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Wird die C3S eine alternative Verwertungsgesellschaft? Erste Informationen.

[Anmerkung: Wolfgang Senges, der Verfasser des Artikels, ist Mitinitiator der C3S –  Cultural Commons Collecting Society.]

Eher unscheinbar im Schatten der re:publica12 hat die C3S ihre ersten Informationen online gestellt. Bei der C3S handelt es sich um eine Initiative zur Gründung einer neuen Verwertungsgesellschaft noch in diesem Jahr. Dies wäre jedoch erst die Grundvoraussetzung für die Beantragung des Status als Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA).

Ziel der C3S ist es, europäischen Urhebern von Musikwerken unter freien oder Creative-Commons-Lizenzen eine Möglichkeit zu bieten, ihre Musik zu monetarisieren – und somit einen ernstzunehmenden Markt für diese Lizenzen zu bieten. Denn hier liegt das Problem: mehr als 50% der veröffentlichten CC-Lizenzen sind NC-Lizenzen und könnten kommerziell verwendet werden, d.h. für ihre Urheber Umsätze generieren.

Leider aber fehlen Infastrukturen zur vollwertigen Integration beim Broadcast. Airplay wird nicht bezahlt, auch wenn die Sender die Künstler gerne honorieren würden. Ursache ist der bislang notwendige Vertragsabschluss mit jedem einzelnen Künstler, der für GEMA-Mitglieder nicht notwendig ist. Außerhalb des Broadcast-Betriebs behindert die häufig rechtliche Unsicherheit bei Lizenznehmern und Künstlern den Vertragsabschluss.

An dieser Stelle bietet es sich an, in meinen (etwas verstaubten) dreiteiligen Artikel unter ContentSphere von 2009 zu schauen, der aufzeigt, wie – wirtschaftlich betrachtet – das Zusammenspiel der festgefahrenen Strukturen als Markteintrittsbarriere für Nicht-GEMA-Mitglieder fungiert. Genauer betrachtet, liegt das Manko…

  • im Fehlen der Infrastruktur bei Sendern
  • der Verfügbarkeit von Alternativen zur GEMA
  • der fehlenden Vertrautheit im Umgang mit Creative Commons Lizenzen
  • in der bei Creative Commons nicht exakten Definition des Begriffs „non commercial“

Die derzeitige Situation lässt sich unseres Erachtens nur durch eine zweite Entität neben der GEMA lösen. Rufe nach dem Gesetzgeber sind nicht sinnvoll, weil die GEMA als Verein nicht der direkten Kontrolle des Gesetzgebers unterliegt. Aus den Reihen der Mitglieder, die sich selber eine neue Satzung geben müssten, scheint keine Veränderung zu erfolgen. Warum auch, geht es doch in erster Linie um Nicht-GEMA-Mitglieder.

Letztendlich geht es aber nicht um die GEMA. Das Ziel der C3S ist nicht die Torpedierung der GEMA oder die Unterwanderung des Urheberrechts. Creative Commons setzt ebenso auf dem Urheberrecht auf, wie die Lizenzen der traditionellen Verwertungsgesellschaften.

Es braucht jedoch eine Alternative, die den übrigen Musikern dient. Denjenigen, die keine Mitglieder traditioneller Verwertungsgesellschaften sein können oder wollen. Eine Alternative, die gleichzeitig mindestens europäisch ausgerichtet ist, und verfügbare Technologien zum automatisierten Playlist-Reporting einsetzt, Strategien des Micro Payments berücksichtigt, transparentes Online-Licensing anbietet, aber auch exakte 1:1-Abrechnungen möglich macht – ohne statistische Verzerrungen, so weit technologisch machbar.

Dass innerhalb einer solchen Verwertungsgesellschaft jedes Mitglied volles und gleiches Stimmrecht hat, ist selbstverständlich. Ebenso wird jedes Mitglied frei entscheiden zu können, welche Werke die C3S verwertet. Ein Blick auf die Website zeigt, dass unser Konzept an diesem Punkt nicht endet.

Der Entschluss, eine eigene und unabhängige Gesellschaft zur Verwertung von Musik in Deutschland und darüber hinaus zu gründen, mag von den meisten als unseriös, wahnwitzig und dumm abgetan werden. Der Ansatz der C3S ist alles andere als das.

Das ist exakt der Grund für die seit Anfang 2010 verstrichene Dauer bis heute. „Quick & Dirty“ mag ab und an gut sein, aber Projekte wie eine Verwertungsgesellschaft verlangen ein gutes Maß an Vorüberlegungen und Konzeption. Die Site, die derzeit online ist, zeigt nur den Kern und einen Bruchteil dessen, was inhaltlich bereits vorbereitet ist. Uns fehlt es auch nicht an Unterstützung. Erste Gespräche haben gezeigt, dass wir auf Unterstützung durch Partner rechnen können.

