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Relaunch von Jamendo enttäuscht Musiker

In den Kommentaren zu unserem Artikel über den Relaunch der CC-Musikplattform Jamendo äußerten sich Leser ausgesprochen kritisch zu der Entwicklung der Plattform.

Leser ‚Geri G‘ schreibt:

Der Relaunch war bislang ein Flop. Künstler und User sind enttäuscht, Die hochpolierte Optik kann inhaltliche Schwachstellen und systematische Verschlechterungen nicht ausgleichen. die früher lebhafte und kreative Community wurde quasi zwangsaufgelöst Foren sind noch? nicht integriert, Freundeslisten existieren nicht mehr, Rezensionen für Alben sind nicht mehr möglich, nur noch für Einzeltracks Die hochgelobte Suchfunktion liefert zur Zeit noch fragwürdige Ergebnisse, man muss genau wissen was oder wen man sucht und hat doch keine Garantie es zu finden Neue Musik zu finden wird durch die eingeschränkten Listenfunktionen erschwert. Leichten Zugriff hat man vor allem auf diejenigen, die schon seit Jahren erfolgreich sind. Sicher hat das den Vorteil, dass der teilweise beträchtliche musikalische Müll in den Tiefen versinkt, aber aussichtsreiche Chancen für neue Talente neue Hörer zu finden … das war einmal!

Jamendo hatte unter den CC-Seiten ein Alleinstellungsmerkmal. Das wurde aufgegeben, sie reihen sich in die Masse gleichförmiger Musikhoster ein. Vielleicht der Anfang vom Ende? Auf jeden Fall das Resultat der Ignoranz von Website-Programmierern gegenüber ihrem Publikum!

Er verweist auch auf einige Supportseiten und Foren:

https://getsatisfaction.com/jamendo/problems/common

https://www.facebook.com/groups/275324579225508/?bookmark_t=group

https://www.facebook.com/groups/jamcommunity

Auch Leser ‚michi‘ zeigt sich enttäuscht:

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen – auch für langjährige und erfolgreiche Jamendo-Künstler ist der Relaunch ein absolutes Desaster. Unsere Downloads reduzierten sich von durchschnittlich 70 Album-Downloads täglich letzte Woche auf – festhalten! – 0 Downloads jeweils in den letzten vier Tagen. Jamendo wurde ja schon oft todgesagt, aber jetzt schaut es wirklich düster aus :(

 

Jamendo hat einen Relaunch bekommen

Jamendo, die Plattform für CC-lizenzierte Musik, hat einen Relaunch spendiert bekommen. Aus der Pressemitteilung:

Die Neugestaltungen sind unter anderem neue Top Listen, thematische Selektionen zum Entdecken von guter Musik, 10 neue Radios, eine neue Suchmaschine und ein neuer Player zum Abspielen und Anhören von Musik ohne Unterbrechung, die Sie mit Freunden teilen können.

Laut eigenen Ausgaben kann man auf Jamendo über 350.000 CC-lizenzierte Musikstücke finden.

Musiker können Jamendo PRO nutzen, um ihre Musik kommerziell zu lizenzieren. Jamendo kann hierfür auf 12.000 Kunden laut eigenen Aussagen verweisen. Die Einnahmen werden 50/50 mit den Künstlern geteilt.

Jamendo und restorm.com kooperieren für alternatives Lizenzierungsmodell

Wie Jamendo und restorm.com per Pressemitteilung am 1. bzw. 3. Februar bekannt gaben, haben beide Unternehmen während der Midem eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Kooperation scheint nicht nur von rein strategischem Charakter zu sein:

„Das Ziel ist eine ist eine langfristige Kooperation und Bündelung der Ressourcen.“

Jamendo, mit mehr als 300.000 Werken die umfangreichste Plattform für unter Creative Commons lizenzierte Inhalte, macht damit einen wichtigen Schritt. Nachdem Jamendo nach einem ersten Hype erst durch die Übernahme eines Großteils der Anteile durch das französische Unternehmen MusicMatic gerettet werden konnte, wurde es zunächst still um das Luxemburger Unternehmen. In 2011 begannen gezielte Marketing-Maßnahmen (LeWeb’11, all2gethernow) dann Wirkung zu zeigen – fortgesetzt in 2012 mit dem Sponsoring der Midem.

restorm, auf neumusik.com zunächst teils positiv, teils kritisch bewertet, ist – basierend auf einem Gespräch mit Philippe Perreaux (CEO restorm.com) im September letzten Jahres – auf einem sich konsolidierenden Weg, auch (oder gerade) in internationalem Kontext.

