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Eine ziellose Popkomm taumelt in’s Nichts

„Die Popkomm sucht die Zukunft im Netz – und ist eine Nummer kleiner geworden.“ schreibt euphemistisch heise/dpa.

Vielleicht sind die Räumlichkeiten im Tempelhof in Berlin zu weitläufig aber die diesjährige Popkomm sieht leer aus. Die Aussteller sind von 470 auf 400 geschrumpft. Auch Besucher scheinen weniger geworden zu sein.

Schlimmer noch:  In vielen Gesprächen hört man immer wieder das Gleiche: „Das ist die letzte Popkomm, auf die ich fahre.“ „Was soll ich eigentlich hier?“ „Das bringt mir nichts (mehr).“ Ich habe bis jetzt noch keinen getroffen, der die diesjährige Popkomm bis jetzt gut fand und nicht Teil des Organisationsteams war.

Die erste All2gethernow 2009 war eine unerwartete Reaktion auf den sensationellen PR-Stunt von Dieter Gorny, die Popkomm mit dem Grund abzusagen, die Musikindustrie könne sie sich nicht mehr leisten. Filesharing war schuld, klar.

2010 fand die Popkomm wieder statt. (Filesharing war endlich besiegt.) Im Rahmen der neuen Berlin Music Week wurde sie mit der All2gethernow in die gleichen Räume im Tempelhof gelegt. Popkomm die Messe, All2gethernow die Konferenz.

Aus Gründen hat sich die All2gethernow 2011 wieder von der Popkomm abgekoppelt. Die Popkomm hat nun versucht, das mit der Media_Gate, einer Konferenz zum digitalen Musikbusiness (auf der ich gestern ein Panel moderiert habe), zu kompensieren.

Ich hatte geplant, über die dort besprochenen Themen hier ausführlich zu bloggen, weil viele Vertreter internationaler und deutscher Musik-Startups eingeladen waren. Bis jetzt ist hier kein Artikel dazu erschienen. Warum? Weil der Informationsgehalt der Panels fast immer praktisch erschreckend gering bis nicht vorhanden war. Die gestrigen Panels waren meist mit 6 oder mehr Teilnehmern plus Moderator besetzt. Dieser Umstand gemischt mit schlechtem Englisch auf dem Panel ergibt ein eher ermüdendes Programm für das Publikum.

Das Publikum wiederrum war in dem mittelgroßen Raum, der letztes Jahr von der All2gethernow bespielt wurde, aber ohnehin nicht sehr zahlreich.

Generell wird deutlich, dass die Media_Gate-Konferenz kaum mehr als ein Feigenblatt für die Popkomm ist. ‚Schaut her. Wir kümmern uns um das, was im Internet passiert!‘

Ich möchte das noch einmal explizit aufschreiben: Die Popkomm macht eine Konferenz zum digitalen Musikbusiness. Panels und Keynotes in einem mittelgroßen Raum und Workshops in einem kleinen Raum. Und beide Räume sind zu besten Zeiten maximal bis zur Hälfte gefüllt.

Das soll das größte und wichtigste Branchentreffen der Musikbranche in Deutschland sein?

Meine Prognose: Wenn die Popkomm an ihrem aktuellen Konzept festhält, wird spätestens nächstes Jahr eine Popkomm mit katastrophalen Besucherzahlen die letzte werden. Das wird dann bestimmt wieder am Filesharing liegen.

Frühere Beiträge zum Thema:

jamii: Musiker können ihre Fans anrufen

Das in Berlin sitzende Startup jamii hat sich auf der Popkomm Media_Gate vorgestellt.

Mit jamii können Künstler über eine feste Telefonnummer ihre Fans erreichen. Der Musiker ruft jamii an, nimmt seine Mitteilung an die Fans auf. Anschließend wird die Message von jamii an alle Fans geschickt. Da jeder Musiker seine eigene Rufnummer bei jamii bekommt, können die Fans ihr Idol zu ihren Kontakten hinzufügen und auch ihr/ihm über das Telefon (und im Hintergrund damit über die Plattform) Nachrichten zukommen lassen.

jamii ist also praktisch eine Art Anrufbeantworter für Musiker und Fans.

jamii richtet sich an Musiker, die Fans mobil erreichen wollen, welche keine Smartphones besitzen. Das funktioniert sicher besser in Entwicklungsländern als in den USA oder Deutschland.

jamiis Idee ist interessant, ist aber letzlich eine Brückentechnologie: Mit jedem neuen Smartphone-Besitzer sinkt das Publikum für jamii. In ein paar Jahren wird jedes neu verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone sein.

Was eine ‚Krücke‘ wie jamii vielleicht am besten zeigt, ist, wie einfach das Web und das zunehmend wichtiger werdende mobile Web es für Musiker und Fans machen, in gegenseitigen Kontakt auf vielfältigste Art zu treten. Ein Geschenk der Technologie, das viele in der Musikbranche gern vergessen.

neumusik.com auf der Popkomm 2011

Diese Woche steht ganz im Zeichen der Popkomm.

Die dpa fasst es vielleicht am besten zusammen:

Die Messe hat sich in den vergangenen Jahren vom Event zur überschaubaren Kontaktbörse gewandelt. Sie richtet sich diesmal wieder allein an Fachbesucher, also etwa an Vertreter von Internet-Firmen, Plattenlabels, Konzertagenturen und Musikverlagen.

Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft, bewies bei seiner Eröffnungsrede Sinn für Humor:

n seiner Eröffnungsrede erklärte Hans-Joachim Otto , dass die Popkomm für neue Trends in der Musikwirtschaft stehe. Aufgabe des Staates sei es, vernünftige Rahmenbedingungen für die Branche zu schaffen. Dabei setzt Otto auf unternehmerische Freiheit statt staatlicher Überreglementierung. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!“ und Piraterie kein Kavaliersdelikt, betonte er.

Ich werde heute von 16:55 bis 17:40 Uhr ein Panel zum Thema „Social Commerce“/’Geld verdienen im Social Web‘ moderieren.

Wolfgang Senges wird morgen mit Matthias Glatschke von Songpier um 11 Uhr einen Workshop mit dem Thema „Easy, Free & Efficient. Cross-OS Mobile Promotion With Songpier“ machen.

Sowohl ich als auch Wolfgang werden zumindest heute und morgen auf der Popkomm sein.

Wer möchte, kann uns gern kontaktieren, um sich mit uns zu treffen.

Email-Adressen:

wolfgangsenges@neumusik.com

marcelweiss@neumusik.com