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Spotify und SoundCloud: Webmusik wird endlich sozial

Anlässlich des neuen einbettbaren Follow-Buttons von Spotify soll hier noch ein Text zu Spotify und SoundCloud nachgereicht werden, den ich Anfang des Jahres für den Musikmarkt geschrieben habe. Was Spotify und SoundCloud machen, ist extrem wichtig, zeigen sie doch die (soziale) Zukunft des digitalen Musikbusiness auf. 

Wer sich eine Weile im Web bewegt und das eine oder andere Social Network benutzt, wird irgendwann Gemeinsamkeiten bei den Diensten feststellen. Da wäre etwa der Newsfeed, wie ihn Facebook populär gemacht hat. Statt die Profile der Freunde nach Neuigkeiten absurfen zu müssen, sieht man bequem in einer chronologischen, mittlerweile zusätzlich mittels Algorithmus gewichteten, Ansicht, was es neues gibt. Oder der Retweet. Mit einem Klick (und je nach App einem Bestätigungsklick) lassen sich die Tweets der anderen in die eigene Timeline und den eigenen Followern anzeigen. Auch Follower, wie sie Twitter eingeführt hat, sieht man überall im Web: Pinterest, Tumblr, mittlerweile auch Facebook und andere haben das Follower-Prinzip ebenfalls eingeführt oder basieren darauf.

2010 habe ich diese Elemente unter dem Begriff des ‚Social-Web-Patterns‘ zusammengefasst: Der Feed als die Anzeige der Aktivitäten, eine Ein-Klick-Geste, die das Verbreiten von Informationen auf dem Dienst unter den Nutzern vereinfacht und Verknüpfungen mit anderen Diensten. Ende 2012 halten diese Elemente nun Einzug bei den großen Musikdiensten im Web. SoundCloud setzte bereits von Anfang an auf das asymmetrische Follower-Prinzip. Mit der neuen Version führt SoundCloud nun mit der „Repost“-Funktion die eigene Variante des Retweets ein. Wenn einer Nutzerin ein Song gefällt, kann sie ihn mit einem Klick über das eigene Profil verbreiten. Ihre SoundCloud-Follower sehen anschließend den weiterverteilten Song in ihrem SoundCloud-Newsfeed, wenn sie das nächste mal reinschauen. Die Bedeutung dieser Neuerung ist kaum zu überschätzen. Tweets auf Twitter können, bei Breaking News etwa, in wenigen Stunden auf Zehntausende Retweets kommen und damit potentiell von Millionen Menschen gesehen werden. Ähnliches gilt nun für die Verbreitung von Musik auf SoundCloud.

Auch Spotify wird sozialer: Der populäre Streamingdienst hat Anfang Dezember 2012 seine Version des Follower-Prinzips vorgestellt. Künftig wird man Freunden und Musikern, also jeder Nutzerin, die man interessant findet, auf Spotify folgen können. So kann man dann künftig sehen, was die Lieblingsmusikerin auf Spotify anhört oder welche Playlists sie anlegt. Besonders die populären Stars bekommen damit auf Spotify eine neue, interessante Art, ihre Fans zu erreichen.

SoundClouds neue Version ist bereits live. Spotify führt seine in den nächsten Tagen und Wochen ein. Beide zeigen, wo die Musikreise im Social Web hingeht.


Anontune, das Napster des Streamings?

Anonymous, das Kollektiv anonymer Internetnutzer, das von Scientology über Visa bis Sony bereits sehr vielen großen Organisationen das Fürchten gelehrt hat, hat ein neues Ziel auserkoren: Musikstreaming.

Statt Angriff auf die bestehenden Dienste will Anonymous mit einer eigenen Entwicklung On-Demand-Streaming von Musik revolutionieren. Warum? Weil die Streamingwelt dank notwendiger Lizenzen fragmentiert ist. Anonymous will das mit Anontune ändern. Anontune ist eine Streamingplattform, die an das Konzept des Desktopplayers Tomahawk erinnert. Die Freeware Tomahawk scannt die lokale Bibliothek und erlaubt das Erstellen von Playlists aus lokalen Titeln, SoundCloud, Spotify, YouTube und anderen Diensten.

