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Wie die Majorlabels Startups bedroht und Innovation getötet haben

Auf neunetz.com schreibe ich über eine neue Studie:

Nun liegt eine erste Befragung von Brancheninsidern von sowohl der Startupseite als auch der Labelseite darüber vor, welche Effekte auf die digitale Musikbranche das Gerichtsurteil zu Napster und das daraus folgende Verhalten der Labels gegenüber Startups hatte.

TorrentFreak:

By interviewing 31 CEOs, company founders and VPs who operated in the digital music scene during the past 10 years, Associate Professor Michael A. Carrier at Rutgers University School of Law has produced a most enlightening report on the decade long aftermath of the Napster shutdown.

TorrentFreak hat einige Zitate aus der Studie herausgezogen:

It started with a drain on cash. Interviewees reported that venture capital funding for digital music “became a wasteland”, a “scorched earth kind of place” housing a “graveyard of music companies.” With the big labels choosing where and when to sue, funding was hard to come by.

[..]

One recalled that the labels “don’t license you if you don’t have traffic” but once enough footfall is achieved then “they want to get paid for ‘infringement’ and the longer it takes to license you, the larger the ‘infringement’ number they can justify charging you.”

Another described a litigation “Ponzi scheme” whereby settlements and other fees extracted from startups were used to fund the labels’ ongoing litigation strategy. However, like all Ponzi schemes there was a problem – maintaining momentum. “Once you stop suing new people there are no new settlements to pay for the ongoing litigation,” one interviewee reported.

But the labels weren’t always unreceptive to new ideas – as long as they were bad ones. The report notes that the labels were happy to take “big, up-front fees” of “10, 20 million bucks” from startups they knew wouldn’t make it. Carrier reports that a leading officer from one label admitted that they would “cripple the companies by demanding such advances and guarantees that they go belly up.”

Established services couldn’t make progress with the labels either, even when they did everything they could to avoid copyright issues. One, that boasted several million users and “interest from top-tier VCs – really the top of the top,” was also sued by the labels.

“After they sued us, our opening offer to them was: ‘You guys made your point; we will charge anything you want to charge, and you can take any percentage you want to take,” a respondent reported. “It was literally an offer of a blank check.” The labels refused and said they wanted the service shut down instead.

[..]

“You do what you want until one day you can’t and they come and your tail light’s broken.”

Mein Fazit:

Das ist das fürchterliche, demprimierende Ergebnis einer Branche, die von Monopolisten bestimmt wird.

Man sollte Dieter Gorny kein Wort glauben, wenn er davon spricht, wie seine Industrie, die Tonträger-Riesen, in den letzten zehn Jahren innovativ waren und neue Produkte entwickelt haben. Sie haben wie alle Unternehmen auf Disruption reagiert: Mit Ignoranz und Desinteresse. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie rechtlich in die Lage versetzt waren, potentielle Disruptoren einfach auszuschalten; und das knallhart, man könnte auch sagen mafiös, so lang verfolgt haben, wie es möglich war. Ohne das unkontrollierbare Filesharing würde es deshalb bis heute kein Spotify und co. geben.

Das ist ein enorm wichtiges Thema. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung dürfte dieses Verhalten der großen Labels wirtschaftlich weitaus schädlicher für den gesamten Musiksektor gewesen sein als illegales Filesharing, weil es jede Form von neuen Angeboten im Keim erstickt hat und keine Investitions- und Innovationskultur zugelassen hat. Schade deshalb, dass die Studie zum Teil von Google finanziert wurde, was ihre Ergebnisse leider für viele sofort invalide macht, und die Interviewten sich nur anonym beteiligten.

Mittlerweile gibt es wieder Millioneninvestitionen in Musikstartups. Ein Grund dürfte auch sein, dass die Majorlabels an Marktmacht verlieren und besonders in den USA langfristig konstante Einnahmequellen abseits des CD-Verkauf benötigen. Die Angst existiert aber weiterhin, wie ich auf neumusik.com beschreibe:

Innovationen geschehen im Musiksektor noch immer mit angezogener Handbremse.

2011 flossen via Kickstarter über 19 Mio. $ in über 3600 Musik-Projekte

Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat ihre Zahlen für 2011 veröffentlicht und  auch 2011 war Musik wieder die zweitgrößte Kategorie. Die Zahlen:

Music
$19,801,685.21 pledged
3,653 successful projects
260,178 backers

Das heißt also, dass 2011 über Kickstarter über 19,8 Millionen US-Dollar in 3653 Projekte geflossen sind. Kickstarter stellt damit die meisten US-Labels in den Schatten. (Ein direkter Vergleich der Investitionsgrößen wäre interessant.)

Auf neunetz.com habe ich ein paar Worte über Crowdfunding und Kickstarter geschrieben.

Studie: Webradio vornehmlich im Büro und zuhause konsumiert, mobil nur 4% der Nutzung

Das Medienforschungsunternehmen Mediapulse hat in der Schweiz eine Studie zum Webradiokonsum durchgeführt.

werbewoche:

55 Prozent der Webradiohörer entscheiden sich für den Empfang über Internet, weil sie den gewünschten Sender sonst nicht empfangen können. Mit 41 Prozent haben die Schweizer Privatradios beim Webradiokonsum den höchsten Marktanteil. 25 Prozent der Webradionutzung entfällt auf die SRG-Sender.

[..]

