Behauptung, es gebe eine Art Konsens unter den Deutschen, dass gut 30 Prozent des Eintrittsgeldes bei einer Musikveranstaltung an die Urheber gehen sollte, noch weniger tragfähig. Immerhin 56 Prozent der Befragten haben nämlich Anteile von weniger als 31 Prozent genannt. 15 Prozent machten gar keine Angaben. Dem stehen gerade einmal 29 Prozent der Befragten gegenüber, die für eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent plädierten.

Ein weiteres Beispiel für die oft erstaunlich plumpe Außenkommunikation der GEMA, die eine kritische Betrachtung durch die Öffentlichkeit nicht gewohnt ist.

GEMA will erneut Geld für CC-Musik, es wird Zeit für die C3S

Nerdcore:

Die Musikpiraten haben erneut Ärger mit der GEMA, die erneut Lizenzgebühren für CC-Musik verlangt.

Musikpiraten:

Bei insgesamt fünf Titeln macht die GEMA Ansprüche geltend.

Der neben Texasradiofish vermutlich bekanntesten »Problemfall« ist der Berliner Rapper Tapete, der erst vor wenigen Wochen in der taz ausführlich erklärte, warum er kein GEMA-Mitglied ist. Tapete ließ seinen Künstlernamen amtlich in seinem Personalausweis eintragen und benutzt ihn seitdem überall – von der Bahncard bis hin zur EC-Karte, auf jedem Dokument ist nur noch »Tapete« zu finden. Dennoch kein Grund für die GEMA, nicht pauschal Geld für den Song »Von Freiheit nicht genug« zu verlangen.

Dieses Vorgehen der GEMA wird nicht aufhören. Immerhin ist  es (leider) ihr gutes Recht dank GEMA-Vermutung. Ein guter Grund, die alternative Verwertungsgesellschaft C3S zu unterstützen. Erst eine weitere Verwertungsgesellschaft kann das Monopol der GEMA brechen und vielleicht endlich zu einer akzeptablen Situation auch für CC-Musiker führen.

Demonstration am 25.06.2012 gegen Gebührenerhöhung der GEMA

virtualnights über eine Demonstration in Berlin:

Am 25.06.2012 wird auf der Schönhäuser Allee auf Höhe der Kulturbrauerei von 18 bis 22 Uhr eine Demonstration gegen die Gebührenerhöhung der GEMA veranstaltet. Zeitgleich wird das GEMA-Mitgliederfest stattfinden.

“Die GEMA-Lügen”

Dieses Bild über die geplanten neuen GEMA-Gebühren macht aktuell auf Facebook die Runde (bisher über 1400 Mal geteilt):

Gema lügen

Hier das genannte GIGA-Interview.

Soweit ich das sehen kann, stammt das Bild vom Nachtclub Pacha in München.

Prof. Thomas Hoeren über GEMA und Youtube

Der bekannte Urheberrechtsexperte und Professor Dr. Thomas Hoeren über das Urteil des Landesgerichts Hamburg und wie es mit GEMA und YouTube weitergeht auf Golem.de:

Gema und Youtube werden sich sicher bis zum BGH streiten; die Gema hat schon die Berufung angekündigt. Dabei käme wegen der europarechtlichen Vorfragen auch eine Vorlage an den EuGH in Betracht. Bis dahin erhalten die Kreativen über Jahre hinweg keinen Cent aus der Youtube-Nutzung, werden User durch Sperrhinweise genervt. In über 40 Ländern ist es Youtube gelungen, den Rechteerwerb mit Musikverwertungsgesellschaften zu regeln – nur in Deutschland nicht, wo die Gema – als weltweit einzige Verwertungsgesellschaft – auf einer hohen Mindestvergütung pro Abruf besteht. Und damit ist der eigentliche Verlierer des vorliegenden Rechtsstreits ausgemacht: die Gema.