Die Mitteilung der beiden Unternehmen kommt vor dem Hintergrund der letzten Stellungnahme der GEMA (neumusik.com berichtete) zum Thema einer möglichen Integration von durch Creative Commons lizenzierte Inhalte zu einem interessanten und passenden Zeitpunkt.

Die Kooperation von Unternehmen, die auf die Lizenzierung oder das Download-Angebot von frei lizenzierten Werken spezialisiert sind, könnte der richtige Weg sein, um eine höhere Aufmerksamkeit für ihr alternatives Angebot zu generieren.

Im gleichen Zusammenhang ist die Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons zu sehen (C3S) – durchaus ein potenzieller und wichtiger Anknüpfungspunkt für Jamendo, restorm.com et al. Denn eine zweite Verwertungsgesellschaft für Musik in Deutschland könnte den hiesigen Markt öffnen bzw. den Zugang erleichtern:

Aus dem Gesetz über die Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Urheberrechtswahrnehmungsgesetz):

§ 13c Vermutung der Sachbefugnis

(1) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Auskunftsanspruch geltend, der nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden kann, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt.

(2) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Vergütungsanspruch nach §§ 27, 54 Abs. 1, § 54c Abs. 1, § 77 Abs. 2, § 85 Abs. 4, § 94 Abs. 4 oder § 137l Abs. 5 des Urheberrechtsgesetzes geltend, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt. Sind mehr als eine Verwertungsgesellschaft zur Geltendmachung des Anspruchs berechtigt, so gilt die Vermutung nur, wenn der Anspruch von allen berechtigten Verwertungsgesellschaften gemeinsam geltend gemacht wird. Soweit die Verwertungsgesellschaft Zahlungen auch für die Berechtigten erhält, deren Rechte sie nicht wahrnimmt, hat sie den zur Zahlung Verpflichteten von den Vergütungsansprüchen dieser Berechtigten freizustellen.

Quelle: Website des Bundesministeriums der Justiz, juris, abgerufen am 30.12.2011

[Hervorhebung hinzugefügt durch den Autor des Beitrags]

Obwohl bislang wenig in Erscheinung getreten, und aufgrund der noch sehr rudimentären Web-Präsenz sogar teilweise als nicht mehr aktiv betrachtet, wird in Kürze auf neumusik.com mehr zur C3S erfahren sein.

(Wolfgang Senges ist Mitbegründer der C3S, einer Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons)

Jamendo: Fehler im Customer Relationship Management

Logo JamendoLange hörte man nichts oder zumindest wenig von der viel versprechenden Creative-Commons-Plattform Jamendo. Die letzte Meldung, die durch die Öffentlichkeit ging, war die Übernahme durch den französischen Service MusicMatic im April 2010. Damit verbunden übernahm MusicMatic-Geschäftsführer Alexandre Saboundjian zusätzlich die Position des CEO bei Jamendo. Auch das Unternehmen radionomy wird von ihm geleitet.

Die letzten Neuigkeiten sind alles andere als positiv. Die Jamendo-Foren laufen offenbar aus dem Ruder – abgesehen von Hinweisen auf einem anderen Portal konnte man in diversen Threads vor allem eines beobachten: mangelnde Moderation. Weitere Mängel des User-Managements sind offensichtlich: keine Kuratierung der Inhalte, fehlende Unterstützung in Form eines grundlegenden Artist-Marketings, und teilweise ursächlich dafür die schlechte Präsentation der Inhalte online.

