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Wie Eminem und andere Musiker von Labeln beim Onlinevertrieb betrogen wurden

heise berichtet über den nun beigelegten Rechtsstreit zwischen Eminem und Universal:

Wieviel Eminem bekommt, bleibt geheim. Universal will vermeiden, dass ein Präjudiz geschaffen wird. Denn es läuft eine ganze Reihe ähnlicher Klagen anderer Musiker gegen verschiedene Label. Die bis Anfang des Jahrtausends üblichen Verträge sehen für Lizenzeinnahmen eine höhere Beteiligung der Urheber vor als bei Verkäufen. Den Vertrieb von MP3-Dateien und Klingeltönen behandelten die Labels allerdings rechtswidriger Weise nicht als Lizenzgeschäft, sondern als Verkauf.

Die rechtswidrige Behandlung des MP3-Datei-Vertriebs als Verkauf ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass die Labels einen Weiterverkauf ‚gebrauchter‘ MP3-Dateien untersagen wollen, wie unter anderem der Fall ReDigi zeigt. Wie so oft machen sich die Majorlabels die Welt so wie sie ihnen gefällt.

Die Unverschämtheit der Majorlabels und hier konkret von Universal scheint keine Grenzen zu kennen:

Dabei machten sie sogar die bei physischen Tonträgern üblichen Abzüge geltend, etwa für „Verpackungskosten“ oder Urheberrechtsabgaben für „mechanische Vervielfältigung“. Selbst das aus Zeiten der Schellackplatten stammende Pauschale für auf dem Vertriebsweg zerbrochene Tonträger fehlte nicht.

(via Leander Wattig)

UMG bezahlt Künstler nicht, wird verklagt, verlangt, dass Versicherung bezahlt

Ein ‚innovatives‘ Geschäftsmodell, das die Universal Music Group da gefunden hat:

Universal bezahlt Künstler nicht. Universal wird von Künstlern verklagt. Universal muss zahlen. Universal glaubt, dafür muss die Versicherung aufkommen.

Techdirt:

it turns out that Universal Music Group actually seems to think that its insurance company should be paying the $14.4 million it owes (UMG’s share of the $45 million). It’s now suing its insurance company for refusing to pay. If you think about it for a second, you realize just how insane this claim is. Basically, Universal Music is claiming that it can simply not pay any royalties at all, then wait to get sued… and if it loses and has to pay, it believes its insurance company has to foot the bill. Now there’s a business model!

Musiker und Konferenzen: Braucht der Markt neue Ziele oder weniger Belehrung?

Im Rahmen des Future Music Camps, von dem wir bereits berichteten, stellten Andrea Goetzke und ich für die all2gethernow ein neues Format vor: #a2n_CONNECT. Die Workshops dieser Reihe werden gemeinsam mit Partnerkonferenzen durchgeführt und in Veranstaltungen wie das Future Music Camp, die c’n’b in Köln und den Reeperbahn Campus integriert. Die a2n verlässt damit die regionalen Grenzen Berlins und nutzt mit ihren Partnern die entstehenden Synergien.

Einzelheiten zum geplanten Inhalt des Workshops „Technologie in DIY/DIT – Wie groß ist der Nutzen?“ stehen in der Facebook-Gruppe des FMC oder für Nicht-Gruppenmitglieder unter ContentSphere.de (PDF) bereit.

Als interessant stellte sich die Themenentwicklung unserer Gesprächsrunde mit den Gästen Steffen Holly (Aupeo!), Stefan Peter Roos (Proud Sourcing), Stephan Baumann (DFKI) und Christoph Landes (Übernoise / freier Mitarbeiter Sony) im regen Austausch mit dem Publikum heraus.

War das Ziel zunächst, insbesondere vom User digitaler Tools – d.h. vom Musiker oder seinem Team-Mitglied – in Erfahrung zu bringen, wo die Schwächen der Tools liegen und wo der Wertschöpfungsprozess nicht ausreichend durch Technologie unterstützt wird, zeigte sich ein deutlich anderes Interesse beim Publikum.

Das eigentliche, gemeinsame Interesse gilt (immer noch) den Fragen:

  • Welche Möglichkeiten habe ich als Musiker, um Bekanntheit zu erreichen?
  • Welche Strategie ist die Vielversprechendste?

… und für die weitaus meisten:

  • Wie erhalte ich einen Label-Deal?

Dieses Ergebnis entspricht nicht nur der allgemeinen Tendenz des BarCamp-Teils des FMC, innerhalb dessen nur Social-Media-Themen und strategisch orientierte Fragestellungen mehr als 20 Interessenten während der Themenvorstellung fanden. Die aus den Erkenntnissen des a2n_CONNECT-Workshops heraus von Peter Esser (Audiomagnet) entwickelte Session exakt zu Fragen der Social-Media- und Online-Marketing-Strategie fand gar 50 Interessierte.

Dies unterstreicht einerseits den Nachholbedarf, andererseits die Orientierungslosigkeit der Künstler und Bands, die ihren ersten Meilenstein in Form von 1.000 zahlenden Fans erreichen möchten (die tatsächlich notwendige Zahl im jeweiligen Kontext sei dahin gestellt). Die hohe Bewertung des Label-Deals aber, den laut einer Studie von ReverbNation und Digital Music News ca. 75% aller internationalen Artists als oberstes Ziel anstreben, zeigt einen deutlichen Hinweis darauf, weshalb innovative Musikkonferenzformate von Musikern eher gemieden werden:

Warum sollte ich eine Veranstaltung besuchen, die meine Ziele in Frage stellt?

