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restorm.com launcht neues Lizenzierungsangebot rightclearing

Das aus der Schweiz kommende restorm.com ist heute mit dem schon länger angekündigten neuen Lizenzierungsangebot rightclearing gestartet. Mit rightclearing wird es für Labels aber auch und besonders für unabhängige Musiker sehr einfach, ihre Tracks für verschiedene Lizenzen mit entsprechenden Preisen auf einer Plattform anzubieten. Nach lizenzierbaren Tracks Suchende bekommen mit rightclearing eine Plattform, auf der sie Musik finden können, die in der Regel günstiger als Musik über die klassischen Wege sein sollte.

Aus der Pressemitteilung:

Internetvisionär Joi Ito, der unter anderem sehr früh in Firmen wie Twitter, Last.fm und Flickr investierte und Mitglied der Advisory Board der Schweizer Firma ist, teilt diese Meinung:

“rightclearing zeigt der Musikindustrie und unabhängigen Künstlern das große Potential des Internets. Ich denke die Zukunft der Musiklizenzierung liegt in dem offenen, transparenten und fairen Ansatz von rightclearing.”

[..]

rightclearing startet mit 13 000 Tracks, die ab sofort zur weltweiten Lizenzierung zur Verfügung stehen. Durch die Kooperation mit der Lizenzierungsplattform Rumblefish wird die Anzahl verfügbarer Tracks im Verlauf der nächsten Wochen auf mehr als 100 000 Titel anwachsen.

restorm hatte Anfang Februar eine Kooperation mit Jamendo für das geplante rightclearing verkündet.

restorm selbst war den Schritt Richtung Infrastrukturdienstleister für Lizenzierung bereits vor rightclearing gegangen, wie wir letztes Jahr berichtet hatten:

Jamendo und restorm.com kooperieren für alternatives Lizenzierungsmodell

Wie Jamendo und restorm.com per Pressemitteilung am 1. bzw. 3. Februar bekannt gaben, haben beide Unternehmen während der Midem eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Kooperation scheint nicht nur von rein strategischem Charakter zu sein:

„Das Ziel ist eine ist eine langfristige Kooperation und Bündelung der Ressourcen.“

Jamendo, mit mehr als 300.000 Werken die umfangreichste Plattform für unter Creative Commons lizenzierte Inhalte, macht damit einen wichtigen Schritt. Nachdem Jamendo nach einem ersten Hype erst durch die Übernahme eines Großteils der Anteile durch das französische Unternehmen MusicMatic gerettet werden konnte, wurde es zunächst still um das Luxemburger Unternehmen. In 2011 begannen gezielte Marketing-Maßnahmen (LeWeb’11, all2gethernow) dann Wirkung zu zeigen – fortgesetzt in 2012 mit dem Sponsoring der Midem.

restorm, auf neumusik.com zunächst teils positiv, teils kritisch bewertet, ist – basierend auf einem Gespräch mit Philippe Perreaux (CEO restorm.com) im September letzten Jahres – auf einem sich konsolidierenden Weg, auch (oder gerade) in internationalem Kontext.

Die Mitteilung der beiden Unternehmen kommt vor dem Hintergrund der letzten Stellungnahme der GEMA (neumusik.com berichtete) zum Thema einer möglichen Integration von durch Creative Commons lizenzierte Inhalte zu einem interessanten und passenden Zeitpunkt.

Die Kooperation von Unternehmen, die auf die Lizenzierung oder das Download-Angebot von frei lizenzierten Werken spezialisiert sind, könnte der richtige Weg sein, um eine höhere Aufmerksamkeit für ihr alternatives Angebot zu generieren.

Im gleichen Zusammenhang ist die Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons zu sehen (C3S) – durchaus ein potenzieller und wichtiger Anknüpfungspunkt für Jamendo, restorm.com et al. Denn eine zweite Verwertungsgesellschaft für Musik in Deutschland könnte den hiesigen Markt öffnen bzw. den Zugang erleichtern:

Aus dem Gesetz über die Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Urheberrechtswahrnehmungsgesetz):

§ 13c Vermutung der Sachbefugnis

(1) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Auskunftsanspruch geltend, der nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden kann, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt.