Als Ergebnis dessen beginnen die ersten Künstler des 200.000 Titel umfassenden Services, die Plattform zu verlassen. Auslöser war eine Vertragsumstellung für den kommerziellen JamendoPro-Dienst, der die Lizenzierung der Inhalte erlaubt. Ca. 90.000 Tracks sind von den Artists derzeit explizit zur kommerziellen Nutzung frei gegeben.

Der neue Vertrag hätte nach Aussage eines Forenmitglieds nicht nur zu einer einjährigen Bindung geführt (zuvor war die Kündigung jederzeit möglich) – der eklatante Fehler Jamendos bestand darin, den Zugang zum eigenen Profil eines jeden Users zu sperren, bis dem neuen Vertrag zugestimmt worden wäre. Ein vorheriges Löschen des Accounts war damit nicht möglich.

[…] der Vorwurf der Rechtswidrigkeit bezog sich nich (sic!) darauf, daß man sich für ein Jahr verpflichten muß, wenn man dem Kom.Prog. [Anm. d. Red.: „kommerziellen Programm“] beitreten MÖCHTE, sondern daß wir den neuen Vertrag vor die Nase gesetzt bekamen, der uns erst wieder NACH Beitritt zu den Kom.Progs. den Zugang zu unsereren Profilen und Daten ermöglichen sollte. D.h. wir sollten erstmal alle in diese Programme.“ [Zitat: Foren-User U.L.I., Hervorhebung im Original]

Mittlerweile wurden die Profile wieder geöffnet. Es bleibt abzuwarten, ob die Nutzer mit der durchaus hinnehmbaren 12-monatigen Bindung leben können, oder ob die bereits gesammelten negativen Erfahrungen den Ausschlag geben. Es wäre schade um die Möglichkeiten, die Jamendo bieten könnte.

restorm: Das „Rightclearing“ im Detail – kommerzielle CC-Nutzung ohne BY?

Gestern haben wir auf neumusik.com restorm vorgestellt. Hier folgt nun der dort angekündigte Artikel zum „Rightclearing“ – was darf man erwarten, wie sinnvoll ist es?

Das Interessante am Rightclearing ist, neben der Berücksichtigung von Verwertungsgesellschaften und Creative Commons innerhalb eines Angebots, der One-Stop-Service. Dazu CEO Philippe Perreaux in der NZZ Online:

Der Künstler kann Preise und erlaubte Nutzungsformen selber bestimmen, die nachfolgenden Lizenzverträge werden automatisch generiert – ohne Anwaltskosten und für alle Beteiligten einfach verständlich. Künftig wird sich das System auch für andere Werkarten wie Fotografien einsetzen lassen.

Zwar sind die Tarife Jamendos bei weitem übersichtlicher als die der GEMA (ca. 80-90 verschiedene Tarife), jedoch immer noch relativ komplex. Während Inhalte aus den Katalogen der Verwertungsgesellschaften (VGs) bei restorm direkt über die VG abgerechnet werden, bietet restorm für unter Creative Commons (CC) lizenzierte Inhalte weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten der wenigen Tarife durch den Künstler. Entscheidet sich der Lizenznehmer für den Kauf einer Lizenz, wird der Vertrag als PDF generiert und an beide Vertragspartner geschickt.

Der Ablauf für den Urheber ist denkbar einfach: Vor dem Upload erfolgt per Formular die Abfrage, ob der Künstler Mitglied einer VG ist oder nicht. Ist er es, bleibt als Option nur die Verrechnung über die VG. Andernfalls sind die Lizenzierungsoptionen Creative Commons und sogar Public Domain möglich. Die Einverständniserklärung zum Rightclearing – also der potenzielle Verkauf einer Lizenz – wird vom Urheber per Klick auf einen Radio-Button bestätigt. Dies entspricht der Option unter Jamendo, die es Künstlern ermöglicht, am JamendoPro-Programm teilzunehmen.