Anonymous setzt dagegen auf eine Webapp, die allein im Browser läuft. Anontune greift auf andere Webdienste wie YouTube und SoundCloud zu, wo die Musik liegt. Anonyme Anontune-Nutzer können dann mit dieser Musik Playlists erstellen und teilen. Künftig sollen als Quellen sehr viele Webdienste von MySpace bis Bandcamp hinzukommen.

Die Pläne für AnonTune sind hochgesteckt: Wenn das Konzept aufgeht, sollen Ansätze wie Pandoras Music Genome Project mit Dingen wie einer Sentimentanalyse von Musik auf das nächste Level gehoben werden. Es ist offensichtlich, dass hier ambitionierte Hacker am Werk sind.

Wo liegt das Problem bei Anontune? Die EFF-Anwältin Corynne McSherry drückt es gegenüber Wired so aus: Rechteinhaber werden sehr nervös werden, wenn Anontune erfolgreich sein sollte. Denn mit Anontune lassen sich keine Deals abschliessen. Auch ohne Kampfrethorik: Ein erfolgreiches Anontune könnte den Kontrollverlust der Labels noch beschleunigen. Diese können gar nichts dagegen machen: Die Tatsache, dass sie gesondert mit Spotify, Rdio oder Simfy verhandeln, führt zu einer für Musikkonsumenten verwirrenden Fragmentierung der Musikstreamingwelt. Diese Fragmentierung schreit dann förmlich nach einer Vereinheitlichung, wie sie Anontune anstrebt.

AnonTune ist noch in Entwicklung. Das Interface ist nicht hübsch und die Features nicht reichlich. Aber das kann und wird sich ändern. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten Jahren noch viel von Anontune hören werden, das das Napster des Streamingzeitalters werden könnte.

Dieser Text ist im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Texte findet man hier.

Sozialer Musikkonsum

Es ist 1985. Ich laufe durch die Stadt und höre Musik auf meinem Walkman. Ich höre Musik für mich. Für mich allein. Meine Freunde erfahren maximal später, was ich Tolles angehört habe, wenn ich mich dazu entscheide, ihnen davon zu erzählen.

2012. Ich laufe durch die Innenstadt und höre Musik auf meinem Smartphone mit einer mobilen App von einem On-Demand-Streaminganbieter wie Rdio, Deezer, Spotify oder Simfy. Dank Open Graph und ‘frictionless sharing’ werden die gehörten Songs in der Chronik von Facebook festgehalten. Wer von meinen Freunden in Facebook genau jetzt online ist, sieht den Song im Newsticker an der rechten Seite von Facebook. Dort taucht jedes Lied auf, das ich anhöre. Komplett angehörte Alben bekommen sogar einen Eintrag im zentralen Newsstream von Facebook. Also dort, wo die meisten meiner Freunde auf Facebook mitbekommen, was ich so treibe.

Die Musik, die ich anhöre, kann ich, wenn ich will, mitprotokollieren lassen und so meine Freunde ohne mein Zutun automatisch auf dem Laufenden halten. Das kennt man im Netz bereits: Last.fm hat das Protokollieren der gehörten Musik mit dem sogenannten Scrobbling vor einigen Jahren erfolgreich eingeführt. (Manche Dienste, wie etwa Rdio, können die Songs parallel zu Facebook und Last.fm schicken.)

Der große Unterschied bei den neuen Entwicklungen: Facebook hat weltweit 850 Millionen aktive Nutzer. Wer gehört wird, wird entdeckt. Die Chancen für die Verbreitung gerade für unbekanntere Acts sind enorm, und werden in der Debatte zur Bezahlung der Musiker durch die neuen Dienste oft ausgeblendet. Last.fm zeigte auch schon vor langer Zeit weitere Chancen auf, die mit dem Musikprotokoll einhergehen: Wer oft Bob Dylan hört, will eher wissen, wann Bob Dylan in der Stadt spielt als der der Welt größte Fan von Lady Gaga.