(2) Macht die Verwertungsgesellschaft einen Vergütungsanspruch nach §§ 27, 54 Abs. 1, § 54c Abs. 1, § 77 Abs. 2, § 85 Abs. 4, § 94 Abs. 4 oder § 137l Abs. 5 des Urheberrechtsgesetzes geltend, so wird vermutet, daß sie die Rechte aller Berechtigten wahrnimmt. Sind mehr als eine Verwertungsgesellschaft zur Geltendmachung des Anspruchs berechtigt, so gilt die Vermutung nur, wenn der Anspruch von allen berechtigten Verwertungsgesellschaften gemeinsam geltend gemacht wird. Soweit die Verwertungsgesellschaft Zahlungen auch für die Berechtigten erhält, deren Rechte sie nicht wahrnimmt, hat sie den zur Zahlung Verpflichteten von den Vergütungsansprüchen dieser Berechtigten freizustellen.

Quelle: Website des Bundesministeriums der Justiz, juris, abgerufen am 30.12.2011

[Hervorhebung hinzugefügt durch den Autor des Beitrags]

Obwohl bislang wenig in Erscheinung getreten, und aufgrund der noch sehr rudimentären Web-Präsenz sogar teilweise als nicht mehr aktiv betrachtet, wird in Kürze auf neumusik.com mehr zur C3S erfahren sein.

(Wolfgang Senges ist Mitbegründer der C3S, einer Initiative zur Gründung einer Verwertungsgesellschaft für Musikwerke unter Creative Commons)

restorm: Das „Rightclearing“ im Detail – kommerzielle CC-Nutzung ohne BY?

Gestern haben wir auf neumusik.com restorm vorgestellt. Hier folgt nun der dort angekündigte Artikel zum „Rightclearing“ – was darf man erwarten, wie sinnvoll ist es?

Das Interessante am Rightclearing ist, neben der Berücksichtigung von Verwertungsgesellschaften und Creative Commons innerhalb eines Angebots, der One-Stop-Service. Dazu CEO Philippe Perreaux in der NZZ Online:

Der Künstler kann Preise und erlaubte Nutzungsformen selber bestimmen, die nachfolgenden Lizenzverträge werden automatisch generiert – ohne Anwaltskosten und für alle Beteiligten einfach verständlich. Künftig wird sich das System auch für andere Werkarten wie Fotografien einsetzen lassen.

Zwar sind die Tarife Jamendos bei weitem übersichtlicher als die der GEMA (ca. 80-90 verschiedene Tarife), jedoch immer noch relativ komplex. Während Inhalte aus den Katalogen der Verwertungsgesellschaften (VGs) bei restorm direkt über die VG abgerechnet werden, bietet restorm für unter Creative Commons (CC) lizenzierte Inhalte weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten der wenigen Tarife durch den Künstler. Entscheidet sich der Lizenznehmer für den Kauf einer Lizenz, wird der Vertrag als PDF generiert und an beide Vertragspartner geschickt.

Der Ablauf für den Urheber ist denkbar einfach: Vor dem Upload erfolgt per Formular die Abfrage, ob der Künstler Mitglied einer VG ist oder nicht. Ist er es, bleibt als Option nur die Verrechnung über die VG. Andernfalls sind die Lizenzierungsoptionen Creative Commons und sogar Public Domain möglich. Die Einverständniserklärung zum Rightclearing – also der potenzielle Verkauf einer Lizenz – wird vom Urheber per Klick auf einen Radio-Button bestätigt. Dies entspricht der Option unter Jamendo, die es Künstlern ermöglicht, am JamendoPro-Programm teilzunehmen.