Webradio wird fast ausschliesslich im Büro (53 Prozent der gesamten Nutzungszeit) und Zuhause (43 Prozent) konsumiert. Mit 4 Prozent ist die Nutzung unterwegs deutlich weniger verbreitet. Entsprechend fällt bisher auch der Konsum via Mobiltelefon eher tief aus: Durchschnittlich konsumieren Webradionutzer nur vier Minuten pro Tag über das Mobiltelefon (im Vergleich zu 50 Minuten via Computer und 12 Minuten via Internetradiogerät).

Noch verbringen ältere Personen doppelt so viel Zeit mit dem Hören herrkömmlichen Radios als ihre jüngeren Webradiohörer. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber umdrehen. Interessant dürfte auch sein, wie das ansteigende On-Demand-Streaming sich auf die Konsumartenverteilung auswirken wird.

Die mobile Nutzung ist logischerweise stark abhängig von der Entwicklung der Datentarife der Mobilnetzanbieter.

NARM-Studie: Radio beeinflusst Music Discovery nach wie vor am meisten

Gerade veröffentlicht, zeigt eine Studie zur Entdeckung neuer Musik – und damit auch zum Kaufverhalten – unabhängig von der Altersgruppe ein deutliches Ergebnis. Das Radio, der traditionellste Weg der Musikdistribution, ist immer noch der Wichtigste, um neue Musik für sich zu entdecken.

Genaueres zeigen die auf Digital Music News präsentierten und der Studie entnommenen Balkendiagramme, die die Ergebnisse für zwei der fünf Konsumentengruppen darstellen, der “Committed” und der “Comfortable” Konsumenten:

“Committed” consumers are the youngest group, with a mean age of 32 (20 percent are age 13 to 17; 42 percent are 18 to 35). They represent 10 percent of all consumers who listened to or purchased music within the prior three months. “Committed” consumers also account for 46 percent of per-capita spending on music, and they are the most engaged consumers in the report.

Those in the “Comfortable” group make up 30 percent of musically active consumers and account for 15 percent of per-capita spending on music. With a mean age of 50, they are considered the mainstream segment.

Auch wenn aus den Angaben der von der Industrievereinigung NARM und The NPD Group in Auftrag gegebenen Studie nicht hervor geht, ob die Erhebung in einem rein amerikanischen oder doch weltweiten Rahmen durchgeführt wurde, wage ich zu vermuten, dass der Einfluss des Rundfunks zumindest in Deutschland mit seinen publikumsstarken Sendern womöglich noch stärker ist als die Studie zeigt.

Wie von der NARM zudem betont, gaben die Befragten an, dass es ihnen beim Hören der Musik via Radio jedoch an Informationen mangelt. Zwar erhalten sie die Möglichkeit, neue Musik für sich zu entdecken; eine entsprechende Abmoderation bleibt aber zu häufig aus. Es bleibt bei einer meist vertanen Chance, Umsätze für die Musikindustrie zu generieren:

“Now that we have these insights, the music industry can look at how to deliver to consumers the information they want about new music,” said Jim Donio, president of NARM. “We have identified several areas where we believe we can move the needle and convert that discovery to a retail experience of some kind. For example, people hear music they like, but because of lack of identification, they don’t learn the artist’s name or the song title, so they cannot seek out that track again – more promotion of song recognition apps and stressing the importance of back announcing could go a long way to improve that situation.”

Mit wenig Aufwand ließe sich diese Lücke schließen. Playlists der Sender fürs Web existieren häufig. Aufbereitet als Stream für mobile Endgeräte, möglichst mit direkter Kauf- oder Merkoption und adäquater Information zum Track könnte der Nachfrage bereits Rechnung getragen werden.

(Foto: S. Diddy; CC-Lizenz)

Vom schleichenden Ende des Vinyls

Frank Krings (Frankfurter Buchmesse) über Vinyl:

Was spricht dann heute noch für das Vinyl? Ästhetik, Distinktion und Besitzerstolz. Während mp3s unsichtbar sind und kaum jemand seiner CD-Sammlung einen großen Platz im Wohnzimmer einräumt, sind Platten-Sammlungen mit schönen Covern ein echter Hingucker. So wie halt auch ein mit Tintenfeder und Wachs-Siegel handgefertigter Brief jeder Email ästhetisch überlegen ist und ihren Besitzer adelt. Ich kenne Wohnungen in denen ausgewählte Plattencover auf Regalen ausgestellt sind. Leider hat keiner ihrer Besitzer noch einen Plattenspieler um das Vinyl auch hören zu können. Soviel zur Relevanz von Trägermedien, die nur noch “ästhetisch” relevant sind.

Und zum Thema “Besitz” sagte der Vinyl-Traditionalist Eddie Piller in der Arte-Doku “Vinyl-Mania”: “Du besitzt einfach nichts, wenn du einen Download kaufst.” Ok, und wer jetzt neuerdings seine Lieblingsmusik via Streaming hört … der besitzt noch nicht einmal den Download-File! Aber geht es heute wirklich noch darum, Musik zu besitzen? Oder zählt nicht vielmehr der einfache, preiswerte und überall verfügbare Zugang zur Musik? Und zwar auf dem Medium, das ich gerade zur Hand habe?

Was das mit der Printbuch vs E-Book-Diskussion zu tun hat, muss jeder selbst entscheiden. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Ästhetik, Distinktion und Besitzerstolz das Papierbuch retten werden.

Ich glaube, dass für die heranwachsenden Generationen, zumindest für den musikinteressierten Teil unter ihnen, visualisierbare Hörgewohnheiten von Last.fm bis Facebook das Vinyl-Regal als Distinktionsgrundlage ersetzen. Mit dem Vinyl-Regal lassen sich auch keine verteilbaren Playlists erstellen.