Dienste wie Rdio oder Spotify bieten ihren Nutzern zusätzlich die Möglichkeit, direkt anderen Nutzern zu folgen. So kann man sehen, was Freunde oft hören, welche Alben sie ihrer Sammlung hinzufügen oder sogar für’s Offlinehören auf der App ihres Mobiltelefons speichern. Zusätzlich gibt es auf den Streamingdiensten Accounts von Musikmagazinen, deren Empfehlungen so noch direktere Auswirkungen haben, weil sie dort stattfinden, wo man Musik hört.

Die Verbreitung der Hörgewohnheiten im eigenen sozialen Umfeld über Netzwerke wie Facebook oder direkt auf den Streamingdiensten ist auch etwas für das eigene Ego und die Reputation unter Freunden: In Zeiten der MP3 und des Streamings ist das die Nachfolge für das gut sortierte Plattenregal im Wohnzimmer.
Auch künftig werden wir uns weiter mit Freunden über Musik unterhalten. Die Anknüpfungspunkte aber sind sehr viel vielfältiger geworden. “Sag mal, du hast neulich das neue Album von der Band 08/15 drei Mal hintereinander gehört. Was war denn da los?”

Dieser Artikel ist redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

Radio neu gedacht: Gefolgschaften von Musikinteressen

Im Netz macht sich eine neue Art der Entdeckung von Musik breit: Man folgt anderen Menschen und bekommt von ihnen einen konstanten Fluss musikalischer Empfehlungen.

Musicplayr, das junge Startup aus Köln, das aktuell nach Berlin umzieht, bietet seinen Nutzern einen webbasierten Musikplayer an, in dem sich Musik über Links von YouTube, SoundCloud oder Musikblogs abspielen lassen. Musik, die online verfügbar ist, so das Ziel, soll auf Musicplayr gesammelt werden können. Wer jetzt Freunde auf Musicplayr hat, kann diesen über den Follow-Button folgen. Wie etwa beim Mikrobloggingdienst Twitter erfährt man nun nach dem Follow-Klick in einem Fluss aus Einträgen auf Musicplayr über die Aktivitäten des Freundes. Folgt man mehreren Freunden oder Menschen mit spannenden Musikinteressen auf Musicplayr, bekommt man als Ergebnis eine Art persönliches Radio: Die von den Kontakten verlinkte Musik lässt sich hintereinander anhören. Musicplayr ist aktuell noch in der Private Beta. Man kann es also nur nach Einladung benutzen.

Das bereits ein paar Jahre alte Blip.fm funktioniert ähnlich wie Musicplayr. Auf Blip.fm können Nutzer anderen folgen und Musik entweder aus der Blip-Datenbank oder über das Hinzufügen von auf anderen Websites gehosteten MP3s ihrem Musikfluss hinzufügen. Hier heißen die eigenen Kontakte bereits “Favorite DJs” und Blip.fm bezeichnet sich konsequenterweise als Radio.

Das Anfang Januar in Deutschland gestartete On-Demand-Streaming-Angebot Rdio bietet ebenfalls die Möglichkeit an, anderen Nutzern zu folgen. So kann man auf Rdio sehen, welche Musik die Freunde ihren Musiksammlungen auf Rdio hinzugefügt haben. Das ist auch eine neue Möglichkeit für Musikzeitschriften. Groove, das deutsche Magazin für elektronische Musik, hat einen Rdio-Account, dem man folgen kann und so direkt Musikempfehlungen auf dem Streaming-Dienst Rdio erhalten kann. Auch für Labels kann das interessant sein. Mute oder Ghostly International etwa sind bereits auf Rdio aktiv.

Die Hypemachine bringt dieses Prinzip zu Musikblogs. Es gibt weltweit viele Tausende, von Musikenthusiasten betriebene Blogs, auf denen sie von Jazz-Klassikern aus den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu den heißesten aktuellen Mashups oder Promo-Songs die ihrer Meinung nach besten Lieder ausgraben und veröffentlichen. Über die Hypemachine kann man einfach vielen Musikblogs folgen und in einem konstanten Fluss von Musik anhören, was die eigenen Lieblingsmusikblogger veröffentlichen.

