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LimeWire zahlt RIAA 105 Millionen $, Musiker bekommen nichts davon

Wenig überraschend, aber trotzdem immer wieder erwähnenswert, was mit Geld aus Klagen der Musikindustrie gegen Anbieter von Filesharingtools passiert:

LimeWire zahlt der RIAA 105 Mio. US-Dollar in einer außergerichtlichen Einigung. Von dem Geld geht nichts an die Künstler. TorrentFreak:

RIAA spokesman Jonathan Lamy previously told TorrentFreak that the ‘damages’ accrued from piracy-related lawsuits will not go to any of the artists, but towards funding more anti-piracy campaigns. “Any funds recouped are re-invested into our ongoing education and anti-piracy programs,” he said.

Angesichts der Tatsache, dass illegales Filesharing auch nach über 10 Jahren juristischer Vorgehen gegen Tauschbörsen und Tauschbörsennutzer ungebrochen weit verbreitet ist (in dieser Zeit hat diese Tätigkeit dank besserer Breitbandanbindung eher noch zugenommen denn abgenommen), stellt sich die Sinnfrage für die Tätigkeit der RIAA, wenn tatsächlich über Klagen eingesammelte Gelder nie an die Musiker gehen, sondern immer wieder in den Kampf der RIAA gegen die Windmühlen fliesst.

Der Erfolg der RIAA bedeutet also nicht sonderlich viel für Künstler:

Uncompensated artists meant nothing to an RIAA ready to declare victory yesterday. „The resolution of this case is another milestone in the continuing evolution of online music to a legitimate marketplace that appropriately rewards creators,” RIAA Chairman Mitch Bainwol said in a statement.

On that point, many artists agree with the RIAA. It is the „marketplace“ in the form of fans; and not the RIAA, major labels or a $105 million settlement that „rewards“ them.  It sounds like the RIAA  just inadvertently endorsed the direct to fan movement.  Too bad, the $105 million won’t go to help fund it.

Tatsächlich könnten mit den 105 Millionen US-Dollar Startups, die tatsächliche Hilfe für Musiker bereitstellen, finanziert werden. Stattdessen wird dieses Geld von der RIAA destruktiv genutzt werden.

 

 

.music: Tonträgerindustrie vs. ICANN

15 Tonträgerindustrie-Verbände aus verschiedenen Ländern haben einen Brief an ICANN wegen der geplanten Top Level Domain (TLD) .music geschrieben:

Eine wenig verhohlene Klagedrohung haben 15 nationale und internationale Musikindustrie-Verbände, darunter IFPI und RIAA, der ICANN übermittelt. Der Brief (PDF) ist von der RIAA-Anwältin Victoria Sheckler stellvertretend für die 15 Verbände ausgefertigt und trägt den 5.Januar als Datum. Anlass des Schriftverkehrs ist die geplante Einführung der generischen Top Level Domain (gTLD) „.music“. Die Musikindustrie will, dass die zukünftige .music-Registry als eine Art Urheber- und Markenrechts-Polizei agiert.

Man fordert eine weitgehende Kontrolle:

„Wir möchten mit ICANN und anderen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Best Practices (Richtlinien) erarbeitet und umgesetzt werden, die Sicherstellen, dass kein schädliches Verhalten (Urheber- und Markenrechtsverletzungen) gesetzt wird“, heißt es in dem Schreiben weiter. Hier sollen also Vorgaben gemacht werden, dass und wie die Registry Inhalte kontrollieren und gegebenenfalls zensieren soll, die unter .music-Domains bereitgestellt werden.

Es ist bemerkenswert, wie sehr sich die Verbände als Sprachrohr der Musikkultur insgesamt gerieren. Allerdings ist das auch gleichzeitig wieder nur konsequent.

Natürlich wird eine TLD .music ob mit oder ohne Kontrolle keinerlei Auswirkungen auf illegale Distribution von Musik haben. Dezentrales P2P-Filesharing benötigt keine zentrale Anlaufstelle und Websites mit illegal bereitgestellten Inhalten können auch mit .com oder einer anderen TLD betrieben werden.