Vinyl wird auch weiter noch lang einen Zweck erfüllen: als Souvenir. Aber diese Bedeutung sinkt beständig. (Spätestens wenn das letzte Vinyl-Presswerk kaputte Einzelteile hat, für die es keine Ersatzmöglichkeiten mehr gibt, wird auch Vinyl vorbei sein. Aber das nur am Rande.)

Für viele Musiker ist die GEMA ein Verlustgeschäft

Im Rahmen der aktuellen Diskussion bin ich auf folgenden Kommentar eines Users auf Telepolis gestossen:

Der gemeine Nachwuchsurheber schreibt seine Songs und ihm ist klar, dass WENN die Songs Erfolg hätten, er praktisch gar nicht kontrollieren kann, ob irgendwo gegen das Urheberrecht verstoßen wird.

Also GLAUBT er, die GEMA könne dabei helfen, indem sie bei allen zumindest öffentlichen Verwertungen im größeren Rahmen natürlich Inkasso macht, was für den Urheber dann ein kleines Zusatzgeschäft darstellt.

Mir ging es damals nicht anders.

Ist man in dem Laden dann drin, lernt man Folgendes:

- man hat einen Knebelvertrag unterschrieben, der einen mindestens für 6 Jahre verpflichtet, Gebühren zu entrichten und alle Werke zwangsläufig anzumelden.

- Für seine eigenen musikalischen Veröffentlichungen tritt man selbst als Urheber in Vorleistung, bekommt aber das Geld nur zu ca. 70% wieder zurück.

- Die Auszahlung der GEMA-Ausschüttung zieht sich über viele Monate und die Abrechnung ist vollkommen undurchsichtig.

Der Nutzen für 98% aller Urheber dieses Landes geht gegen Null bzw. ist eine Verlustrechnung.

Das sind auch die Erfahrungen, die ich von GEMA-Mitgliedern gehört habe. Besonders der letzte Punkt ist wichtig: Es werden wohl nicht ganz 98 Prozent sein, aber für die Mehrheit der GEMA-Mitglieder ist ihre Mitgliedschaft tatsächlich ein Verlustgeschäft. (Man muss nicht Verschwörungstheoretiker sein, um in der immer wieder angeprangerten Intransparenz der GEMA ein bewusstes Verschleiern der bestehenden Verhältnisse zu sehen, die gegen den aktuellen GEMA-Verteilungsschlüssel und den grundsätzlichen Aufbau und Arbeitsablauf der GEMA sprechen.)

Das Problem mit einer in der Branche so fest verwurzelten Institution wie der GEMA geht allerdings noch weiter als im Kommentar angesprochen:

Die meisten Musiker haben gar keine andere Wahl, als Mitglied in der GEMA zu werden, selbst wenn sie das vielleicht gar nicht wollen: Deutsche Presswerke weigern sich, CDs oder Vinyl zu pressen, bis vom Label nachgewiesen wurde, dass alle auf dem Werk vertretenen Künstler GEMA-Mitglieder sind und die Aufnahme entsprechend bei der GEMA gemeldet ist.

Hier sorgt die GEMA-Vermutung de facto für einen Mitgliedschaftszwang.

Interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich, dass gerade der Rückgang des Tonträgergeschäfts dafür sorgt, dass nachwachsende Musiker diesen Zwang immer weniger verspüren.

Die aktuelle Debatte um Events mit CC-Musik und die GEMA-Vermutung ist ein erstes Symptom dieses Wandels, der allerdings für viele Beteiligte noch schmerzhaft(er) werden wird.

Update: Eine weiterführende Diskussion zum Thema hat sich auf Google+ ergeben.

Update2: Der VUT hat einige Antworten von Pressewerken zu diesem Thema eingeholt und in den Kommentaren auf Google+ veröffentlicht. Alle angefragten Pressewerke haben eine wie im Artikel beschriebene Praktik verneint. Es scheint also nicht so verbreitet zu sein, wie ursprünglich im Artikel vermutet.

Das Musikformat der Zukunft? Die Playlist.

Am Rande der Popkomm habe ich eine interessante Unterhaltung geführt. Mein Gesprächspartner berichtete von einer Paneldiskussion, in der ein Teilnehmer die unbeantwortete Frage in den Raum stellte, wie das Musikformat nach dem Album aussehen wird. Albumverkäufe sind eher rückläufig und und werden von Singles und Einzeltrackdownloads zunehmend abgelöst. Das ist wenig verwunderlich: Warum sollten die Musikfans noch starre Bündel an Musikstücken akzeptieren, oft mit 2 Killern und 8 Fillern? Im Käufermarkt Internet hat der Kunde die Macht. Dementsprechend fallen die lukrativen und deswegen für ihn oft weniger attraktiven Produktbündel auseinander. Was tritt an die Stelle des Albums?

Meine Antwort: Die Playlist. Irgendjemand stellt irgendwo eine Reihenfolge für das Abspielen von Songs auf. Und das oft nicht nur für sich allein: Spotify-Playlists werden bereits heute auf Sites wie sharemyplaylists.com unter Nutzern geteilt. Playlists ersetzen die Alben und die Mixtapes. Man kann sogar sagen, dass das Album eine Playlist ist, die vom Musiker vorgeschlagen wird. Ob On-Demand-Streaming-Dienst oder iPod: Diese Playlist lässt sich heutzutage leichter als in Vinyl-Zeiten abändern. Das gute alte Mixtape dagegen war, wenn wir bei unserer Playlistifizierung der Begriffe bleiben, die erste Playlist von Musikfans für Musikfans.Die heutige viel flexiblere Playlist ist der neue musikalische Kontext für Musikstücke.