All diesen Beispielen ist gemein, dass die Verfolgbarkeit von Musik, die von Freunden über Blogs bis Accounts von Musikmagazinen oder Labels gehen kann, die Entdeckung von Musik neu formt und damit auf eine mögliche Zukunft der Organisierung des Hörfunks hinweist.

Dieser Artikel ist redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

Wie entwickeln sich die Apps auf Spotify?

Im Dezember habe ich für Musikmarkt einen Überblick über die neue Plattform von Spotify geschrieben.

Mittlerweile können erste Bilanzen zu den Spotify-Apps gezogen werden. GigaOm berichtet erfreuliche Zahlen:

Moodagent’s app, which offers instant mood-based playlists, has seen about 500,000 unique visitors since its launch on Spotify, according to the company’s head of communications Casper Falbe, who also gave me the following tidbits: “More than 60% of the visitors keep coming back to use Moodagent, but what’s most impressive is that 43% of the users have been active making playlists more than 200 times each.”

Soundrop’s genre-based chat room app has seen a total of 265,590 unique visitors since December 20. “We’ve had almost 32700 tracks added, 2.4 million tracks played,” Soundrop representative Thomas Ford told me via email, adding: “Soundrop users have played music for a total of 7453 days, 5 hours, 47 minutes and 20 seconds.” He also said that retention has been very good, with 30 percent of all users coming back within one day and 50 percent coming back within two days.

ShareMyPlaylists.com has seen between 6,000 and 10,000 unique visitors per day for its Spotify app. “This has resulted in a 200% increase in new members to our site and a huge 400% increase in playlists uploaded to ShareMyPlaylists.com,” according to the company’s CEO Kieron Donoghue, who also credits Spotify as as being a big contributor to a major milestone: “This week we’ve hit 1 million playlist generated by our Playlist Generator,” Donoghue told me.

Hier der Musikmarkt-Text:

Spotify macht ein Facebook und wird zur Plattform für Apps

Das Social Network Facebook hat 2007 seine Webplattform für Applikationen von Dritten geöffnet. Nicht zuletzt dank der Öffnung zur Plattform wurde das Netzwerk erfolgreich. Auf und mit Facebook wurden Dinge wie etwas Spiele möglich, die bei Konkurrenten wie den VZ-Netzwerken noch lange Zeit fehlen sollten. Es ist mittlerweile auch im Web ein geflügeltes Wort: Wenn du im großen Stil erfolgreich sein willst, musst du zur Plattform werden.

Spotify, das vor wenigen Wochen in Österreich und der Schweiz gestartet ist, ist dem Plattform-Ruf nun ebenfalls gefolgt. Eine neue Welt des Experimentierens öffnet sich hiermit, weil viele kleinere Entwickler ohne ein solche Plattform nicht oder nur auf illegalem Wege Zugang zu Musik haben. Soundrop etwa bringt ein Gruppenerlebnis zu Spotify, das dem von Turntable.fm ähnelt. Guardian und Rolling Stone verbinden Musikreviews mit der besprochenen Musik in ihren Apps. Die App von Songkick zeigt Konzerte basierend darauf, wo man wohnt und welche Musik man auf Spotify hört. Billboard und andere bilden sofort anhörbare Charts in ihren Apps ab. Moodagent bietet Playlists für verschiedene Launen. Ein Entwickler plant eine App, die automatisch Gitarrenakkorde des gerade laufenden Songs anzeigt, sofern diese verfügbar sind.

Nicht alle sind begeistert von dem ersten zaghaften Schritt von Spotify in Richtung Plattform: Einige Beobachter bedauern, dass Spotify-Apps nichts anderes als Webapplikationen innerhalb eines sehr eingeschränkten Webbrowsers im Spotify-Client sein können. Auch hier lohnt sich aber wieder der Blick auf Facebook: Dieses hat 2007 mit seinem ersten Schritt Richtung Plattform das Gleiche gemacht: ‘Ihr dürft Apps bei uns bauen, aber sie finden nur auf unserer Seite statt’. Mittlerweile hat Facebook sein Angebot stark erweitert und auf Facebook aufsetzende Webapplikationen können auf Websites abseits von Facebook laufen. Die gleiche Entwicklung wird Spotify irgendwann gehen: Im Idealfall wird irgendwann jede Website, die mit Musik zu tun hat über eine Spotify-Verbindung diese auch direkt auf der Site abspielen können. Vorausgesetzt natürlich, die Labels, die ihre Tracks an Spotify lizenzieren, erlauben diese Entwicklung.