Gewisse Themen und Anwendungsbereiche (Gewalt, Politik, Pornographie, Religion) können auf Wunsch eingeschränkt lizenzfähig sein oder von einer Lizenzierung ausgeschlossen werden. Ähnliches gilt für die neun verschiedenen Nutzungsformen wie Audio Werbung, Computerspiele, Film & TV etc. Ich möchte bereits jetzt voraussagen, dass die Zahl der Nutzungsformen und möglichen Ausnahmen steigen wird. Denn hier liegt das Problem, dem Tarife grundsätzlich und im speziellen Creative-Commons-Lizenzen unterworfen sind: Gerade die Formulierung des erlaubten kommerziellen Einsatzes im Rahmen einer Lizenz bedarf meistens der Anpassung der Lizenz oder zumindest der Rückfrage – womit die Komplexität steigt. Nicht zuletzt liegt darin aufgrund der juristischen Unkenntnis der Urheber auch eine potenzielle Gefahrenquelle.

Als verwendbare Lizenzen im Creative-Commons-Bereich stehen letztlich eine „Basislizenz“ oder eine „erweiterte Lizenz“ zur Verfügung. Die Basislizenz ist eine CC BY-NC Lizenz und kann daher kommerziell nicht verwendet werden; nur zu nicht-kommerziellen Zwecken und unter Namensnennung der Urheberinformationen. Änderungen am Werk sind jedoch möglich – ob es sich um eine Share-Alike-Lizenz handelt, konnte ich der Dokumentation nicht entnehmen. Die erweiterte Lizenz kann im Gegensatz dazu kommerziell verwendet werden. Interessanterweise wird hier ein Grundelement der CC-Lizenzen kurzerhand durch die Einwilligung des Künstlers in das Rightclearing-Verfahren ausgehebelt: Eine Namensnennung bei der kommerziellen Verwendung ist nicht notwendig:

Die erweiterte Lizenz beinhaltet zusätzlich die Rechte, das Werk kommerziell und ohne Namensnennung zu nutzen. Und ist dementsprechend teurer.

Zwar kann theoretisch auch außerhalb von restorm jeder Urheber eines CC-Werks von diesem Recht Abstand nehmen – sinnvoll ist es jedoch nicht.

Die Preise für die jeweiligen Nutzungsformen können vom Urheber unterschiedlich festgelegt werden, wobei die erweiterte Lizenz hochpreisiger ist. Alternativ empfiehlt restorm drei Preispläne:

[..] Wir haben für euch drei Preispläne vorkonfiguriert, die den allgemeinen Standard wiedergeben. Falls du dich mit dem Verkauf von Musiklizenzen noch keine Erfahrung gemacht hast, empfehlen wir dir, den auszuwählen, der auf deine Band zutrifft.

Tiefes Preisniveau: Für lokal bekannte Künstler
Normales Preisniveau: Für national bekannte Künstler
Hohes Preisniveau: Für international bekannte Künstler

Natürlich steht es dir auch frei, sämtliche Preise selber zu bestimmen. Nur solltest du auch hier vorsichtig sein, wenn du nicht potentielle (sic!) Kunden abschrecken willst.

Bei Projekten mit einem Budget jenseits von 10.000 € werden die Lizenzkosten prozentual definiert (vom Künstler). Die Abgabe an restorm (Commission Fee) beträgt 10%. Ob eine lineare prozentuale Berechnung sowohl der Lizenzkosten als auch der Commission Fee Sinn macht, sei dahin gestellt – in der Regel sollte meines Erachtens bei einer Vertriebsbeteiligung der prozentuale Anteil bei niedrigeren Einnahmen prozentual eher höher liegen und mit steigendem Projektwert prozentual sinken – zumindest ein maximaler Wert sollte als Schwelle fixiert sein.

Das Rightclearing kann ein absolutes Highlight werden, braucht aber noch Nachpolitur. Zudem: Bislang stehen 2.000 Tracks zur kommerziellen Lizenzierung zur Verfügung. Bei Jamendo 90.000. Und auch das ist – nach Herausfilterung der qualitativ nicht hinreichenden Inhalte – nicht ausreichend für eine Nutzung im professionellen Lizenzierungsumfeld. Denn Music Supervisors, die „Casting-Agenturen der Musik“,  sind nicht zuletzt privat durch kommerzielle Download-Stores ein anderes und erheblich umfangreicheres Repertoire gewöhnt.

restorm 2011: One-Stop-Service für unterschiedliche Lizenzen einschließlich Creative Commons

Zugegeben, obwohl bereits seit 2007 am Markt, und mindestens seit der Kehrtwende der Ausrichtung des Schweizer Start-Ups vom Musikvideoportal zum Multifunktionsdienst in den Medien, bin ich erst jetzt hellhörig geworden.