Die Implikationen sind vielfältig. Labels können mit dem Erstellen von attraktiven Playlisten auf Webdiensten die Zugänglichkeit ihrer Musik erheblich erhöhen. Ein Dienst wie Spotify könnte aber auch, entsprechenden Erfolg vorausgesetzt, ein stärkeres Monopol aufbauen, als es iTunes jemals geschafft hat.

Längst gibt es deshalb bereits erste Versuche, den Musikkonsum rund um die Playlist neu und plattformagnostisch zu denken. Die unter Open Source veröffentlichte Musikplayersoftware Tomahawk (Review hier) arbeitet vor allem mit Playlists. Man kann Playlists von Webdiensten importieren oder neue Playlists erstellen, die dann mithilfe der eigenen Musiksammlung und der von Freunden abgespielt werden kann. Tomahawk führt lokal und Cloud zusammen, überbrückt Dienste, die den Nutzer bei sich einsperren wollen und hält das alles mit Hilfe der Playlist zusammen; und zeigt gleichzeitig damit zaghaft auf, wohin die Zukunft des Musikkonsums gehen kann.

Und das einzelne Musikstück? Das verliert auch an Bedeutung, während Remixe, Mashups und Coverversionen von Fans immer weiter zunehmen und die Anzahl der Variationen explodieren lassen. Die Musik selbst wird zunehmend fließend. Aber das ist ein Thema für eine andere Ausgabe.

Dieser Artikel ist leicht redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier:

In der Cloud werden die Massen keine Musikdateien mehr benötigen

Fred Wilson, der mit Union Square Ventures unter anderem in SoundCloud und Turntable.fm investiert hat, beschreibt seine Erfahrungen mit Musikkonsum in der Cloud:

I was in DJ Woooo’s Dance/Electro Turntable room last week. I heard a remix track that was super fun. I hit the button to send the track to Rdio. I went to Rdio and listened to it a few times. Then I went to SoundCloud, found the track and then reblogged it into Tumblr. Not once in that experience did I have to touch a file. If Turntable and Rdio had good links into SoundCloud (I’m sure they will in time), I would not even have had to do any searching. It would have been click this, click that, click this and I would have been done. That’s how I think things are going to work when everything is in the cloud.

So oder so ähnlich wird es bald (10+ Jahre) für die Mehrzahl der Musikkonsumenten aussehen.

Das wird aber nicht für alle so sein. Wer professionell mit Musik arbeitet, Produzenten, Musiker, DJs, etc., wird weiter auf lokal abgespeicherte Dateien setzen wollen und müssen. Denn nur so hat man den uneingeschränkten und sicheren Zugriff auf die Musik.

Der Punkt ist aber: Für die Mehrheit wird die Cloud vollkommen ausreichen.

Björk fordert Hacker zur Portierung ihres App-Albums “Biophilia” auf

Dass Björk ein ganzes Album als App-Sammlung gestaltet, in der jede App einen Song repräsentiert, ist mittlerweile hinlänglich bekannt.

Der innovative Schritt hin zu einem völlig neuen Song-Container, einer Mutter-App, ist mehr als zeitgemäß, eher konsequent – schließlich gibt es für fast alles eine App, wie wir wissen. Andererseits beschreibt Scott Snibbe, der Lead Developer des Teams um Björk, dies gerade als einen Schritt zurück.

[..] if you look at what the app offers an artist, it’s what music offered people before recording. It’s actually the primordial experience of music.

Recorded music that is delivered to your home, and you just listen passively, is a new invention in the 20th century. Before vinyl records, sheet music was the music delivery platform. That was the app of the 19th century.

You’d get this app, which was the sheet music, and then you’d play it with your family — you’d play it longer, you’d play it shorter, you’d change the words, you’d laugh — that’s what we’re going for. I think what we’re doing is maybe old-fashioned, rather than new: making music interactive again. It’s letting people have their own personal experience with the album and even change it to experience it fresh every time they play with it.

Das Album gilt als totgesagt, und es ist die Wiederbelebung eines alten Konzepts. Mancherorts wird gar thematisiert, ob und inwiefern die Notwendigkeit des genauen Hinhörens und Hinschauens dem Erfolg entweder im Wege steht… oder der intensiven Beschäftigung mit Musik Vorschub leistet. Etwas, das leider auch mit Peter Gabriels Xplora1 seinerzeit nicht wirklich geglückt ist. Nicht bei allen Konsumentengruppen. Bei weitem nicht.

Äußerst spannend und mindestens ebenso innovativ wie Björk’s App-Album Biophilia sind nun die letzten Äußerungen von ihr im Interview mit Drowned in Sound. Denn, manch Android nutzender Björk-Fan wird von dem Fakt der ausschließlichen Verfügbarkeit auf iOS bitter enttäuscht gewesen sein.

Der Lösungsansatz von Björk erinnert an Trent Reznor, der (anonym) seinen Fans hoch qualitatives, Broadcast-fähiges Material zum Erstellen eines eigenen Films zur Verfügung gestellt hat. Björk hat mit ihren Entwicklern nach eigener Aussage für gut portierbaren Code gesorgt. Die eigentliche Adaption und Ausführung dieser Aufgabe überlässt sie jedoch wieder der Crowd, genauer: den Piraten und Hackern. Im Interview sagt Björk:

“I’m not supposed to say this, probably, [..] but I’m trusting that the pirates out there won’t tie their hands behind their back.”