Spotify ist in der Entwicklung hin zur Plattform nicht allein: Der nur in den USA verfügbare Konkurrent Rdio hatte im März 2011 ebenfalls Programmierschnittstellen für Entwickler bereitgestellt. Während Rdio seine Entwickler am Erlös von neu abgeschlossenen Premiumkonten beteiligt, können Entwickler bei Spotify noch nichts verdienen. Die beiden Dienste werden nicht die letzten Musikentwicklungsplattformen im Netz sein, aber sie könnten die erfolgreichsten werden: Im Plattformgeschäft gewinnt, wer früh ein attraktives Gesamtangebot für Endnutzer und Entwickler bietet. Anschließend schaukeln die zwei Seiten sich gegenseitig hoch. Facebook, aber auch Apple oder Microsoft können ein Lied davon singen.

Weitere Musikmarkt-Kolumnen

Das Musikformat der Zukunft? Die Playlist.

Am Rande der Popkomm habe ich eine interessante Unterhaltung geführt. Mein Gesprächspartner berichtete von einer Paneldiskussion, in der ein Teilnehmer die unbeantwortete Frage in den Raum stellte, wie das Musikformat nach dem Album aussehen wird. Albumverkäufe sind eher rückläufig und und werden von Singles und Einzeltrackdownloads zunehmend abgelöst. Das ist wenig verwunderlich: Warum sollten die Musikfans noch starre Bündel an Musikstücken akzeptieren, oft mit 2 Killern und 8 Fillern? Im Käufermarkt Internet hat der Kunde die Macht. Dementsprechend fallen die lukrativen und deswegen für ihn oft weniger attraktiven Produktbündel auseinander. Was tritt an die Stelle des Albums?

Meine Antwort: Die Playlist. Irgendjemand stellt irgendwo eine Reihenfolge für das Abspielen von Songs auf. Und das oft nicht nur für sich allein: Spotify-Playlists werden bereits heute auf Sites wie sharemyplaylists.com unter Nutzern geteilt. Playlists ersetzen die Alben und die Mixtapes. Man kann sogar sagen, dass das Album eine Playlist ist, die vom Musiker vorgeschlagen wird. Ob On-Demand-Streaming-Dienst oder iPod: Diese Playlist lässt sich heutzutage leichter als in Vinyl-Zeiten abändern. Das gute alte Mixtape dagegen war, wenn wir bei unserer Playlistifizierung der Begriffe bleiben, die erste Playlist von Musikfans für Musikfans.Die heutige viel flexiblere Playlist ist der neue musikalische Kontext für Musikstücke.

Die Implikationen sind vielfältig. Labels können mit dem Erstellen von attraktiven Playlisten auf Webdiensten die Zugänglichkeit ihrer Musik erheblich erhöhen. Ein Dienst wie Spotify könnte aber auch, entsprechenden Erfolg vorausgesetzt, ein stärkeres Monopol aufbauen, als es iTunes jemals geschafft hat.

Längst gibt es deshalb bereits erste Versuche, den Musikkonsum rund um die Playlist neu und plattformagnostisch zu denken. Die unter Open Source veröffentlichte Musikplayersoftware Tomahawk (Review hier) arbeitet vor allem mit Playlists. Man kann Playlists von Webdiensten importieren oder neue Playlists erstellen, die dann mithilfe der eigenen Musiksammlung und der von Freunden abgespielt werden kann. Tomahawk führt lokal und Cloud zusammen, überbrückt Dienste, die den Nutzer bei sich einsperren wollen und hält das alles mit Hilfe der Playlist zusammen; und zeigt gleichzeitig damit zaghaft auf, wohin die Zukunft des Musikkonsums gehen kann.

Und das einzelne Musikstück? Das verliert auch an Bedeutung, während Remixe, Mashups und Coverversionen von Fans immer weiter zunehmen und die Anzahl der Variationen explodieren lassen. Die Musik selbst wird zunehmend fließend. Aber das ist ein Thema für eine andere Ausgabe.