Ich hoffe, in Kürze in weiteren Artikeln auf einzelne Punkte der C3S eingehen zu gehen.

Hinweisen möchte ich auf den Video-Mitschnitt eines Vortrags zum Thema „C3S: Verwertung von Musik unter Creative Commons“ während der transit 4 „Kreativität und Eigentum“ und die zugehörige Prezi-Präsentation.

restorm 2011: One-Stop-Service für unterschiedliche Lizenzen einschließlich Creative Commons

Zugegeben, obwohl bereits seit 2007 am Markt, und mindestens seit der Kehrtwende der Ausrichtung des Schweizer Start-Ups vom Musikvideoportal zum Multifunktionsdienst in den Medien, bin ich erst jetzt hellhörig geworden.

Nach den ersten Informationen, die ich zu den neuen Features von restorm.com erhielt, handelte es sich um einen Hybrid aus Jamendo, Download-Store und kommerzieller Verwertungsgesellschaft für Creative-Commons-Inhalte. Interessant ist aber v.a. der Ansatz, sowohl Inhalte anzubieten, die über Verwertungsgesellschaften abgerechnet werden, als auch solche von Creative-Commons-Künstlern – so auch restorm-CEO Philippe Perreaux:

Das neuartige daran ist der Umstand, dass es unterschiedlichste Urheberrechts-Konzepte berücksichtigt. Angefangen beim traditionellen Copyright über das moderne Creative Commons Konzept bis hin zum Ansatz der komplett freien Verbreitung namens Public Domain ist mit unserem Tool alles möglich.

Die Site spricht in erster Linie Künstler an. Und doch, gehe ich die gestellten Fragen der Landing Page durch, adressiert restorm Fans, Musiker, Labels, Manager, Blogger, Lizenznehmer und Veranstalter. Möchte man sich einen ersten Überblick verschaffen, ist man einige Zeit beschäftigt, durch viele Seiten hindurch zu klicken, die ebenso viel Information bieten.

Die meist lokalen (d.h. Schweizer) Partner wie die Berner Zeitung, iMusician Digital, SAE Zürich, Spreadshirt (Ausnahme: nicht Schweiz) sowie weitere Unternehmen aus Videoproduktion und Event-Marketing spiegeln die breite Palette der Zielgruppen.

Das Angebot an Funktionen ist dementsprechend reichhaltig; in einem in Kürze folgenden Artikel werde ich das „Rightclearing“ (Video) detailliert betrachten (unten als Kurzeinführung das Video), das restorm in den Vordergrund rücken möchte. Nicht zu Unrecht, denn wagt man sich in den Markt der kommerziellen Verwertung von Creative-Commons-Werken ohne Einschränkung auf eben diese, ist dieser nicht zu klein einzuschätzen: Jamendo bietet derzeit etwa 300.000 Titel an, davon jedoch nur 90.000 zur kommerziellen Lizenzierung (JamendoPro). Gerade der Blick auf Jamendo lässt aber auch fragen, wie viel Erfolg dem Business Modell beschieden werden mag.

Wie ist nun der Nutzen von restorm insgesamt anzusetzen? Es gibt in der Tat viele kleine Möglichkeiten, Bands im Mediennetzwerk pushen zu lassen. Auch ist die Option einer Mini-Website interessant, die für jede Band verfügbar ist. Diese lässt sich quasi als generiertes EPK (Electronic Press Kit) in jeden Online-Artikel auch von Bloggern und Magazinen wie ein Widget einbinden.

Smarter noch erscheint mir aber das Angebot an Blogger, das im Dschungel der Site untergeht. Sites wie Jamendo haben extrem mit Problemen der Kuratierung und Verschlagwortung zu kämpfen (dazu in Kürze mehr). restorm versucht hier, Blogger an sich zu binden. Diese bedienen als Filter ein spezielles Publikum und fungieren somit als Kurator/Qualitätsfilter, Multiplikator, Content-Produzenten (durch Reviews) und Metadaten-Generator in einer Person.

Letztendlich aber stellt sich mir die Frage, ob ein einzelnes (und gutes) Produkt hier nicht überfrachtet ist – zumindest fehlt es an einer transparenten Darstellung. Ist es gut, vom Start weg für jeden alles zu bieten? Wären ergänzende Services keine bessere Lösung? Denn die Funktionalität oder Idee hinter restorm in aller Kürze zu vermitteln fällt schwer. Da muss beim Elevator-Pitch der Aufzug schon stecken bleiben. Und das ist nicht gut fürs Unternehmen.