She added that compatibility was an issue her app designers had been made aware of:

“That’s why we really made sure when we wrote all the programs that they will transfer to other systems.”

Und wieder wird sie ihrem Anspruch gerecht. Ein Maximum an Interaktivität zu erreichen, nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit dem Code, dem technologischen Bestandteil ihrer Kunst. Theoretisch ist dies nicht nur eine indirekte Aufforderung zur Portierung, sondern zur Weiterentwicklung der Apps.

Interessant in Sachen Portierung wäre es, wenn neben nativen Android-, Windows- oder Blackberry-Varianten insbesondere auch HTML5 in Erscheinung treten würde. Damit wären die Hardware-Grenzen zumindest aufgeweicht.

44 der Top100 der Facebook-Pages sind von Musikern

Musik als Social-Media-Magnet:

The usual top artists like Eminem and Lady Gaga are near the top of the list, but go just a little futher down and you’ll find some more surprising stats. Bob Marley at 17 on the Top 100 Facebook Likes chart, but Nirvana comes in down at 100 followed by Queen at 101.

Auch die absoluten Zahlen sind bemerkenswert. Eminem kommt auf Platz 3 auf über 34 Millionen Like, sprich über 34 Millionen Menschen können von Eminem über Facebook angesprochen werden. Lady Gaga erreicht auf Platz 4 über 33 Millionen Menschen.

Das unterstreicht noch einmal, wie wichtig Facebook-Pages für Musiker sind. Offensichtlich wollen viele Fans mit Musikern bevorzugt über Facebook in Kontakt bleiben.

Die komplette Liste findet man bei AppData.

Revolution des Musikzugangs durch kreative Verknüpfung von Webdiensten

Programmierschnittstellen sind Möglichkeiten für Entwickler, bei ihren Angeboten auf andere Dienste aufzusetzen. Programierschnittstellen oder APIs sind in der Software-Welt weit verbreitet. Bill Gates sagte einmal, dass Windows 2000 über 6000 APIs bereitstellt. Auch im Internet gewinnen Schnittstellen zunehmend an Bedeutung. Facebooks weltweiter Aufstieg wäre ohne die APIs, welche die Plattform ermöglichten, nicht möglich gewesen. Auf die Twitter-API setzen Tausende von unterschiedlichen Applikationen auf.

Interessant wird es, wenn Entwickler kreativ unterschiedliche Webdienste miteinander verbinden oder bestehenden Webdiensten mit ihrer eigenen Applikation etwa eine neue Oberfläche verpassen, und im Idealfall damit einen Gewinn für alle schaffen.
Die Kreativität vieler Entwickler kennt dabei scheinbar keine Grenzen.

Auf youarelistening.to wird Ambientmusik mit Polizeifunk aus verschiedenen auswählbaren Städten wie etwa LA oder Montreal verbunden. Das Ergebnis ist eine leicht surreale aber passende Melange. Youtubedisko.de verpasst dem populären Videodienst eine einfache Mischpult-Oberfläche: Videos können gesammelt und dann mittels Crossfader in einander übergeblendet werden.

Normalisr ‘normalisiert’ die persönlichen last.fm-Charts: Last.fm listet Musikstücke anhand der Häufigkeit, mit der man diese angehört hat. Hört man ein Album mit vielen kurzen Stücken, wird der Künstler automatisch höher in den Charts stehen als Künstler mit längeren Stücken – obwohl man vielleicht die gleiche Zeit mit der Musik des Zweiten verbrachtet hat. Normalisr nimmt die Last.fm-Daten und gleicht sie mit den Musikdaten von MusicBrainz ab: et voila, aussagekräftigere persönliche Charts.

TuneGlue bietet eine grafische Darstellung der Beziehungen zwischen Musikern auf der Grundlage der last.fm-API und der API von Amazon.co.uk. MusicPortl nutzt mehrere APIs von unter anderem Flickr, Amazon, Last.fm, YouTube, MusicBrainz, um umfassende Übersichten über Musiker zu erstellen.
Besonders die API von Last.fm hat sich als beliebt herausgestellt, um damit Mashups im Musikbereich umzusetzen.

Eine Web-Schnittstelle aus Deutschland, die zunehmend populär wird, ist die API von SoundCloud. SoundCloud kann mittlerweile unzählige Applikationen verzeichnen, die auf die API zugreifen, wie etwa die Browser-Erweiterung ExtensionFM, die das Web in eine Musikbibliothek verwandelt.

Weitere Mashups von Musikdiensten findet man auch im zugehörigen Verzeichnis von Programmable Web.

Links:
youarelistening.to
www.youtubedisco.de
normalisr.com
audiomap.tuneglue.net
www.musicportl.com/
www.programmableweb.com/tag/music

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Dieser Artikel ist leicht redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

Facebook hilft beim Konzertticketverkauf

Wer Konzerttickets online verkauft, ist gut beraten, Facebook mit einzubeziehen und etwa das Verbreiten über Facebook zu erleichtern oder gar zu befördern:

Facebook said Wednesday that every time a user posted on their news feed that they bought a ticket from TicketMaster, friends spent an additional $5.30 on TicketMaster (presumably for the same event). At Eventbrite, a social site for selling tickets to lesser known events, every link shared on Facebook generated $2.52 in ticket sales, Facebook said.