Dieser Artikel ist leicht redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier:

Soundtracking: Die App für den Soundtrack des Lebens

moment-soundtrackingSoundtracking ist eine noch recht junge mobile Applikation für zunächst nur
das iPhone, die bereit für Furore sorgte: 250.000 Menschen hatten die
App innerhalb von zwei Wochen nach Erscheinen im April diesen Jahres
heruntergeladen.

Soundtracking vereint die besten Aspekte von Musiktagging, Musik entdecken und Musik teilen in einer Applikation. Die Applikation erlaubt es, einen Song, den man gerade anhört, mit anderen zu teilen. Dazu kann man etwa schreiben, was man gerade macht und den Statusupdate an andere Netzwerke wie Facebook weiterleiten. Wer möchte, kann auch ein Foto zu seinem Soundtracking-Update hinzufügen. Soundtracking ist eine Art Twitter für Musik.

Die Soundtrackingupdates bieten ein 30-Sekunden-Sample des getaggten Songs und die Möglichkeit, den Song auf iTunes zu erwerben. Beides allerdings nur, wenn der Song auch auf iTunes zu finden ist. Hört man den Song auf dem iPhone, kann man die Song-Infos direkt von der iPod-App zu Soundtracking schicken. Ist das nicht der Fall, kann man den zu taggenden Song per Hand eingeben und in der Datenbank suchen. Weitaus sinnvoller aber ist die Möglichkeit, den Song direkt von der App über das Mikrofon des iPhones erkennen lassen zu können,
wie man es von Applikationen wie Shazam kennt. Soundtracking arbeitet für die Songerkennung mit Gracenote zusammen.

Wie man es von Twitter bereits kennt, kann man auch auf Soundtracking anderen Nutzern folgen und so über die Songs auf dem Laufenden bleiben, über die die Freunde stolpern.
Soundtracking könnte auch für Festivals und Clubs interessant sein. Die Nutzer können dank Integration in Soundtracking ihre Songs auch über den Location-Based-Service Foursquare verbreiten und so direkt
mit einem Ort verbinden. Die (zusätzlich mögliche) Verbreitung an Twitter und Facebook gibt den Songs noch einmal eine größere Reichweite. Soundtracking-Gründer Steve Jang erzählte TechCrunch, dass
50 Prozent der Nutzer ihre Musikmomente an Facebook und Twitter weiterverteilen.

Einzig die Möglichkeit fehlt, die von anderen Nutzern und einem selbst getaggten Songs vollständig im Stream anzuhören. Es bleibt zu hoffen, dass Soundtracking erfolgreich genug sein wird, um sich die hierfür
notwendigen Lizenzen leisten zu können. Denn bereits jetzt hat die Applikation das Zeug zu einem der essentiellen mobilen Dienste für Musiknarren zu werden.

Dieser Artikel ist leicht redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier:

Revolution des Musikzugangs durch kreative Verknüpfung von Webdiensten

Programmierschnittstellen sind Möglichkeiten für Entwickler, bei ihren Angeboten auf andere Dienste aufzusetzen. Programierschnittstellen oder APIs sind in der Software-Welt weit verbreitet. Bill Gates sagte einmal, dass Windows 2000 über 6000 APIs bereitstellt. Auch im Internet gewinnen Schnittstellen zunehmend an Bedeutung. Facebooks weltweiter Aufstieg wäre ohne die APIs, welche die Plattform ermöglichten, nicht möglich gewesen. Auf die Twitter-API setzen Tausende von unterschiedlichen Applikationen auf.

Interessant wird es, wenn Entwickler kreativ unterschiedliche Webdienste miteinander verbinden oder bestehenden Webdiensten mit ihrer eigenen Applikation etwa eine neue Oberfläche verpassen, und im Idealfall damit einen Gewinn für alle schaffen.
Die Kreativität vieler Entwickler kennt dabei scheinbar keine Grenzen.

