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Vinylverkäufe in USA 2012 um 16,3 % gewachsen

Digital Music News:

According to year-to-date Nielsen Soundscan stats published by Billboard, vinyl LPs are up another 16.3 percent this year, with 3.2 milllion units sold.

Vinyl ist nicht tot zu bekommen. Zumindest so lang die veraltenden Presswerke noch laufen.

(Mittelfristig besteht das Problem, dass bei Vinyl-Presswerken keine Ersatzteile für ausfallende Machinen mehr existieren. Es bleibt die Frage, ob der Vinyl-Umsatz den Markt groß genug machen kann, um hier Investitionen zu rechtfertigen.)

(via Christian Grasse)

Vinylabsatz ist 2011 in Deutschland um 10,3 Prozent gewachsen

heise online zu den heute veröffentlichten BVMI-Zahlen:

Der Umsatz mit CDs und anderen physischen Tonträgern sank um 3,8 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro; 2011 setzte die Branche 97 Millionen CDs (-1,7 Prozent) sowie noch rund 700.000 Vinyl-LPs (+10,3 Prozent) ab.

Das verwundert nicht. Vinyl eignet sich viel besser für das Souvenir im Regal als CDs.

Die Unterschiede bei den absoluten Zahlen machen Vinyl aber trotzdem bedeutungslos für die Tonträgerindustrie. Interessant ist die Entwicklung deswegen auch weniger für die großen Labels und mehr für Musiker, die entweder selbst oder mit kleinem Label ein filesharingsicheres Geschäftsmodell nutzen wollen:

Vinyl behält den Souvenircharakter und ist etwa in einer (teureren) Limited Edition nach wie vor beliebt bei Musikfans. Mit dem Rückgang von CDs und dem Aufstieg von Streaming dürfte die Bedeutung sogar weiter zunehmen.

Vom schleichenden Ende des Vinyls

Frank Krings (Frankfurter Buchmesse) über Vinyl:

Was spricht dann heute noch für das Vinyl? Ästhetik, Distinktion und Besitzerstolz. Während mp3s unsichtbar sind und kaum jemand seiner CD-Sammlung einen großen Platz im Wohnzimmer einräumt, sind Platten-Sammlungen mit schönen Covern ein echter Hingucker. So wie halt auch ein mit Tintenfeder und Wachs-Siegel handgefertigter Brief jeder Email ästhetisch überlegen ist und ihren Besitzer adelt. Ich kenne Wohnungen in denen ausgewählte Plattencover auf Regalen ausgestellt sind. Leider hat keiner ihrer Besitzer noch einen Plattenspieler um das Vinyl auch hören zu können. Soviel zur Relevanz von Trägermedien, die nur noch “ästhetisch” relevant sind.

Und zum Thema “Besitz” sagte der Vinyl-Traditionalist Eddie Piller in der Arte-Doku “Vinyl-Mania”: “Du besitzt einfach nichts, wenn du einen Download kaufst.” Ok, und wer jetzt neuerdings seine Lieblingsmusik via Streaming hört … der besitzt noch nicht einmal den Download-File! Aber geht es heute wirklich noch darum, Musik zu besitzen? Oder zählt nicht vielmehr der einfache, preiswerte und überall verfügbare Zugang zur Musik? Und zwar auf dem Medium, das ich gerade zur Hand habe?

Was das mit der Printbuch vs E-Book-Diskussion zu tun hat, muss jeder selbst entscheiden. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Ästhetik, Distinktion und Besitzerstolz das Papierbuch retten werden.

Ich glaube, dass für die heranwachsenden Generationen, zumindest für den musikinteressierten Teil unter ihnen, visualisierbare Hörgewohnheiten von Last.fm bis Facebook das Vinyl-Regal als Distinktionsgrundlage ersetzen. Mit dem Vinyl-Regal lassen sich auch keine verteilbaren Playlists erstellen.

Vinyl wird auch weiter noch lang einen Zweck erfüllen: als Souvenir. Aber diese Bedeutung sinkt beständig. (Spätestens wenn das letzte Vinyl-Presswerk kaputte Einzelteile hat, für die es keine Ersatzmöglichkeiten mehr gibt, wird auch Vinyl vorbei sein. Aber das nur am Rande.)