Studie: Musikstreaming-Boom in den nächsten 5 Jahren

Eine Studie von ABI Research kommt zu dem Schluss, dass Musikstreaming-Dienste in den nächsten fünf Jahren dank zunehmender Verbreitung von internetfähigen Mobiltelefonen enorm wachsen werden:

Bereits für Ende 2011 kalkuliert ABI Research, dass weltweit 5,9 Millionen Menschen einen bezahlten Zugang zu einem Musikstreaming-Dienst via Handy unterhalten werden.

Bis zum Jahr 2016 soll dieser Wert um den Faktor 27 auf 161 Millionen Nutzer ansteigen. Die Wachstumsrate pro Jahr läge somit bei etwa 95 Prozent.

Ob die grundsätzliche technische Möglichkeit für das Ansteigen des Marktvolumens auch tatsächlich zum prognostizierten Wachstum führt, ist allerdings offen:

Ubiquity of smartphones doesn’t guarantee raised awareness of subscription services as we’ve learned from the success of the iPhone. While it surely provided services with a boost in consumer interest and new subscribers, the iPhone didn’t help establish a market leader. Currently, a majority of the population has little to no knowledge that subscription music even exists.

That, and due to the recent news that an “Apple Tax” may be issued for in-app signups, it matters precisely what smartphone provider becomes the dominate brand. If Apple becomes a market leader and does decide to hold strong on its 30% tax on subscribers it helped services obtain, that may hinder, not accelerate the boom in subscriptions, because it will force prices to keep rising.

Zusätzlich könnten vorsichtige Rechteinhaber wie etwa Majorlabels bewusst Teile ihrer Kataloge von Streaming-Angeboten fern halten, um die höheren Margen von digitalen Downloads nicht zu kannibalisieren. Ein strategischer Trugschluss, dessen Eintreten allerdings mehr als wahrscheinlichist.

Thus, when ABI Research predicts that prices will fall by 2016, due to major label intervention, it’s likely that they’re wrong. Apple may force a price hike and the labels may too, and if not a price hike, similar to the way movie studios treat Netflix, labels may begin withholding content to drive sales of digital downloads.

If enough new music isn’t present on subscription services, consumers won’t be interested.

Bis auf wenige Ausnahmen wachsen aktuell alle bekannteren Musikstreaming-Angebote.

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Weitere Studien zur Entwicklung des Musikbusiness.

Infografik: YouTube dominiert Musikwebsites, fast alle wachsen

Schöne Infografik über die Verteilung des Nutzungsvolumen von Musikdiensten in den USA auf der Grundlage von Zahlen von Compete:

2010musicmapwide 960x255

Die deutschen Zahlen dürften nicht sehr stark variieren. (Pandora fällt neben MOG, Vevo und anderen raus. Dafür spielt Simfy eine große Rolle hierzulande.)

Nicht nur dominiert YouTube den Musik(video)-Markt. Auch sieht man schön, wie groß das nur in den USA verfügbare Pandora ist.

Bis auf einige wenige Dienste in rot (hier besonders interessant: MOG und Blip.fm), sind alle Dienste 2010 gewachsen, was mit der Farbe Grün sichtbar gemacht wurde.

SoundCloud wuchs nach Compete-Zahlen 2010 um 851 Prozent.

Auch interessant: Zumindest in den USA hat Grooveshark mehr Zugriffe als Last.fm laut Compete.

Zu MySpace:

It was unrealistic to accurately quantify MySpace Music this year* but if you remember from last year MySpace Music was in the same ballpark as Pandora. MySpace’s Imeem acquisition came to life, but, still, I can’t imagine they saw positive growth in 2010 since visits to MySpace proper declined 77% in 2010 according to Compete.

Hier noch eine Detailansicht ohne YouTube und Pandora:

2010map-2

2010 Music Website Heat Map

Crowdfunding 2010

Der folgende Artikel ist in der Februar-Ausgabe des Musikmarkt erschienen. Erst nach Abgabe des Textes ist mir aufgefallen, dass ich ausgerechnet die deutsche Crowdfunding-Plattform Sellaband vergessen hatte zu erwähnen.

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kickstarter-bleuAuf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter haben 2010 über 1.140 Musik-Projekte ihre Finanzierung erfolgreich abschließen können.

Crowdfunding ist ein verhältnismäßig neues Phänomen, das sich aktuell anschickt, Wellen zu schlagen. Auf einer Crowdfunding-Plattform können interessierte Macher – Musiker, Kreative, Startup-Gründer – ihre Projekte vorstellen und um finanzielle Unterstützung werben. Unterstützer können Fans, Brüder im Geiste oder potentielle Kunden der künftigen Startups sein. Wird die vom Projektmacher benötigte Summe im vorgegebenen Zeitrahmen, der meist um die 30 Tage beträgt, erreicht, findet die Crowd-Finanzierung statt. Die anonyme Masse wird zum Fremdkapitalgeber.

Auf diesem Weg haben 2010 über 1.140 Musiker verschiedenste Projekte von den Ausgaben für CDs und Verpackung über professionelle Musikaufnahmen bis hin zur kompletten Albumproduktion über Kickstarter erfolgreich finanziert. Aber was erhalten dabei die im Vorfeld zahlenden Fans? Je nachdem, wie viel der einzelne Fan bereit ist zu geben, kann er vom T-Shirt oder dem Album bis hin zur signierten LP oder einem Abendessen mit dem Musiker die verschiedensten Dinge zurückerhalten. Was der Fan für wie viel bekommt, bestimmen die Musiker selbst.
Die Kunst für die Musiker liegt damit also auch darin, den potentiellen kapitalgebenden Fans nicht nur das Projekt sondern auch die einzelnen persönlichen Dankeschöns schmackhaft zu machen.