Auf youarelistening.to wird Ambientmusik mit Polizeifunk aus verschiedenen auswählbaren Städten wie etwa LA oder Montreal verbunden. Das Ergebnis ist eine leicht surreale aber passende Melange. Youtubedisko.de verpasst dem populären Videodienst eine einfache Mischpult-Oberfläche: Videos können gesammelt und dann mittels Crossfader in einander übergeblendet werden.

Normalisr ’normalisiert‘ die persönlichen last.fm-Charts: Last.fm listet Musikstücke anhand der Häufigkeit, mit der man diese angehört hat. Hört man ein Album mit vielen kurzen Stücken, wird der Künstler automatisch höher in den Charts stehen als Künstler mit längeren Stücken – obwohl man vielleicht die gleiche Zeit mit der Musik des Zweiten verbrachtet hat. Normalisr nimmt die Last.fm-Daten und gleicht sie mit den Musikdaten von MusicBrainz ab: et voila, aussagekräftigere persönliche Charts.

TuneGlue bietet eine grafische Darstellung der Beziehungen zwischen Musikern auf der Grundlage der last.fm-API und der API von Amazon.co.uk. MusicPortl nutzt mehrere APIs von unter anderem Flickr, Amazon, Last.fm, YouTube, MusicBrainz, um umfassende Übersichten über Musiker zu erstellen.
Besonders die API von Last.fm hat sich als beliebt herausgestellt, um damit Mashups im Musikbereich umzusetzen.

Eine Web-Schnittstelle aus Deutschland, die zunehmend populär wird, ist die API von SoundCloud. SoundCloud kann mittlerweile unzählige Applikationen verzeichnen, die auf die API zugreifen, wie etwa die Browser-Erweiterung ExtensionFM, die das Web in eine Musikbibliothek verwandelt.

Weitere Mashups von Musikdiensten findet man auch im zugehörigen Verzeichnis von Programmable Web.

Links:
youarelistening.to
www.youtubedisco.de
normalisr.com
audiomap.tuneglue.net
www.musicportl.com/
www.programmableweb.com/tag/music

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Dieser Artikel ist leicht redigiert im Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

Musikbusiness-Blogs: Der hypebot und sein Music Think Tank

hypebotDie Musikbranche ist durch die Digitalisierung im schnellen Wandel begriffen. Wer auf der Höhe der Zeit bleiben will und an dem gewissen Zeitvorsprung interessiert ist, der einen schneller als die Konkurrenz agieren lässt, der kommt an englischsprachigen Quellen nicht vorbei.

In den USA gibt es im Musikbereich neben den konsumentenorientierten MP3-Blogs mittlerweile auch einige Blogs, die sich der Berichterstattung über das digitale Musikbusiness verschrieben haben.
Das Bekannteste und Erfolgreichste unter ihnen ist das 2005 von dem Booking-Manager Bruce Houghton gegründete hypebot.

Neben Nachrichten und Analysen zu den Entwicklungen des Musikbusiness im Internet, Vorstellungen von neuen Webapplikationen und den unvermeidlichen Artikeln zum Filesharing-Thema findet man auf hypebot auch Interviews mit Labelbetreibern, Ökonomen, Startup-Gründern und Musikern, die Einblicke in die sich verändernde Musiklandschaft gewähren.
Die Mission von Hypebot, so Kyle Bylin, der zweite Vollzeitschreiber des Blogs, mir gegenüber, sei das Einordnen von Entwicklungen und das Stellen der großen Fragen: In welche Richtung entwickelt sich die Musikbranche?

Bis zu 15 Artikel pro Werktag veröffentlicht das aus zwei Vollzeitschreibern, zwei bis drei Praktikanten und bis zu fünf freien Mitarbeitern bestehende Team. Dieser Output mag für den einen oder anderen etwas zu viel des Guten sein. Aber bei regelmäßiger Lektüre kann man sicher sein, nichts zu verpassen. Hypebot verlinkt in einer werktäglichen Nachrichtenübersicht auch Vorgänge in der Internetwirtschaft, die nur am Rande die Musikbranche berühren.