Nach den ersten Informationen, die ich zu den neuen Features von restorm.com erhielt, handelte es sich um einen Hybrid aus Jamendo, Download-Store und kommerzieller Verwertungsgesellschaft für Creative-Commons-Inhalte. Interessant ist aber v.a. der Ansatz, sowohl Inhalte anzubieten, die über Verwertungsgesellschaften abgerechnet werden, als auch solche von Creative-Commons-Künstlern – so auch restorm-CEO Philippe Perreaux:

Das neuartige daran ist der Umstand, dass es unterschiedlichste Urheberrechts-Konzepte berücksichtigt. Angefangen beim traditionellen Copyright über das moderne Creative Commons Konzept bis hin zum Ansatz der komplett freien Verbreitung namens Public Domain ist mit unserem Tool alles möglich.

Die Site spricht in erster Linie Künstler an. Und doch, gehe ich die gestellten Fragen der Landing Page durch, adressiert restorm Fans, Musiker, Labels, Manager, Blogger, Lizenznehmer und Veranstalter. Möchte man sich einen ersten Überblick verschaffen, ist man einige Zeit beschäftigt, durch viele Seiten hindurch zu klicken, die ebenso viel Information bieten.

Die meist lokalen (d.h. Schweizer) Partner wie die Berner Zeitung, iMusician Digital, SAE Zürich, Spreadshirt (Ausnahme: nicht Schweiz) sowie weitere Unternehmen aus Videoproduktion und Event-Marketing spiegeln die breite Palette der Zielgruppen.

Das Angebot an Funktionen ist dementsprechend reichhaltig; in einem in Kürze folgenden Artikel werde ich das „Rightclearing“ (Video) detailliert betrachten (unten als Kurzeinführung das Video), das restorm in den Vordergrund rücken möchte. Nicht zu Unrecht, denn wagt man sich in den Markt der kommerziellen Verwertung von Creative-Commons-Werken ohne Einschränkung auf eben diese, ist dieser nicht zu klein einzuschätzen: Jamendo bietet derzeit etwa 300.000 Titel an, davon jedoch nur 90.000 zur kommerziellen Lizenzierung (JamendoPro). Gerade der Blick auf Jamendo lässt aber auch fragen, wie viel Erfolg dem Business Modell beschieden werden mag.

Wie ist nun der Nutzen von restorm insgesamt anzusetzen? Es gibt in der Tat viele kleine Möglichkeiten, Bands im Mediennetzwerk pushen zu lassen. Auch ist die Option einer Mini-Website interessant, die für jede Band verfügbar ist. Diese lässt sich quasi als generiertes EPK (Electronic Press Kit) in jeden Online-Artikel auch von Bloggern und Magazinen wie ein Widget einbinden.

Smarter noch erscheint mir aber das Angebot an Blogger, das im Dschungel der Site untergeht. Sites wie Jamendo haben extrem mit Problemen der Kuratierung und Verschlagwortung zu kämpfen (dazu in Kürze mehr). restorm versucht hier, Blogger an sich zu binden. Diese bedienen als Filter ein spezielles Publikum und fungieren somit als Kurator/Qualitätsfilter, Multiplikator, Content-Produzenten (durch Reviews) und Metadaten-Generator in einer Person.

Letztendlich aber stellt sich mir die Frage, ob ein einzelnes (und gutes) Produkt hier nicht überfrachtet ist – zumindest fehlt es an einer transparenten Darstellung. Ist es gut, vom Start weg für jeden alles zu bieten? Wären ergänzende Services keine bessere Lösung? Denn die Funktionalität oder Idee hinter restorm in aller Kürze zu vermitteln fällt schwer. Da muss beim Elevator-Pitch der Aufzug schon stecken bleiben. Und das ist nicht gut fürs Unternehmen.