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Musikbranche ist nicht in das Loch gefallen, in das die Tonträgerindustrie fiel

Das Switch-Blog der Washington Post hat eine Grafik aus einer aktuellen Studie der London School of Economics veröffentlicht, die bestätigt, was wir bereits wissen. Die Musikbranche ist nicht in das Loch gefallen, in das die Tonträgerindustrie fiel:

Music

Natürlich ist die Marktaufteilung heute eine andere als vor 15 Jahren, das sollte aber nicht überraschen.

Aus der Studie:

In 2013, for the first time, UK revenues from online music are expected to be higher than revenues from CDs and vinyl combined (55% for online and 45% for CDs and vinyl of total  revenues from sales of recorded music). In 2012 some 34% of revenue globally (excluding  revenue from live performances) was generated by digital channels including streaming and downloads, up from 27% three years earlier (see Figure 2). In addition, worldwide sales of  recorded music increased in 2012 for the first time since 1999.

Hier die Studie als PDF

Studie: 89% der digitalen Musikeinkünfte in Schweden über Streaming

Auf Diskurs @ Deutschlandfunk habe ich in einem Artikel die aktuellen Entwicklungen im digitalen Musikbusiness von Crowdfunding bis Streaming zusammengefasst:

Neben Downloads werden Abodienste für Musiker immer wichtiger. Dienste wie Spotify, Simfy und Rdio kannibalisieren zwar zum Teil Musikverkäufe, aber das macht Filesharing auch. Der Unterschied liegt in den Beträgen, die Musikern bei On-Demand-Streaming ausgezahlt werden. In Schweden, dem Herkunftsland von Spotify, übernimmt Streaming laut einer Studie mittlerweile 89 Prozent der digitalen Musikeinkünfte und sorgte sogar für einen Anstieg der gesamten Einkünfte von 30,1 Prozent. Streaming führt also zu einem Rückgang des klassischen Verkaufs von Musik, aber die Einkommenszugewinne über Streaming scheinen das mehr als wett zu machen, sobald Streaming wie in Schweden eine kritische Masse erreicht.

Streaming als virales Marketing

Damit aber noch nicht genug. On-Demand-Streaming-Dienste wie Spotify oder Simfy bieten noch einen weiteren Vorteil für Musiker. Jeder dieser Dienste ist über Open Graph an Facebook angebunden. Wenn also ein Fan die Songs einer Band anhört, sehen die Facebook-Freunde das im Newsticker auf Facebook. Ein gesamtes angehörtes Album führt zu einem Newsfeedeintrag mit noch mehr Sichtbarkeit.

KSK-Studie der Piraten zur Einkommensentwicklung bei Kreativen sorgt für Aufregung

Christian Hufgard, Urheberrechtsexperte der Piratenpartei und Vorsitzender des Vereins Musikpiraten, hat sich die Entwicklung der bei der KSK angemeldeten Einkommen von 1995 bis 2011 angeschaut. (PDF)

Über die Studie und die erste Debatte habe ich auf neunetz.com bereits berichtet: Künstlereinnahmen von 1995 bis 2011 in Deutschland gewachsen? Zumindest nicht massiv eingebrochen. Mein Fazit:

Allerdings zeigen die Entwicklungen der KSK-Zahlen vor allem, dass es den oft beschworenen Einbruch im Einkommen der Kreativen nicht gegeben hat. Hat sich der Einkommensmix im Zeitraum geändert? Mit Sicherheit. Die Zahl der Kreativen ist allerdings zusätzlich gestiegen. Und: gibt es einen Rückgang an veröffentlichter Musik und anderer Kultur in dem Zeitraum? Wenn nicht, wo liegt dann das Problem?

Zu diesem Punkt fehlen meines Wissens nach noch Zahlen für Deutschland. Es würde mich aber überraschen, wenn wir in Deutschland diesbezüglich siginifikante Rückgänge zu verzeichnen hätten.

In den USA ist die Anzahl der Veröffentlichungen von Musik, Büchern und Filmen in den letzten Jahren bekanntlich erheblich angestiegen.

Auch der VUT hat auf die Piraten-Studie reagiert. Matthias Spielkamp ist auf irights.info auf die VUT-Stellungnahme eingegangen:

Wenn man bei der Piratenstudie Hinweise darauf findet, dass Hufgard zu einem Ergebnis kommen wollte, das ihm ins Konzept passt, so ist es beim VUT völlig offensichtlich, dass Fakten lediglich strategisch eingesetzt werden. Und der VUT somit genau das tut,  was er Hufgard vorwirft.

[..]

Da stellt sich doch die Frage: Wenn so viele neue Verwertungsmöglichkeiten entstanden sind, warum kommt dann kein Geld bei den Musikern an? Und diese Frage müsste ein Verband der Verwerter doch eigentlich beantworten können.