Die Vertreter der Tonträgerindustrie, die sich vor einem unkontrollierten .music fürchten, scheinen irrtümlich immer noch von einer Welt mit wenigen zentralen Anlaufstellen und geringem Informationsfluß auszugehen.

Als inoffizielle TLD für Musikstartups etabliert sich seit einiger Zeit .fm, das wohl mit Last.fm seinen Anfang nahm.

RIAA hat von 2000 bis 2010 90 Mio. US-Dollar für Lobbyismus ausgegeben

Die RIAA hat in der Zeit von 2000 bis 2010 über 90 Millionen US-Dollar für Lobbyismus ausgegeben:

According to a Center for Responsive Politics analysis based on data collected from the United States Secretary of the Senate Office of Public Records (SOPR), the recorded music industry and the Recording Industry of America (RIAA) have spent over $90 million in lobbying efforts in the United States alone since 2000.

Das ist ausgesprochen viel:

The motion picture industry, for example, spent less than half of what the music industry invested in lobbying during the 2000-2010 period, according to the Center for Responsive Politics’ statistics. The RIAA and recording industry players have also spent over $50 million in legal fees for the industry’s lawsuit campaign intended to thwart illegal file sharing, according to tax filings and estimates by attorneys involved in the litigation.

Wie immer so ist auch bei diesem Report interessant, wie die Plattenlabels es zum einen schaffen, öffentlich als Synonym für die gesamte Musikbranche wahrgenommen zu werden, aber bei den Erfolgen von Musikstartups, also Tech-Unternehmen, diese automatisch (und korrekterweise) zur Musikindustrie dazuzählen:

New business models the music industry has developed during the past few years include new subscription models and access to digital music that is free for consumers, Strain said.

Natürlich wurde keines dieser Geschäftsmodelle an erster Stelle von einem Label entwickelt.

Auch in diesem Report wird die schwierige Lizenz-Situation zwischen Startups und Labeln erkannt:

Major record companies licence digital services, but the terms involved are difficult to build a viable business model around, especially for startups, [David Stopps, director of copyright and related rights for the Music Managers Forum UK] said. “You have to have a lot of money to do it and you have to have a lot of time. You would need a couple of years to license [the songs] and a couple of million in the bank,” he said.

“New startup businesses should be able to access all content under a compulsory licence for a period of, say, six months,” he added. “We have to make it easier for new business models to get access to content.”

Schwierige Lizenzsituation auf der einen Seite für legale Angebote, eine Vereinigung, die viel Geld ausgibt, ohne dass das zu Mehreinnahmen führt auf der anderen Seite:

In 2000 the RIAA spent $4 million in lobbying, but by 2009, it spent $17.5 million. Of course, the spend has been somewhat in inverse correlation to the success of the major record labels. Considering how often we hear people assume that correlation of file sharing stats to record label revenue means file sharing is the cause of the labels problems, shouldn’t they also claim that the more the RIAA spends on lobbying, the worse the labels do as well? Perhaps the answer for the record labels is to get the RIAA to stop lobbying.

Wie schlecht die Ergebnisse der RIAA auch in anderen Bereichen sind, konnte man im Juli 2010 anhand konkreter Zahlen erfahren:

Zieht man die Zahlen von 2006 bis 2008 zusammen, kommt man laut Ray Beckerman für diese drei Jahre auf eine Bilanz von 64 Millionen Dollar in Kosten für Anwälte und private Ermittler und Einnahmen von 1.361.000 Dollar. Techdirt merkt an, dass damit nur zwei Prozent der dadurch entstandenen Kosten abgedeckt sind.

Natürlich verfolgt die Plattenindustrie damit auch eine Strategie der Abschreckung. Da aber in dieser Zeit illegales Filesharing nicht gesunken ist, stellt sich die Frage, wie man eine solche defizitäre Strategie, die noch dazu imageschädigend ist, über so eine lange Zeit gegenüber den Shareholdern und Stakeholdern rechtfertigen kann.