Der Singer-Songwriter Bleu etwa kochte Drei-Gänge-Menüs für seine Unterstützer oder spielte in deren Wohnzimmern. Mit Erfolg: Statt der geforderten 8.000 US-Dollar erhielt er insgesamt 39.000.

Über diese neue Form der Finanzierung können auch ungewöhnliche, anders kaum tragfähige Musik-Projekte gefördert werden. Musopen lässt Orchester klassische Musikstücke aufnehmen und stellt diese Aufnahmen anschließend gemeinfrei zur Verfügung. Über Kickstarter wollte man dafür 11.000 US-Dollar einsammeln. Musopen erhielt am Ende stattdessen über 68.000 US-Dollar.

Mit Kickstarter vergleichbare deutsche Plattformen sind Startnext und mySherpas. Wie bei Kickstarter wird auch auf diesen Plattformen die Summe erst ausgezahlt, wenn die vorgegebene Höhe auch erreicht wurde.Während Startnext sich auf kulturelle und kreative Projekte beschränkt, steht mySherpas jeder Art von Projekten offen.

Mehr Informationen zum Thema:
Kickstarter: www.kickstarter.com/
Musopen: http://www.musopen.org/
Startnext: http://startnext.de/home.html
mySherpas: http://www.mysherpas.com/

Youzakk: Dem Publikum angemessene Musik dank Foursquare, Hunch und Spotify

Youzakk ist ein Dienst, der heute für die Meisten aufgrund der geringen Verbreitung der eingesetzten Dienste weniger nützlich sein dürfte, der aber aufzeigt, wo die Reise hingehen kann:

Der Dienst identifiziert die auf einer Party anwesenden Gäste anhand deren Foursquare-Checkins am Partyort, ermittelt ihren Musikgeschmack anhand ihrer Hunch-Profile und gibt dann eine zum Publikumsgeschmack passende Spotify-Playlist aus.

Schönes Beispiel, wie das Zusammenwirken unterschiedlichster Dienste intelligent genutzt werden kann, um ein sinnvolles Ergebnis zu produzieren. Alle gewinnen:

If this approach takes hold (and really, why wouldn’t it?), people who choose to make their location details available on services like Foursquare and track their listening habits on services like Last.fm and Facebook will exert more control on their surroundings than those who prefer to stay off the grid.

Ultimately, venues and DJs have another reason to use Youzakk or something like it, in addition to keeping customers happy: Attendees will probably be more likely to check-in if they know that doing so will bend the music to their taste, thus raising the visibility of the venue or DJ.

Chart des Tages: Der Tod der Tonträgerindustrie

Business Insider verweist auf eine interessante, wenn auch nicht mehr ganz taufrische Grafik auf Basis von Zahlen der RIAA, die aktuell im Netz die Runde macht:

chart-des-tages

Verschiedene Anmerkungen dazu:

Natürlich zeigen die Zahlen nicht die Entwicklung der gesamten Musikbranche sondern lediglich der Tonträgerindustrie. Bekanntlich wächst der Gesamtumsatz der Musikbranche in Ländern wie Norwegen, Schweden, UK und USA.

Es fehlen hier für eine Betrachtung der gesamten Branchenentwicklung also Zahlen wie etwa die Entwicklung der Konzerteinnahmen.

“Digital” erfasst nur die Einnahmen über Downloads, nicht die über Streaming-Dienste. Generell scheinen “Digital”-Zahlen ‘unterrepräsentiert’ zu sein, wie dieser Kommentar andeutet. Angesichts der Quelle der Zahlen wäre das nicht verwunderlich.

Es wird schön sichtbar, was für eine immense Cash Cow die CD für die Tonträgerindustrie war.

Bleibt die Entwicklung bestehen, wird die CD in diesem Jahrzehnt ihr Ende als (für die Branche im Massenabsatz signifikanter) Tonträger finden.

Die Labels haben in der Post-Napster-Dekade mehr verdient als in den 70ern und 80ern. Auch ein bemerkenswertes Detail, betrachtet man die öffentlichen Debatten.

Auf jeden Fall zeigt der Chart noch einmal, dass die unter anderem durch den Wiederverkauf der Backkataloge ermöglichte CD-Blase der Neunziger NICHT die Messlatte für die Tonträgerindustrie sein kann:

Regardless, as the chart indicates, it may not make much sense to use the height of the compact disc era (fueled in part by fans replacing LPs and cassettes with CDs) as the main reference point for determining the health of today’s music industry — especially when YouTube reports a 200- to 300-percent increase in its payouts to record labels during 2010.

Update: Eben fällt mir auf, dass die Grafik wahrscheinlich nicht inflationsbereinigt ist, was einige der Aussagen wieder relativiert.

Siehe auch:

The Economist: Der Musikbranche geht es gut

The Economist über die Musikbranche:

concert-ticket-salesEinnahmen über Live-Auftritte steigen:

The longest, loudest boom is in live music. Between 1999 and 2009 concert-ticket sales in America tripled in value, from $1.5 billion to $4.6 billion (see chart 1).

Vor allem Ticket-Preise sind gestiegen:

It is not that more people are going to concerts. Rather, they are paying more to get in. In 1996 a ticket to one of America’s top 100 concert tours cost $25.81, according to Pollstar, a research firm that tracks the market. If prices had increased in line with inflation, the average ticket would have cost $35.30 last year. In fact it cost $62.57.