Studie: Webradio vornehmlich im Büro und zuhause konsumiert, mobil nur 4% der Nutzung

Das Medienforschungsunternehmen Mediapulse hat in der Schweiz eine Studie zum Webradiokonsum durchgeführt.

werbewoche:

55 Prozent der Webradiohörer entscheiden sich für den Empfang über Internet, weil sie den gewünschten Sender sonst nicht empfangen können. Mit 41 Prozent haben die Schweizer Privatradios beim Webradiokonsum den höchsten Marktanteil. 25 Prozent der Webradionutzung entfällt auf die SRG-Sender.

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Webradio wird fast ausschliesslich im Büro (53 Prozent der gesamten Nutzungszeit) und Zuhause (43 Prozent) konsumiert. Mit 4 Prozent ist die Nutzung unterwegs deutlich weniger verbreitet. Entsprechend fällt bisher auch der Konsum via Mobiltelefon eher tief aus: Durchschnittlich konsumieren Webradionutzer nur vier Minuten pro Tag über das Mobiltelefon (im Vergleich zu 50 Minuten via Computer und 12 Minuten via Internetradiogerät).

Noch verbringen ältere Personen doppelt so viel Zeit mit dem Hören herrkömmlichen Radios als ihre jüngeren Webradiohörer. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber umdrehen. Interessant dürfte auch sein, wie das ansteigende On-Demand-Streaming sich auf die Konsumartenverteilung auswirken wird.

Die mobile Nutzung ist logischerweise stark abhängig von der Entwicklung der Datentarife der Mobilnetzanbieter.

NARM-Studie: Radio beeinflusst Music Discovery nach wie vor am meisten

Gerade veröffentlicht, zeigt eine Studie zur Entdeckung neuer Musik – und damit auch zum Kaufverhalten – unabhängig von der Altersgruppe ein deutliches Ergebnis. Das Radio, der traditionellste Weg der Musikdistribution, ist immer noch der Wichtigste, um neue Musik für sich zu entdecken.

Genaueres zeigen die auf Digital Music News präsentierten und der Studie entnommenen Balkendiagramme, die die Ergebnisse für zwei der fünf Konsumentengruppen darstellen, der „Committed“ und der „Comfortable“ Konsumenten:

„Committed“ consumers are the youngest group, with a mean age of 32 (20 percent are age 13 to 17; 42 percent are 18 to 35). They represent 10 percent of all consumers who listened to or purchased music within the prior three months. „Committed“ consumers also account for 46 percent of per-capita spending on music, and they are the most engaged consumers in the report.

Those in the „Comfortable“ group make up 30 percent of musically active consumers and account for 15 percent of per-capita spending on music. With a mean age of 50, they are considered the mainstream segment.

Auch wenn aus den Angaben der von der Industrievereinigung NARM und The NPD Group in Auftrag gegebenen Studie nicht hervor geht, ob die Erhebung in einem rein amerikanischen oder doch weltweiten Rahmen durchgeführt wurde, wage ich zu vermuten, dass der Einfluss des Rundfunks zumindest in Deutschland mit seinen publikumsstarken Sendern womöglich noch stärker ist als die Studie zeigt.

Wie von der NARM zudem betont, gaben die Befragten an, dass es ihnen beim Hören der Musik via Radio jedoch an Informationen mangelt. Zwar erhalten sie die Möglichkeit, neue Musik für sich zu entdecken; eine entsprechende Abmoderation bleibt aber zu häufig aus. Es bleibt bei einer meist vertanen Chance, Umsätze für die Musikindustrie zu generieren:

„Now that we have these insights, the music industry can look at how to deliver to consumers the information they want about new music,“ said Jim Donio, president of NARM. „We have identified several areas where we believe we can move the needle and convert that discovery to a retail experience of some kind. For example, people hear music they like, but because of lack of identification, they don’t learn the artist’s name or the song title, so they cannot seek out that track again – more promotion of song recognition apps and stressing the importance of back announcing could go a long way to improve that situation.“

Mit wenig Aufwand ließe sich diese Lücke schließen. Playlists der Sender fürs Web existieren häufig. Aufbereitet als Stream für mobile Endgeräte, möglichst mit direkter Kauf- oder Merkoption und adäquater Information zum Track könnte der Nachfrage bereits Rechnung getragen werden.

(Foto: S. Diddy; CC-Lizenz)

Gesamtumsatz der Musikbranche wächst in Norwegen, Schweden, UK und USA

Eben hatte ich bereits auf Studien hingewiesen, die zeigen, dass der Gesamtumsatz der Musikbranche in UK und Norwegen gestiegen ist (in letzterem Land sogar mit einem 114-prozentigen Umsatzanstieg von 1999-2009 direkt bei den Künstlern).

Die Studie aus Norwegen findet man hier. Die für UK findet man hier (PDF).

Über Techdirt bin ich jetzt auf zwei weitere Studien gestossen, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Eine Studie aus Schweden (PDF) zeigt ein ähnliches Bild auf wie die Studien aus Norwegen und UK. Die Einnahmen von Musikaufnahmen fallen, aber die Steigerungen der anderen Erlösströme fangen das insgesamt wieder auf:

Schweden-Studie

Wie in Norwegen sind auch in Schweden die Einnahmen der Musiker gestiegen:

schweden-studie2

Eine Harvard-Studie hat sich mit dem gesamten Kreativsektor in den USA (im verlinkten Artikel eingebettet und dort auch herunterladbar) beschäftigt:

Data on the supply of new works are consistent with our argument that file sharing did not discourage authors and publishers. The publication of new books rose by 66% over the 2002-2007 period. Since 2000, the annual release of new music albums has more than doubled, and worldwide feature film production is up by more than 30% since 2003. At the same time, empirical research in file sharing documents that consumer welfare increased substantially due to the new technology.