Seit geraumer Zeit managt das Team von hypebot auch das 2008 von Andrew Dubber und Bruce Warila gestartete Music Think Tank. Music Think Tank ist ein Community-Blog. Jeder registrierte Autor kann Texte auf Music Think Tank Open veröffentlichen. Populäre Artikel werden auf die Startseite des Blogs ‚befördert‘. Anteile von Music Think Tank gehören den teilnehmenden Autoren. Das ungewöhnliche Konzept hat für eine sehr heterogene Gruppe an Autoren gesorgt, welche das Blog zum Überraschungsei der Musikbusiness-Publikationen gemacht hat.

Hypebot erreicht über 76.000 Besucher pro Monat, die über 195.000 Seitenaufrufe erzeugen, und verzeichnet über 14.300 RSS- und Newsletter-Abonnenten. Music Think Tank erreicht 35.000 Besucher monatlich.

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Dieser Artikel ist in der März-2011-Ausgabe des Musikmarkt erschienen. Weitere Musikmarkt-Kolumnen findet man hier.

Crowdfunding 2010

Der folgende Artikel ist in der Februar-Ausgabe des Musikmarkt erschienen. Erst nach Abgabe des Textes ist mir aufgefallen, dass ich ausgerechnet die deutsche Crowdfunding-Plattform Sellaband vergessen hatte zu erwähnen.

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kickstarter-bleuAuf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter haben 2010 über 1.140 Musik-Projekte ihre Finanzierung erfolgreich abschließen können.

Crowdfunding ist ein verhältnismäßig neues Phänomen, das sich aktuell anschickt, Wellen zu schlagen. Auf einer Crowdfunding-Plattform können interessierte Macher – Musiker, Kreative, Startup-Gründer – ihre Projekte vorstellen und um finanzielle Unterstützung werben. Unterstützer können Fans, Brüder im Geiste oder potentielle Kunden der künftigen Startups sein. Wird die vom Projektmacher benötigte Summe im vorgegebenen Zeitrahmen, der meist um die 30 Tage beträgt, erreicht, findet die Crowd-Finanzierung statt. Die anonyme Masse wird zum Fremdkapitalgeber.

Auf diesem Weg haben 2010 über 1.140 Musiker verschiedenste Projekte von den Ausgaben für CDs und Verpackung über professionelle Musikaufnahmen bis hin zur kompletten Albumproduktion über Kickstarter erfolgreich finanziert. Aber was erhalten dabei die im Vorfeld zahlenden Fans? Je nachdem, wie viel der einzelne Fan bereit ist zu geben, kann er vom T-Shirt oder dem Album bis hin zur signierten LP oder einem Abendessen mit dem Musiker die verschiedensten Dinge zurückerhalten. Was der Fan für wie viel bekommt, bestimmen die Musiker selbst.
Die Kunst für die Musiker liegt damit also auch darin, den potentiellen kapitalgebenden Fans nicht nur das Projekt sondern auch die einzelnen persönlichen Dankeschöns schmackhaft zu machen.

Der Singer-Songwriter Bleu etwa kochte Drei-Gänge-Menüs für seine Unterstützer oder spielte in deren Wohnzimmern. Mit Erfolg: Statt der geforderten 8.000 US-Dollar erhielt er insgesamt 39.000.

Über diese neue Form der Finanzierung können auch ungewöhnliche, anders kaum tragfähige Musik-Projekte gefördert werden. Musopen lässt Orchester klassische Musikstücke aufnehmen und stellt diese Aufnahmen anschließend gemeinfrei zur Verfügung. Über Kickstarter wollte man dafür 11.000 US-Dollar einsammeln. Musopen erhielt am Ende stattdessen über 68.000 US-Dollar.

Mit Kickstarter vergleichbare deutsche Plattformen sind Startnext und mySherpas. Wie bei Kickstarter wird auch auf diesen Plattformen die Summe erst ausgezahlt, wenn die vorgegebene Höhe auch erreicht wurde.Während Startnext sich auf kulturelle und kreative Projekte beschränkt, steht mySherpas jeder Art von Projekten offen.

Mehr Informationen zum Thema:
Kickstarter: www.kickstarter.com/
Musopen: http://www.musopen.org/
Startnext: http://startnext.de/home.html
mySherpas: http://www.mysherpas.com/