Auch B2B und andere Erlösquellen wie Sponsoring sind auf dem Vormarsch:

The Rolling Stones (again) led the way in recruiting tour sponsors, from Sprint, a phone company, to Ameriquest, which sold mortgages. Sponsorship can lead to musicians wearing a company’s clothes and naming songs after it: Rascall Flatts, a country music band, has done both for American Living, a label carried by JCPenney. IEG, a firm that tracks the market, estimates that the value of tour sponsorships in North America will reach $1.74 billion this year, up from $1.38 billion in 2006.

Ähnliche Zahlen und Trends hatten wir anhand von diversen Studien hier bereits. Praxis und Theorie decken sich zunehmend auf bemerkenswerte Weise.

Wie so oft, ein lesenswerter Artikel im Economist.

(via netzpolitik.org)

Nielsen: Verkauf digitaler Singles stagniert in USA

Sicher etwas, das mittelfristig nicht auf die USA beschränkt bleiben wird: Die Marktforscher von Nielsen berichten, dass der Verkauf von digitalen Singles stagniert und auch gemeinsam mit dem Verkauf von digitalen Alben steigt der Umsatz mit dem Verkauf digitaler Musik lediglich um fünf Prozent:

According to research group Nielsen, digital sales for single track downloads were flat in the U.S. market after a 13 percent increase from 2008 to 2009 and 28 percent growth from 2007 to 2008.

When combined with the growth in digital album sales, overall digital music sales were up over 5 percent in the U.S.

Das sind keine guten Aussichten für den Verkauf digitaler Musik, allerdings ist die Entwicklung auch nicht überraschend.

Der steigende Gesamtumsatz der Musikbranche in diversen Ländern kommt nicht vom Verkauf von Dateien, sondern aus anderen Quellen.

(via Techdirt)

Gesamtumsatz der Musikbranche wächst in Norwegen, Schweden, UK und USA

Eben hatte ich bereits auf Studien hingewiesen, die zeigen, dass der Gesamtumsatz der Musikbranche in UK und Norwegen gestiegen ist (in letzterem Land sogar mit einem 114-prozentigen Umsatzanstieg von 1999-2009 direkt bei den Künstlern).

Die Studie aus Norwegen findet man hier. Die für UK findet man hier (PDF).

Über Techdirt bin ich jetzt auf zwei weitere Studien gestossen, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Eine Studie aus Schweden (PDF) zeigt ein ähnliches Bild auf wie die Studien aus Norwegen und UK. Die Einnahmen von Musikaufnahmen fallen, aber die Steigerungen der anderen Erlösströme fangen das insgesamt wieder auf:

Schweden-Studie

Wie in Norwegen sind auch in Schweden die Einnahmen der Musiker gestiegen:

schweden-studie2

Eine Harvard-Studie hat sich mit dem gesamten Kreativsektor in den USA (im verlinkten Artikel eingebettet und dort auch herunterladbar) beschäftigt:

Data on the supply of new works are consistent with our argument that file sharing did not discourage authors and publishers. The publication of new books rose by 66% over the 2002-2007 period. Since 2000, the annual release of new music albums has more than doubled, and worldwide feature film production is up by more than 30% since 2003. At the same time, empirical research in file sharing documents that consumer welfare increased substantially due to the new technology.

[..]

While file sharing disrupted some traditional business models in the creative industries, foremost in music, in our reading of the evidence there is little to suggest that the new technology has discouraged artistic production. Weaker copyright protection, it seems, has benefited society.

[..]

The decline in music sales — they fell by 15% from 1997 to 2007 — is the focus of much discussion. However, adding in concerts alone shows the industry has grown by 5% over this period. If we also consider the sale of iPods as a revenue stream, the industry is now 66% larger than in 1997.

Das heißt, von 1997 bis 2007 ist der Gesamtumsatz der Musikbranche in den USA um fünf Prozent gestiegen.

Michael Geist hat auch eine Zusammenfassung veröffentlicht, als die Studie noch im Entwurf-Stadium war:

The paper takes on several longstanding myths about the economic effects of file sharing, noting that many downloaded songs do not represent a lost sale, some mashups may increase the market for the original work, and the entertainment industry can still steer consumer attention to particular artists (which results in more sales and downloads).

Für viele Laien dürften die Erkenntnisse aus den Studien überraschend kommen. Tatsächlich sind sie aber gar nicht so überraschend, wenn man sich klar macht, dass Filesharing eher Komplementärgüter bereitstellt und keine Substitute (was natürlich auch geschäftsmodellabhängig ist). Techdirt zitiert aus dem US-Paper:

One of the key points that the paper makes is that many people have difficulty (especially beforehand) in recognizing whether certain products are substitutes or complements. If products substitute for others (i.e., downloads take away from sales), then a market can be harmed. However, if the products are actually complements (i.e., more content boosts other parts of the market), then a market can actually be helped. The detailed research that Oberholzer-Gee and Strumpf go through clearly shows (pretty unequivocally) that file sharing is a complementary good that has massively boosted many different ancillary markets, and created a fantastic consumer surplus without actually decreasing output. In fact, quite to the contrary, as noted above, creative output has risen at a dramatic pace.

Eines dürften die Studien aus den verschiedenen Ländern klar machen: Den sich nicht anpassenden Plattenlabeln mag es schlechter gehen, dem Musiksektor insgesamt geht es dagegen gut. Natürlich geht der Wandel nicht an jedem in der Branche ohne Spuren vorüber. Aber insgesamt sehen die Zahlen besser aus, als oft in der Öffentlichkeit suggeriert wird.