Gewisse Themen und Anwendungsbereiche (Gewalt, Politik, Pornographie, Religion) können auf Wunsch eingeschränkt lizenzfähig sein oder von einer Lizenzierung ausgeschlossen werden. Ähnliches gilt für die neun verschiedenen Nutzungsformen wie Audio Werbung, Computerspiele, Film & TV etc. Ich möchte bereits jetzt voraussagen, dass die Zahl der Nutzungsformen und möglichen Ausnahmen steigen wird. Denn hier liegt das Problem, dem Tarife grundsätzlich und im speziellen Creative-Commons-Lizenzen unterworfen sind: Gerade die Formulierung des erlaubten kommerziellen Einsatzes im Rahmen einer Lizenz bedarf meistens der Anpassung der Lizenz oder zumindest der Rückfrage – womit die Komplexität steigt. Nicht zuletzt liegt darin aufgrund der juristischen Unkenntnis der Urheber auch eine potenzielle Gefahrenquelle.

Als verwendbare Lizenzen im Creative-Commons-Bereich stehen letztlich eine „Basislizenz“ oder eine „erweiterte Lizenz“ zur Verfügung. Die Basislizenz ist eine CC BY-NC Lizenz und kann daher kommerziell nicht verwendet werden; nur zu nicht-kommerziellen Zwecken und unter Namensnennung der Urheberinformationen. Änderungen am Werk sind jedoch möglich – ob es sich um eine Share-Alike-Lizenz handelt, konnte ich der Dokumentation nicht entnehmen. Die erweiterte Lizenz kann im Gegensatz dazu kommerziell verwendet werden. Interessanterweise wird hier ein Grundelement der CC-Lizenzen kurzerhand durch die Einwilligung des Künstlers in das Rightclearing-Verfahren ausgehebelt: Eine Namensnennung bei der kommerziellen Verwendung ist nicht notwendig:

Die erweiterte Lizenz beinhaltet zusätzlich die Rechte, das Werk kommerziell und ohne Namensnennung zu nutzen. Und ist dementsprechend teurer.

Zwar kann theoretisch auch außerhalb von restorm jeder Urheber eines CC-Werks von diesem Recht Abstand nehmen – sinnvoll ist es jedoch nicht.

Die Preise für die jeweiligen Nutzungsformen können vom Urheber unterschiedlich festgelegt werden, wobei die erweiterte Lizenz hochpreisiger ist. Alternativ empfiehlt restorm drei Preispläne:

[..] Wir haben für euch drei Preispläne vorkonfiguriert, die den allgemeinen Standard wiedergeben. Falls du dich mit dem Verkauf von Musiklizenzen noch keine Erfahrung gemacht hast, empfehlen wir dir, den auszuwählen, der auf deine Band zutrifft.

Tiefes Preisniveau: Für lokal bekannte Künstler
Normales Preisniveau: Für national bekannte Künstler
Hohes Preisniveau: Für international bekannte Künstler

Natürlich steht es dir auch frei, sämtliche Preise selber zu bestimmen. Nur solltest du auch hier vorsichtig sein, wenn du nicht potentielle (sic!) Kunden abschrecken willst.

Bei Projekten mit einem Budget jenseits von 10.000 € werden die Lizenzkosten prozentual definiert (vom Künstler). Die Abgabe an restorm (Commission Fee) beträgt 10%. Ob eine lineare prozentuale Berechnung sowohl der Lizenzkosten als auch der Commission Fee Sinn macht, sei dahin gestellt – in der Regel sollte meines Erachtens bei einer Vertriebsbeteiligung der prozentuale Anteil bei niedrigeren Einnahmen prozentual eher höher liegen und mit steigendem Projektwert prozentual sinken – zumindest ein maximaler Wert sollte als Schwelle fixiert sein.

Das Rightclearing kann ein absolutes Highlight werden, braucht aber noch Nachpolitur. Zudem: Bislang stehen 2.000 Tracks zur kommerziellen Lizenzierung zur Verfügung. Bei Jamendo 90.000. Und auch das ist – nach Herausfilterung der qualitativ nicht hinreichenden Inhalte – nicht ausreichend für eine Nutzung im professionellen Lizenzierungsumfeld. Denn Music Supervisors, die „Casting-Agenturen der Musik“,  sind nicht zuletzt privat durch kommerzielle Download-Stores ein anderes und erheblich umfangreicheres Repertoire gewöhnt.