[..]

While file sharing disrupted some traditional business models in the creative industries, foremost in music, in our reading of the evidence there is little to suggest that the new technology has discouraged artistic production. Weaker copyright protection, it seems, has benefited society.

[..]

The decline in music sales — they fell by 15% from 1997 to 2007 — is the focus of much discussion. However, adding in concerts alone shows the industry has grown by 5% over this period. If we also consider the sale of iPods as a revenue stream, the industry is now 66% larger than in 1997.

Das heißt, von 1997 bis 2007 ist der Gesamtumsatz der Musikbranche in den USA um fünf Prozent gestiegen.

Michael Geist hat auch eine Zusammenfassung veröffentlicht, als die Studie noch im Entwurf-Stadium war:

The paper takes on several longstanding myths about the economic effects of file sharing, noting that many downloaded songs do not represent a lost sale, some mashups may increase the market for the original work, and the entertainment industry can still steer consumer attention to particular artists (which results in more sales and downloads).

Für viele Laien dürften die Erkenntnisse aus den Studien überraschend kommen. Tatsächlich sind sie aber gar nicht so überraschend, wenn man sich klar macht, dass Filesharing eher Komplementärgüter bereitstellt und keine Substitute (was natürlich auch geschäftsmodellabhängig ist). Techdirt zitiert aus dem US-Paper:

One of the key points that the paper makes is that many people have difficulty (especially beforehand) in recognizing whether certain products are substitutes or complements. If products substitute for others (i.e., downloads take away from sales), then a market can be harmed. However, if the products are actually complements (i.e., more content boosts other parts of the market), then a market can actually be helped. The detailed research that Oberholzer-Gee and Strumpf go through clearly shows (pretty unequivocally) that file sharing is a complementary good that has massively boosted many different ancillary markets, and created a fantastic consumer surplus without actually decreasing output. In fact, quite to the contrary, as noted above, creative output has risen at a dramatic pace.

Eines dürften die Studien aus den verschiedenen Ländern klar machen: Den sich nicht anpassenden Plattenlabeln mag es schlechter gehen, dem Musiksektor insgesamt geht es dagegen gut. Natürlich geht der Wandel nicht an jedem in der Branche ohne Spuren vorüber. Aber insgesamt sehen die Zahlen besser aus, als oft in der Öffentlichkeit suggeriert wird.

Studie: Musiker-Einnahmen in Norwegen von 1999-2009 um 114 Prozent gestiegen

Auf neunetz.com habe ich über drei Studien beziehungsweise Untersuchungen geschrieben, die interessante Erkenntnisse in aktuellen Branchentrends liefern, die ein bisschen aufmuntern sollten.

Eine Studie aus Norwegen. neunetz.com:

Der Umsatz der Musikbranche ist in Norwegen von 1999 bis 2009 inflationsbereinigt um vier Prozent gestiegen.

[..]

In der gleichen Zeit sind die Einnahmen der Künstler inflationsbereinigt um 114 Prozent gestiegen.

Eine Studie von PRS (PDF). neunetz.com:

[D]ie Einnahmen der Musikbranche im UK sind von 2007 auf 2008 um 4,7 Prozent gestiegen[..].

Untersuchung der Times (aktuell nicht mehr abrufbar):

An even more striking thing, perhaps, emerges in this second graph, namely that revenues accrued by artists themselves have in fact risen over the past 5 years, despite the fall in record sales.

Die PRS-Studie kann hinter dem Link als PDF heruntergeladen werden. Die aktuelle norwegische Studie liegt auf Scribd bereit.

Der komplette Artikel auf neunetz.com: Studien: Künstler verdienen im Filesharing-Zeitalter mehr als zuvor

Studie: Streaming reduziert Filesharing

Eine Studie kommt wenig überraschend zu dem Schluss, dass Streaming-Angebote Filesharing reduzieren und andere positive Nebeneffekte haben können:

The survey of Norwegian consumers found that 54% said that since getting access to streaming music, they don’t download tracks illegally any more.

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Aspiro’s survey – conducted by Norstat – also found that one in three Norwegians have now streamed music, with 60% saying they feel more up to date on music as a result, 68% saying they listen to more music, and 72% saying they often find music they didn’t know about before by using a streaming service.

Die Studie wurde von Aspiro, dem Anbieter des norwegischen Streaming-Dienstes WiMP, in Auftrag gegeben. Das gegenüber Streaming sehr positive Ergebnis ist entsprechend mit Vorsicht zu geniessen.

Nichtsdestotrotz ist Streaming ein wichtiger Trend im Musikbereich, der einiges verändern könnte.