[Anmerkung: Der Autor ist Mitglied und Kurator der all2gethernow (a2n).]

Labels doch nicht die Dinosaurier der Musikbranche?

Der Guardan fasst Erkenntnisse aus dem MusicTank Report ‚Remake, Remodel: The Evolution of the Record Label‘ zusammen:

 

Sponsorship deals are more important than ever. The Black Eyed Peas have done deals with dozens of brands including, Pepsi, Blackberry and Honda while bands like Girls Aloud have endorsed everything from Sunsilk hair products to Kit Kats.

 

* Investment is under strain and some bands are looking for alternative funding sources. Madness signed a deal with Power Amp who took a share of profits while the band maintained their copyright. But labels remained the primary investors.

Der Report wurde unter anderem vom ehemaligen EMI-UK/Irland-CEO Tony Wadsworth verfasst. Wadsworth machte gegenüber dem Guardian auch eine interessante Aussage zu Google Music:

„The key thing is that labels are now at a size they can sustain. As digital models – like a Google music offering – gain real scale I think we will start to see business increase. There is big digital business to come into play and we are not quite there yet.“

Der Forester-Analyst Mark Mulligan fasst die Situation der Labels gut zusammen:

„Each of the major digital music players, Apple, Amazon and Google have made it clear that they think labels are being unflexible and Spotify still cannot launch in the US because of wrangling over licensing,“ he said. „The record labels are at the start of a very long journey, but they have only taken a couple of steps and they are not walking quickly enough,“ he said.

Meine Prognose angesichts des heutigen Verhaltens der Majorlabels: In zehn Jahren gibt es nur noch ein großes Majorlabel, das in der kommenden Dekade über mehrere unterschiedliche Wege die Backkataloge und die verbliebenen Organisationseinheiten der anderen erhalten haben wird.

Warner Music will EMIs Tonträgerbereich für 750 Mio. US-Dollar kaufen

Warner Music Group plant, EMI ein Übernahmeangebot für den Tonträgerbereich EMI Recorded Music in Höhe von 750 Mio. US-Dollar zu unterbreiten:

Warner Music is contemplating a $750m (£470m) bid for EMI’s recorded music division. Wall Street sources say it could be lodged with EMI’s owner, private equity group Terra Firma, within weeks.

Während der Finanzinvestor Terra Firma angeblich nicht verkaufen will, ist die Citigroup an einem Verkauf interessiert. Eine verlorene Klage von Terra Firma gegen Citigroup bezüglich des Kaufpreises von EMI seinerzeit scheint die Machtverhältnisse bei dem Majorlabel zugunsten der Citigroup zu verändern.

Guardian:

Analysts say the only way [Terra Firma-Chef Guy Hands] can resist Citigroup’s plan to take over EMI would be if Terra Firma’s investors continue to pump money into the company. EMI is expected to breach its covenants again in March, but Terra Firma investors, who have seen the value of their equity investment in EMI wiped out, may be reluctant to intercede.

Had Hands won the US court case, he could have used the proceeds to buttress EMI’s financial position. The group has lost more than £2bn in the past two years, and the value of the music company has more than halved since Hands paid £4.2bn for it three years ago.

EMI macht Verluste in Höhe von 512 Mio. Pfund, benötigt Kapital

emi-logoEMI hat im zurückliegenden Geschäftsjahr Verluste in Höhe von 512 Millionen Pfund gemacht. Hypebot fasst die Pressemitteilung zusammen:

EBITDA before restructuring up 14% to £334 million (5.5% at constant currency)
Operating cashflow up 55% to £250 million
Revenues up to £1.65 billion
Operating pre-tax profit* reaches £121 million (2009: £7 million)
Both EMI Music and EMI Music Publishing contribute to improvement in operating performance
Net loss (after restructuring costs and fair value adjustments) reduced by two thirds to £512 million

EMI benötigt zum Überleben Kapital von außen. Focus:

Nachdem die Eigentümer der Private-Equity-Gruppe Terra Firma bereits zu Jahresbeginn mit 105 Millionen Pfund (130 Millionen Euro) aushelfen mussten, kündigte das Management am Mittwoch an, es bedürfe weiterer 26,5 Millionen Pfund noch in diesem Jahr. Das Geld werde gebraucht, um Anforderungen Hauptgläubigers, der US-Bank Citigroup, zu erfüllen.

Digitale Einkünfte weist EMI nicht aus, wie Paid Content berichtet:

EMI again isn’t detailing how much money it’s making from digital in latest earnings, but it is saying estimates for digital growth were too high and labels must ween themselves off iTunes Store…

[..]

Even after a recent emergency refinancing, EMI still has £3 billion debt outstanding. It warns it will fall short of banking covenants until 2015. But full-year financials show company fundamentals doing slightly better now…

Sales from the Recorded Music division (ie. people buying music) are up 6.5 percent, and from the Music Publishing division are up 2.1 percent.